Von Gabriele Laube

Vielleicht stellen existenzielle Herausforderungen wie die Corona-Pandemie ja nicht immer nur ein Problem dar, das wir l√∂sen m√ľssen? Unsere 10 krisenfesten Tipps sagen dir, wie du gelassen durch diese Zeit kommst und daraus noch nachhaltig profitierst. Nach jetzigem Stand.

1.) Sich Sorgen ist erlaubt, jederzeit

Etwa 70 Prozent der Bev√∂lkerung k√∂nnten es treffen, sch√§tzt der Epidemiologe Marc Lipsitch. Erkrankten alle innerhalb einer kurzen Zeitspanne, k√§me unser Gesundheitssystem schnell an seine Grenzen. Wie in Italien, w√ľrden hierzulande Beatmungsger√§te und Intensivbetten fehlen. Riskant ist der neue Krankheitserreger f√ľr Menschen mit Vorerkrankungen und Senioren. Allein vom Alter her geh√∂ren mehr als 17,9 Millionen Deutsche √ľber 65 Jahre zur Risikogruppe. W√§hrend Angeh√∂rige sich um ihre Eltern oder Gro√üeltern sorgen, sind Unternehmen und Selbstst√§ndige durch Schlie√üungen wirtschaftlich stark betroffen. Auch hier geht Angst um, doch sie ist ein schlechter Ratgeber.

Zu der Erkenntnis, dass wir manche Dinge einfach nicht kontrollieren k√∂nnen und wir sie so akzeptieren m√ľssen, wie sie sind, kommen wir gerade. Die meisten Menschen erkranken durch SARS-CoV-2, den neuartigen Corona-Virus, nicht schlimm, so verbieten sich Vergleiche mit der allj√§hrlichen Grippewelle. Dass die Beh√∂rden in ganz Deutschland drastische Ma√ünahmen im Kampf gegen eine schnelle Ausbreitung des Corona-Virus ergreifen, damit weniger Menschen sterben, aber geht jeden Bundesb√ľrger an. 

Sich sorgen bedeutet auch, sich zu k√ľmmern, und daraus k√∂nnte ein neues Gemeinschaftsgef√ľhl entstehen. Vielerorts wird schon Hilfe √ľber die sozialen Netzwerke angeboten. Jeder kann dazu beitragen, den Schwachen in der Gesellschaft, die sie nicht kennen, eine Chance zum √úberleben zu geben. Indem alle, die es k√∂nnen, zuhause bleiben und ihre sozialen Kontakte einschr√§nken, auch ohne weitreichende Verbote.

2.) Informieren dich gezielt

St√§ndig am Corona-Live-Ticker zu h√§ngen oder eine Sondersendung nach der anderen zu schauen, hat eine gewisse Faszination, kann dich jedoch schnell √ľberfordern. Was wirklich wichtig ist f√ľr dich, solltest du gut √ľberlegen. In der Regel reicht es aus, zu wissen, ob es in deiner Umgebung Verdachtsf√§lle gab und welche Einschr√§nkungen f√ľr deine Region dich konkret betreffen. Belastet dich das Thema emotional, gen√ľgen die Informationen aus den offiziellen Quellen und du kannst dich anderen Dingen widmen. Gilt √ľbrigens auch f√ľr andere Krisenf√§lle.

3.) Denke nach, bevor du Vorräte anlegst

Das Anlegen einer gewissen Vorratsmenge ist sinnvoll, in Ma√üen, nicht in Massen. N√∂tig ist es meistens nicht, denn in Deutschland ist die Grundversorgung stets gew√§hrleistet. 14 Tage zuhause ohne Kontakt zu √ľberstehen, sollte ohne riesige Vorratshaltung gelingen. Vielleicht helfen ja auch die Nachbarn? Mit aktivem, aber planvollem Handeln kannst du dein eigene Stress- und Angstgef√ľhl reduzieren.

Erfrage also deine Gr√ľnde, denn es ist ein Unterschied, ob du dich f√ľr den Fall einer Erkrankung oder Isolierung wappnen m√∂chtest, oder ob du nur aus Angst handelst, weil du siehst, wie andere Menschen Hamsterk√§ufe t√§tigen.

4.) Verstehst du deine Mitmenschen?

Die einen sch√ľtteln den Kopf √ľber leere Regale, die anderen hamstern Waren wie Toilettenpapier, Nudeln und Tiefk√ľhlpizza. Keiner will bewusst dem anderen etwas wegnehmen, aber in Krisenzeiten geschieht egoistisches Handeln h√§ufig aus einem angeborenen Selbstschutz-Trieb heraus. Kannst du den Druck nachvollziehen, unter dem Menschen leiden, deren Sorgen Ausma√üe annehmen, die du pers√∂nlich nicht kennst? Oder Mitleid empfinden f√ľr jene, die nur ihren Bed√ľrfnissen nachgeben? Bedenke, Einschr√§nkungen des √∂ffentlichen Lebens wie diese, sind neu f√ľr alle Bundesb√ľrger.

Diese Aussage gilt nicht f√ľr jene, die aus kriminellen Gr√ľnden Konsumg√ľter hamstern, um sie im Internet teuer zu verkaufen.

5.) Gemeinsam sind wir stark

Auch wenn viel Schlechtes in Menschen steckt, ist der Mensch doch ein soziales Wesen und braucht N√§he und Bindungen. Psychisch gesehen st√§rkt die Gemeinschaft die Widerstandsf√§higkeit seiner Mitglieder. Wer sich mit anderen √ľber seine existenziellen √Ąngste und Sorgen austauschen kann, √ľberwindet Zeiten der Isolation besser.

In den Sozialen Medien h√§ufen sich Hilfsangebote, von Kinderbetreuung bis zum Einkaufen f√ľr Senioren. Nachbarn bieten Infizierten an, Lebensmittel vor die T√ľr zu stellen. Es gilt als  selbstverst√§ndlich, sich geduldig an die Vorgaben der Beh√∂rden zu halten. In Italien verabreden sich die Menschen zum spontanen Singen auf ihren Balkonen, um die allgemeine Stimmung zu heben. So funktioniert eine intakte Gesellschaft.

6.) Grenz dich ab

Das Thema Corona wird die Welt noch lange besch√§ftigen, besonders im Hinblick auf eine m√∂gliche wirtschaftliche Talfahrt. Was kommt, kannst du nicht beeinflussen. Es kann also sein, dass dich das Thema sehr bald nerven wird, ziehe also deine pers√∂nliche Grenze und schotte dich ab. Wenn du keine Lust auf das Thema hast oder nicht dar√ľber nachdenken m√∂chtest, sage es laut und deutlich. Bedenke, dein Leben ist aktuell nicht bedroht. Das Schlimmste, was dir passieren kann, wenn dich der Virus nicht erwischt, ist eine Quarant√§ne.

7.) Sarkasmus ist nicht die beste Reaktion

Wenn du selbst entspannt durch diese Krise gehst, mach dich nicht lustig √ľber diejenigen, die schon sorgenbelastet durchs Leben gehen. F√ľr einige k√∂nnen die aktuellen Ver√§nderungen einfach der letzte Tropfen sein, der angesichts ihrer schon vorhandenen Anforderungen, das Fass zum √úberlaufen bringt. Sarkasmus hilft in dieser Situation niemandem und schadet nur dir selbst. Besorgte Menschen treffen mehr Vorkehrungen als unbesorgte Menschen. Sie leben vielleicht nicht gl√ľcklicher aber eben sicherer. Wenn du andere Menschen beruhigen m√∂chtest, h√∂re dir ihre Sorgen an und nimm sie ernst. √úbersch√ľtte sie nicht mit gut gemeinten Ratschl√§gen, das gilt auch besonders in der Partnerschaft.  

8.) Warum Logik nicht funktioniert

Gef√ľhlte Wahrheiten schlagen im Internet die blo√üen Fakten. Nur mit Zahlen um sich zu schmei√üen, bringt in diesen Zeiten wenig, denn die Statistik zu Infektionen, Toten und Genesenden √§ndert sich permanent, weltweit, in Deutschland, in unserer Region und will interpretiert werden. Tabellen erreichen oft nur gelassene Menschen, der Rest folgt nicht mathematisch-logischen Grunds√§tzen, sondern l√§sst sich elektrisieren von sich √ľberschlagenden Tickermeldungen. Sind diese aus offiziellen Quellen verifiziert? Achtung: Auch Fake-News und Verschw√∂rungstheorien kursieren, deren Urheber freuen sich √ľber jede Unruhe, die zus√§tzlich entsteht. Klingt unsachlich und so ist es auch, doch statt frustriert √ľber das Warum zu diskutieren, hilft aufregen wenig, aufkl√§ren hingegen viel.

9.) Hinterfrage deine Entscheidungen nicht

Entscheide dich, ob du in der jetzigen Situation noch am √∂ffentlichen Leben teilnimmst. Machst du das, weil du denkst, dass es richtig ist? Oder nur, weil es deine Freunde tun? Hinterfrage diesen, deinen Entschluss nicht permanent. Ob dein niesendes Gegen√ľber im Bus eventuell den Virus hat, kannst du nicht wissen, es aber auch nicht √§ndern. Vermeide Einsch√§tzungen dieser Art. Soziale Kontakte auf ein Minimum zu beschr√§nken, ist derzeit die Regel, nicht die Ausnahme.

10.) Die freie Zeit mit allen Sinnen nutzen

Sich auf das Wesentliche zu besinnen, gelingt in unserer schnelllebigen, vernetzten Welt mit beh√∂rdlich diktierten Einschr√§nkungen einfacher. Die Ausrede ‚ÄěIch habe keine Zeit‚Äú wird es auf lange Zeit nicht mehr geben.

Doch welche Projekte k√∂nnen jetzt angegangen werden, wenn jeder zuhause bleiben muss? Kinder wollen besch√§ftigt werden. Statt nur auf Bildschirme zu schauen, w√§re es sinnvoll, sich gemeinsam hinzusetzen und zu √ľberlegen, welche Projekte angegangen werden k√∂nnen und wie Kontakte gehalten werden k√∂nnen. Wir listen auf, was gerne individuell erg√§nzt werden kann: Gartenarbeit, Basteln, Fremdsprachen lernen, die Steuererkl√§rung machen, die Wohnung ausmisten, Briefe oder Romane schreiben, ein Start-Up planen, spazieren gehen und dabei einen Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen zu halten.   

Mit Sport, Spielen und jeglichen Formen von Bewegung werden Stresshormone abgebaut. Das gilt besonders auch f√ľr Sex. Wenig Stress, m√§√üig Alkohol, eine √ľberwiegend pflanzliche und vollwertige Ern√§hrung, sowie ausreichend Bewegung gelten als bester Schutz vor Krankheiten und st√§rken das Immunsystem, was wiederum Viren und Bakterien abwehren kann.

Vielleicht möchte aber so mancher nach dieser Krise nicht mehr so weitermachen wie vorher. Wenn dieser Weg das Ziel wäre, könnten alle davon profitieren.