Von Gabriele Laube

Kulturelle Einrichtungen: Geschlossen. Veranstaltungen: Abgesagt. Existenzen: Bedroht. FĂŒr unzĂ€hlige KĂŒnstler und Freiberufler gilt bereits jetzt, dass ihre Existenz ohne politische Hilfe vor dem Aus steht. Ein Musiker, der noch unbesorgt in die Zukunft blickt, ist der Hamelner Nick March.

Deutschpop in den Einkaufsstraßen

Mit Straßenmusik fing er an und manchmal treibt es ihn zurĂŒck in die FußgĂ€ngerzonen. Dann spielt Nick March Gitarre und singt seine Lieder ĂŒber das Leben, die Liebe und das Reisen vor kleinem Publikum. Der SĂ€nger schmunzelt, die schnulzige Popmusik ist sein Metier.

Erfolgreich im Musikstreaming

Der ehemalige Offizier der deutschen Luftwaffe hat sich sein Lebenstraum erfĂŒllt. Er lebt von seiner romantischen Musik. Ab und zu liefert March auch den musikalischen Rahmen bei Trauungen, 80 Hochzeiten hat er bisher begleitet. Sein neuer Song ist speziell fĂŒr Trauungen geschrieben. „Es geht um uns“ ist seit Februar erhĂ€ltlich und wird im Musikstream von Spotify etwa 1000 Mal tĂ€glich angeklickt, erzĂ€hlt der 29jĂ€hrige Musiker stolz.

Veranstaltungen: abgesagt

Wenn er mit seiner Band tourt, klĂ€ngen seine Songs deutlich anders, sagt March. Jetzt treffen auch ihn die Corona-EinschrĂ€nkungen, sein lange geplantes Heimatkonzert am 21. MĂ€rz entfĂ€llt. Eine Entscheidung, die ihm in persönlicher und finanzieller Hinsicht nicht leicht fiel. „Ich habe die letzten Monate auf die nĂ€chsten Konzerte hin gearbeitet. Geprobt, geschrieben, Werbung gemacht, Plakate, Poster und Karten drucken lassen, das alles ist jetzt fĂŒr die Katz“, schreibt er auf Facebook und zitiert dazu BundesprĂ€sident Steinmeier: „Unsere SelbstbeschrĂ€nkung heute wird morgen Leben retten!“

GefÀhrdete Existenzen

Zahlreiche Shows von ganz unterschiedlichen KĂŒnstlern aller Genres sind abgesagt oder verlegt worden. Welche EinschrĂ€nkungen nach dem 19. April noch gelten, kann momentan niemand vorhersagen. Doch unzĂ€hlige KĂŒnstler und Freiberufler wissen bereits, dass ihre Existenz vor dem Aus steht, wenn ihnen in der Corona-Krise nicht seitens der Politik schnell und unbĂŒrokratisch geholfen wird. Ihnen fehlen schlicht die RĂŒcklagen, um einen oder zwei Monate ohne Einkommen auszukommen.

Mit einem leidenschaftlichen Appell wendet sich March daher, wie viele seiner Kollegen, an seine Fans: „Genau jetzt entscheidet ihr durch euren Support, ob und wie viele KĂŒnstler weiter machen können. Denn das erste was gestrichen oder verschoben wurde, sind eben Kulturveranstaltungen.“ Sicher bekĂ€men alle Fans ihr Geld wieder, wenn sie die Tickets fĂŒr abgesagte oder verlegte Veranstaltungen zurĂŒckgeben. Die Eintrittskarte nicht zurĂŒckzubringen, helfe jedoch nicht nur den Musikern, sondern auch ihren freiberuflichen Helfern, Tontechnikern, Veranstaltern und deren Familien.

UnterstĂŒtzer gesucht

Der OpernsĂ€nger David Erler fordert, die staatlichen Finanzhilfen so unbĂŒrokratisch wie möglich, auf sĂ€mtliche Freischaffende und KĂŒnstler auszuweiten. Seine Online-Petition, gestartet am 11. MĂ€rz, hat mit Stand 20. MĂ€rz, weit ĂŒber 260.000 UnterstĂŒtzer gefunden.

„Kultur ist kein Luxus, den wir uns leisten oder nach Belieben streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere innere ÜberlebensfĂ€higkeit sichert.“, sagte Richard von WeizsĂ€cker einst. Darin zu investieren, lohnt.

Das Konzert von Nick March und Band in der Lalu Traumfabrik ist auf den 12. September 2020 verschoben worden. Alle Tickets behalten ihre GĂŒltigkeit.

Der Link zur Petition von David Erler:
Open Petition