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Die Buchhandlung Seifert empfielt: Die kleine Welt der Madame Jeanne

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Buchtipp Mai 2018
Heike Wagner hat wieder für sie gelesen. Foto: Brümmer

Wie empfindet man das Alter und wie lebt man es? Zerbricht man sich den Kopf darüber oder passt man sich einfach an? Madam Jeanne weiß es zu leben.

90-jährig genießt sie jeden Tag um so mehr, seitdem sie beschlossen hat nach dem letzten langen Winter Tagebuch zu schreiben. Sie freut sich ihres langen Lebens und hat viel zu erzählen. Ihre Erinnerungen lassen uns in ihr Leben blicken und es macht Spaß ihr „zuzuhören“. Der Leser wird in ihren Bann gezogen, wie wenn die eigene Großmutter aus ihrem Leben erzählt hat.

Madam Jeanne ist noch so rüstig, dass sie sogar noch Auto fährt. Sie besucht ihre Freundinnen auf einen Tee und zum Bridge spielen, kann aber auch genauso den Blumen beim Wachsen zusehen oder in die Sterne schauen und in ihren Erinnerungen schwelgen.
In ihrem kleinen Dorf lebt sie zwar allein fernab der Stadt, aber sie ist durchaus nicht einsam. Angèle kommt donnerstags zum Putzen und ein Gärtner kümmert sich um ihren Garten. Wenn an den Feiertagen die Familie mit den Kindern aus Paris kommt wird es kurzfristig sehr unruhig, aber auch das hindert Jeanne nicht daran ihr eigenes beschauliches Leben so zu führen wie sie es mit ihren 90 Jahren am besten kann und mag.
Große Pläne macht sie nicht mehr. Ihr Ziel ist es lediglich nicht krank oder dement zu werden. Um dies zu überprüfen macht sie sogar Tests zum Stand ihrer Demenzfähigkeit und ist stolz darauf nur zwei Punkte erreicht zu haben.

Vèronique de Bure erzählt ruhig, oft humorvoll und auch nachdenklich die Geschichte einer Frau in sehr hohem Alter, die nicht klagt, sondern ihr Leben so genießt wie sie es noch kann. Ein sehr lesenswertes Buch für jüngere und auch ältere Leser, die mit einem weinenden und auch einem lachenden Auge auf das kommende Alter blicken oder von dort zurückblicken können.

(red)