Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat gegen einen 48-JÀhrigen aus dem Landkreis Northeim Anklage erhoben vor dem Landgericht Göttingen wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen sowie wegen Besitzes von kinderpornografischen Schriften.

Der Tatverdacht fiel im Rahmen der Ermittlungen im Zusammenhang mit den Vorkommnissen auf dem Campingplatz in LĂŒgde (Nordrhein-Westfalen) auf den Angeschuldigten. Bei einer richterlich angeordneten Hausdurchsuchung im MĂ€rz wurden 43 DatentrĂ€ger mit entsprechenden digitalen Beweismitteln sichergestellt. Der 48-JĂ€hrige befindet sich seither aufgrund eines durch die Staatsanwaltschaft Göttingen erwirkten Haftbefehls in Untersuchungshaft. Gegen ihn wurden insgesamt neun Strafverfahren zum Nachteil von sieben Opfern eingeleitet. Der Angeschuldigte macht keine Angaben zur Sache und lĂ€sst sich anwaltlich vertreten. Im Falle einer Verurteilung muss der Angeschuldigte mit einer mehrjĂ€hrigen Haftstrafe rechnen.

“Die Entstehungsgeschichte und der Fortgang des Verfahrens zeigen einerseits den besonderen Ermittlungsaufwand und andererseits die gute Zusammenarbeit von Strafverfolgungsbehörden und JugendĂ€mtern auf. Dies ist vor allem mit Blick auf das lĂ€nderĂŒbergreifende arbeitsteilige Vorgehen hervorhebenswert. So hat die Staatsanwaltschaft Detmold im Augenblick ausreichender Verdachtsmomente alle relevanten Informationen der fĂŒr die Taten zustĂ€ndigen Staatsanwaltschaft Göttingen mitgeteilt, die daraufhin ohne zeitlichen Verzug tĂ€tig werden konnte”, so Dr. Stefan Studenroth, Leitender Oberstaatsanwalt in Göttingen.

Sonderkommission der Polizei Northeim
Die Ermittlungen gegen den Angeschuldigten wurden unter FederfĂŒhrung der Staatsanwaltschaft Göttingen von der Polizeiinspektion Northeim gefĂŒhrt. Dort wurde eine Sonderkommission des Zentralen Kriminaldienstes (ZKD) eingerichtet, in der 24 EinsatzkrĂ€fte bereits umfangreich tĂ€tig geworden sind. So hat es mehr als 20 Vernehmungen gegeben, zudem wurde auch im Umfeld des 48-JĂ€hrigen ermittelt. Diese Ermittlungen erhĂ€rteten den Verdacht gegen den Mann, mehrere Kinder und Jugendliche missbraucht zu haben. Videobefragungen der Opfer, die von speziell geschultem Personal vorgenommen wurden, ergaben zudem weitere Anhaltspunkte auf regelmĂ€ĂŸige sexuelle Übergriffe.

Auswertungen umfangreicher Datenmengen
Ein weiterer Schwerpunkt lag in der Auswertung der sichergestellten digitalen Daten. Aufgefundene Videos und Bilder erhĂ€rteten den Verdacht gegen den Angeschuldigten, mehrere Opfer missbraucht zu haben. Des Weiteren haben die Ermittler Chatnachrichten in Online-Portalen ausgewertet und auf strafrechtlich relevante Hinweise ĂŒberprĂŒft, in denen sich der 48-JĂ€hrige mit anderen PĂ€dosexuellen ausgetauscht hat.

Weitere Strafverfahren
Insgesamt wurden ausgehend von den Verfahren gegen den 48-JĂ€hrigen bisher 130 Strafverfahren wegen sexuellen bzw. schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, Vergewaltigung und Besitz von kinderpornografischen Schriften eingeleitet. 32 Beschuldigte wurden von den Northeimer Ermittlern inzwischen eindeutig identifiziert und aus ihrer AnonymitĂ€t geholt. Hierbei handelt es sich ĂŒberwiegend um professionell agierende TĂ€ter, die sich mit Pseudonymen bzw. Fake-Personalien im Internet bewegen.

“Sexueller Missbrauch von Kindern ist ein widerwĂ€rtiges Verbrechen. Ich bin ĂŒber dieses Ausmaß zutiefst erschĂŒttert und in Gedanken bei den vielen Opfern. Die BekĂ€mpfung dieser schwersten Straftaten hat in der Polizeidirektion Göttingen eine hohe PrioritĂ€t. Dies zeigt sich auch in der Vielzahl von Beamtinnen und Beamten allein in der Sonderkommission in Northeim. Wir setzen die Ermittlungen in dieser Sonderkommission mit Hochdruck fort und werden auch zukĂŒnftig Sonderkommissionen einsetzen, wenn es erforderlich ist”, sagte Uwe LĂŒhrig, PrĂ€sident der Polizeidirektion Göttingen, zum aktuellen Sachstand.