Weserbergland. Kurzarbeit und Kurzarbeitergeld, auch KUG genannt, was ist das ĂŒberhaupt? Rund um das Thema gibt Jörg LĂŒcking, Teamleiter des Arbeitgeberservice der Agentur fĂŒr Arbeit Hameln, Antworten auf drĂ€ngende Fragen von Unternehmen in den Landkreisen Holzminden, Schaumburg und Hameln-Pyrmont.

Herr LĂŒcking, wie bewerten Sie die aktuelle Situation fĂŒr Arbeitgeber im Weserbergland?

Die EinschrĂ€nkungen des öffentlichen Lebens treffen auch immer mehr Unternehmen in den Landkreisen Hameln-Pyrmont, Holzminden und Schaumburg. Um wirtschaftliche Einbußen und AuftragsrĂŒckgĂ€nge abzufedern, mĂŒssen derzeit sehr viele Betriebe auf Kurzarbeit zurĂŒckgreifen und benötigen hierzu Informationen.  

Wer berĂ€t in den GeschĂ€ftsstellen der Agentur fĂŒr Arbeit Hameln zum Thema KUG? 

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Arbeitgeberservices. Wir mĂŒssen aktuell um VerstĂ€ndnis werben, dass die Bearbeitung der online und telefonisch eingehenden Fragen nicht immer so schnell möglich ist, wie wir uns dies selber im Sinne des Arbeitgebers wĂŒnschen.

Was sind die GrĂŒnde hierfĂŒr?

Aufgrund der Corona-Pandemie sind die Anfragen zum Thema KUG drastisch gestiegen. Darunter sind auch viele Arbeitgeber aus Bereichen wie beispielsweise Verkauf, Hotellerie und GaststĂ€tten, die bisher noch nie KUG beantragen mussten und daher einen erhöhten Beratungsbedarf haben. Wir stocken die personellen KapazitĂ€ten im Arbeitgeberservice aktuell nochmals auf, um dem Ansturm der Anfragen gerecht zu werden. Weiterhin ist die Telefonie stark belastet, dies kann zu Wartezeiten fĂŒhren. 

Was muss ein Arbeitgeber allgemein beachten, wenn er KUG in Anspruch nehmen möchte? 

Wichtig ist, dass vor Beginn der Kurzarbeit diese zunĂ€chst schriftlich bei der Agentur fĂŒr Arbeit angezeigt werden muss. Der notwendige Vordruck hierzu ist auf der Internetseite der Agentur fĂŒr Arbeit zum Thema Kurzarbeit zu finden; alternativ kann er per Email angefordert werden.  Liegen die Voraussetzungen vor, wird die Kurzarbeit grundsĂ€tzlich bewilligt. Der Arbeitgeber erhĂ€lt einen entsprechenden Bescheid. Zur Berechnung und Auszahlung des KUG werden dann weitere Unterlagen benötigt, hier ist dem Unternehmer in der Regel sein Steuerberater behilflich.

Wie hoch ist das KUG und fĂŒr wie lange wird es gezahlt?

Das KUG kann höchstens 12 Monate gezahlt werden und entspricht der Höhe des Arbeitslosengeldes, also 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohns. FĂŒr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Kindern betrĂ€gt der Satz 67 Prozent.

Infoblock zum KUG

Was bedeutet Kurzarbeit und welche Vorteile hat KUG?

Wenn fĂŒr alle BeschĂ€ftigten oder auch nur einen Teil der Mitarbeiterschaft vorĂŒbergehend nicht mehr genug Arbeit vorhanden ist und sie daher die Arbeit verringern oder einstellen mĂŒssen, kann ein Betrieb Kurzarbeit anzeigen. In der Folge können die Angestellten im Betrieb KUG beziehen. Das Geld wird vom Arbeitgeber ausgezahlt, der es von der Agentur fĂŒr Arbeit erstattet bekommt. So können ArbeitsplĂ€tze auch in der Krise erhalten bleiben, Arbeitgeber werden von Lohnkosten entlastet und mĂŒssen nicht ihr eingearbeitetes Personal entlassen. SelbststĂ€ndige und Minijobber können kein KUG beziehen.

Welche Bedingungen gibt es fĂŒr KUG?

Es gibt einige Voraussetzungen, die erfĂŒllt sein mĂŒssen. Kurzarbeit können Unternehmen beantragen, die aufgrund unverschuldeter wirtschaftlicher Ursachen wie LieferengpĂ€sse bei benötigten Produktionsteilen oder anderer nicht beeinflussbarer (unabwendbarer) Ereignisse wie Hochwasser oder das Coronavirus kurzfristig in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten,  ihre BeschĂ€ftigten dadurch nicht mehr voll auslasten können, und bei denen mindestens 10 Prozent der im Betrieb BeschĂ€ftigten mindestens 10 Prozent ihres Lohns einbĂŒĂŸen.

Per Eilgesetz der Bundesregierung wurden Verbesserungen beim KUG beschlossen. Welche sind dies genau?

Mit den neuen Vorschriften können noch mehr Betriebe Kurzarbeit nutzen. Bisher musste mindestens ein Drittel der im Betrieb BeschĂ€ftigten von einem Arbeits- und Lohnausfall betroffen sein. KĂŒnftig reichen 10 Prozent der BeschĂ€ftigten. Hinzu kommt, dass die Bundesagentur fĂŒr Arbeit nun auch die SozialversicherungsbeitrĂ€ge voll erstattet. Denn auch in Kurzarbeit sind BeschĂ€ftigte weiter in den Sozialversicherungen gemeldet. Bisher mussten die Arbeitgeber diese BeitrĂ€ge in voller Höhe selbst ĂŒbernehmen. Auch entstehen fĂŒr den Arbeitnehmer keine Nachteile mehr in der Rentenversicherung, weil hier weiterhin BeitrĂ€ge abgefĂŒhrt werden. Neu ist ebenfalls, dass kĂŒnftig auch Leiharbeitnehmer KUG erhalten können.

Voraussetzungen fĂŒr KUG sind „wirtschaftliche Ursachen“ und die sogenannten „unabwendbaren Ereignisse“. Was heißt das?

Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass Unternehmen wirklich nur im Notfall KUG beanspruchen können und nicht bei normalen Betriebsrisiken. Wirtschaftliche Ursachen meinen die EinflĂŒsse, die nicht in der Verantwortung des Betriebes liegen. Beim Coronavirus kann von wirtschaftlichen Ursachen gesprochen werden, wenn beispielsweise Teile ausbleiben, nicht ersetzt werden können und BĂ€nder stillstehen. Dann gibt es noch die sogenannten „unabwendbaren Ereignisse“. Darunter fĂ€llt beispielsweise Hochwasser. Und dazu zĂ€hlen auch behördliche Anordnungen. Reicht das Geld der Bundesagentur fĂŒr Arbeit fĂŒr eine schwere Konjunkturkrise aus? Die Bundesagentur fĂŒr Arbeit ist auf eine mögliche schwere Krise vorbereitet. Sie kann bei Bedarf auf Konjunkturreserven zurĂŒckgreifen. Diese liegen derzeit bei 26 Milliarden Euro.

Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten:

www.arbeitsagentur.de/kurzarbeit

Telefonische Beratung fĂŒr Arbeitgeber unter der kostenfreien Hotline 0800/45555-20  (montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr)  

 (red)