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Die Buchhandlung Seifert empfiehlt: „Agathe“

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19-02-21_Buchtipp
BU: Heike Wagner empfiehlt „Agathe“. Foto: Brümmer

Heike Wagner von der Buchhandlung Seifert hat „Agathe“ von Anne Cathrine Bomann, erschienen im Hanser Verlag, für Sie gelesen.

„Ist es jemals zu spät, um Nähe zuzulassen?“, so die Frage auf dem hinteren Buchdeckel des Romans. Darum geht es in Anne Cathrine Bomanns Geschichte über einen Psychiater, der sich in Vorbereitung auf seinen Ruhestand befindet.

Er zählt die Monate und Wochen bis dahin oder auch anders gesagt, falls alle angekündigten Patienten kommen, sind es noch genau achthundert Gespräche. Alles geht nach der üblichen Gewohnheit von statten. Die täglichen Abläufe folgen dem immer gleichen Ritual der Begrüßung und der kurzen Besprechung mit seiner langjährigen Sekretärin. Der Psychiater tätigt Gespräche mit seinen Patienten und als Leser lernt man diese Personen eher als Beobachter aus der Distanz kennen.
Seinem Beruf als Psychiater ist es auch sicher nicht sehr zuträglich eine zu enge Vertrautheit und somit Verbindung zu seinen Gesprächsteilnehmern aufzubauen. Wobei die andere Seite sich ihm ja öffnet, um zur Heilung zu gelangen.
Dies soll sich ändern an dem Tag als Agathe zu ihm in die Praxis kommen will und um einen Termin bittet. Mme Surrugue, seine Sekretärin, soll sie abwimmeln mit der Begründung, dass für eine Heilung nicht mehr genügend Zeit bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand sei.
Agathe kommt trotzdem und ist einfach da. Sie lässt sich nicht abwimmeln, denn sie könne nirgendwo anders hin außer zu ihm, so ihre Aussage. Es sei wichtig!
Schließlich lässt er sich darauf ein, da Agathe sich mit einem halben Jahr der Therapie zufrieden zeigt – der Zeitraum bis zum Ruhestand. Und diese Zeit verändert alles!

Anne Cathrine Bomann hat einen wundervollen Schreibstil, der der Geschichte viele Emotionen einhaucht. Besonders sind es die melancholischen Momente und ernsten Szenen, die durch ihre Wortwahl gewinnen.

(red)