Schon seit den 1990er Jahren bietet der Landkreis Hameln-Pyrmont verschiedene Naturschutzförderprogramme an, mit denen der Erhalt, die Pflege und Entwicklung bestimmter, selten gewordener Lebensräume der Kulturlandschaft finanziell gefördert werden soll.

Mit dem Ackerrandstreifenprogramm wird die extensive Ackerbewirtschaftung unter Verzicht auf Dünger und Herbizideinsatz gefördert. Das Extensivierungsprogramm bei Feuchtwiesen und Trockenrasen hat die extensive Bewirtschaftung von Kalk-Halbtrockenrasen und Feuchtwiesen zum Ziel.

Im Rahmen des Gewässerrandstreifenprogrammes wird die Anlage eines zehn Meter breiten Pufferstreifens entlang der Gewässer II. Ordnung und dessen extensive Bewirtschaftung ohne den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmittel bezuschusst.

Für die Neuanlage von Feldhecken und Streuobstwiesen gibt es Fördergeld aus dem Heckenschutz- und Anpflanzungsprogramm.

Vor dem Hintergrund der immer weiter voranschreitenden Verarmung der Landschaft an Lebensräumen, vor allem für Insekten, hat der Landkreis nun ein neues Förderprogramm auf den Weg gebracht. Damit sollen zum einen die bereits seit Jahren bestehenden und bewährten Förderprogramme weitergeführt bzw. ergänzt und optimiert werden und zum anderen zusätzliche Landschaftselemente gefördert werden.

So wird das Extensivierungsprogramm, das sich bisher auf Trockenrasen und Feuchtwiesen beschränkte, ergänzt um eine Förderung von Grünland auf mittleren Standorten, um auch dort Artenreichtum zu entwickeln.
Arten- und blütenreiches Grünland ist einer der wichtigsten Lebensräume von Insekten. Der in den letzten Jahrzehnten fortschreitende Verlust bzw. Rückgang dieses Lebensraumes durch Umwandlung in Acker, Intensivierung der Nutzung und Überdüngung, Nutzungsaufgabe, Aufforstung oder Bebauung ist eine maßgebliche Ursache für den Insektenrückgang. Mit dem Förderprogramm soll ein Anreiz geschaffen werden, das noch vorhandene Grünland weiter zu bewirtschaften. Für die Einhaltung bestimmter Bewirtschaftungsauflagen wie beispielsweise zum Mahdzeitpunkt und zum Verzicht auf Düngung und Pflanzenschutzmittel wird eine jährliche Entschädigung gewährt.

Da viele wertvolle Lebensräume isoliert voneinander in der Landschaft liegen und zwischen ihnen aufgrund der zumeist intensiven Landnutzung kein Austausch stattfinden kann, sollen nun auch solche Landschaftselemente gefördert werden, die einen Beitrag zum Biotopverbund leisten, zum Beispiel Weg- und Ackerraine.

Die Raine entlang der Feldwege und Ackerränder sind vielerorts die letzten belebenden und gliedernden Elemente in der Landschaft und wichtige Lebensräume für Insekten, Vögel, Kleinsäuger und Niederwild in der intensiv genutzten Agrarlandschaft. Sie sind Nahrungsquelle, Rückzugsraum und Brut- oder Nistplatz. Zahlreichen Insekten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlingen bieten die Blütenpflanzen der Feldraine Pollen und Nektar. Die dort wachsenden Kräuter und Gräser und deren Samen sowie darin lebende Insekten bieten Nahrung für Vögel und Kleinsäuger. Nicht zuletzt finden viele Tiere der Feldflur hier Schutz und Deckung. Gerade in den Sommermonaten sind die blühenden Säume aus Kräutern und Gräsern einziges weitgehend ungestörtes Strukturelement. Zahlreiche Tiere halten sich dann darin auf. Aber auch im Winter bieten stehen gebliebene Stängel oder Blüten- und Samenstände von Gräsern und Kräutern Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten und ihre Entwicklungsstadien.

Auch für die Biotopvernetzung haben die Feld- und Wegraine eine wichtige Bedeutung. Sie stellen Verbindungen zwischen unterschiedlichen Lebensräumen her, zum Beispiel zwischen Wald, Hecken, Feldgehölzen oder Brachen und bieten so Wanderkorridore für Tiere und Pflanzen.
So wird die Agrarlandschaft durchzogen von, wenn auch schmalen, miteinander verbundenen Strukturen.

Mit dem neuen Förderprogramm soll der Erhalt vorhandener und die Schaffung neuer linearer Strukturen in Form von Säumen entlang von Hecken, Waldrändern, Wegrändern, Feldrändern, Straßen und Gräben sowie deren extensive Pflege gefördert werden. Dies kann beispielsweise durch die Wiederherstellung der Feld- und Wegraine in ihrer ursprünglichen Breite (Feststellung der realen Wegbreite lt. Katasterplan) und deren extensive Pflege ohne Düngung und Pflanzenschutzmittel erfolgen. Wichtig ist dabei, darauf zu achten, dass von den angrenzenden Feldern kein Dünger oder Pflanzenschutzmittel auf die Wegraine abdriftet. Nur so kann der Feld- oder Wegrain einer gewissen Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten Lebensraum bieten.

Darüber hinaus soll auch die Neuanlage von Weg- und Ackerrainen finanziell unterstützt werden.

Auf ausgewählten Standorten kann eine Neuanlage von blütenreichen Säumen entlang von Wegen oder Feldern, Hecken und an Waldrändern sinnvoll sein. Diese sollten aber immer mehrjährig sein und dauerhaft erhalten bleiben.

Die Neuschaffung solcher dauerhaften Strukturen ist nur dort sinnvoll, wo die Flächen eine ausreichende Breite haben, die Eigentumsverhältnisse einen dauerhaften Erhalt zulassen und eine dauerhafte Pflege, welche sich an naturschutzfachlichen Gesichtspunkten orientiert, gewährleistet ist. Auch die Bodenverhältnisse müssen so beschaffen sein, dass sich ein artenreicher Wegsaum entwickeln kann. Dort, wo der Boden von Natur aus schon sehr nährstoffreich ist, wird sich kein artenreicher Saum entwickeln lassen. Um den rechtlichen Vorgaben zum Ausbringen von Pflanzen in der freien Landschaft gerecht zu werden, ist für die Neuanlage solcher Wegraine zertifiziertes Regio-Saatgut mehrjähriger Arten aus gebietsheimischen Herkünften (aus dem gleichen Ursprungsgebiet) zu verwenden.

Die Förderprogramme richten sich an Privatpersonen sowie an Vereine und Verbände.

Weitere Informationen auf der Internetseite des Landkreises Hameln-Pyrmont unter Landkreis Hameln-Pyrmont.

(red)