Ein herumlaufender Wolf, gefilmt und via Facebook verbreitet, sorgte am Dienstag, 11. Februar, fĂŒr Unruhe bei vielen Internet-Nutzern im Umfeld von Bad Pyrmont. Das knapp 20sekĂŒndige Video zeigt das Tier auf der Eschenbrucher Straße nahe LĂŒgde. BestĂ€tigt wurde die Sichtung von Raoul Reding, dem Wolfsbeauftragten der LandesjĂ€gerschaft Niedersachsen.

Auch in der etwa 15 Kilometer entfernten Gemeinde Polle gab es zwei Tage spĂ€ter eine Wolfssichtung. Es könnte sich um das gleiche Tier handeln. Der Landkreis Holzminden informierte vorsorglich die Weidetierhalter, weil Nutztiere entsprechend geschĂŒtzt werden sollten. Was aber tun SpaziergĂ€nger oder Hundebesitzer, wenn ihnen in Feld und Flur ein Wolf begegnet?

Wir fragen nach beim Wolfsexperten Reding

NW: Glauben Sie, dass sich der Wolf noch immer in der Gegend aufhÀlt?

Reding: Schwer zu sagen. Im Moment ist uns kein territoriales Vorkommen in der Gegend bekannt. Wahrscheinlich handelt es sich um einen DurchzĂŒgler. Allerdings ist ein neues Territorium auch nicht auszuschließen. Um die Situation definitiv aufklĂ€ren zu können, mĂŒssten wir noch mehr Nachweise erhalten.

NW: Wo befinden sich im Weserbergland bzw. in der Umgebung bekannte Wolfsregionen?

Reding: Im Weserbergland gibt es keine nachgewiesenen territorialen Wölfe. Das nÀchste Vorkommen ist bei Burgdorf, bzw. bei Rodewald.

Schaf gerissen
Im Hamelner Stadtgebiet wurde am Freitag, 14. Februar, ein Schaf gerissen. War das ein Wolf? (Foto: Tippenhauer)

NW: Welche Gefahr geht von Wölfen aus?

Reding: UngeschĂŒtzte Nutztiere stellen eine einfache Beute fĂŒr den Wolf dar. Besonders Schafe sind gefĂ€hrdet.

“Von gesunden Wölfen geht in der Regel keine Gefahr fĂŒr den Menschen aus.“

NW: Wie soll ich mich verhalten, wenn ich einem Wolf begegne?

Reding: Von gesunden Wölfen geht in der Regel keine Gefahr fĂŒr den Menschen aus. Nahbegegnungen sind selten, aber nicht unmöglich. Generell gilt: Wölfe sind Wildtiere – diesen sollte man immer mit Respekt begegnen. Bei Wolfsbegegnungen ist es wichtig, sich ruhig zu verhalten. ZurĂŒckziehen sollte man sich langsam mit dem Gesicht zum Tier. Keinesfalls sollte man schnell weglaufen! Durch hektische Bewegungen kann der Jagdinstinkt des Tieres ausgelöst werden und er könnte einen verfolgen, so wie man es von Hunden kennt. Es ist wichtig, das Tier niemals aus den Augen zu verlieren, sein Verhalten zu beobachten und ihm die Möglichkeit zu geben, sich zurĂŒckzuziehen.

Wenn man mit dem Hund im Wolfsgebiet unterwegs ist, so ist dieser immer an der kurzen Leine zu fĂŒhren, damit eine enge Verbindung zwischen Mensch und Hund entsteht. Freilaufende Hunde können vom Wolf als feindliche Artgenossen wahrgenommen und angegriffen werden. Bei solchen Angriffen kann der Hund schwer verletzt oder sogar getötet werden. Sollte es trotzdem vorkommen, dass sich ein Wolf mit dem angeleinten Hund verbeißt, so ist es zu empfehlen den Hund abzuleinen.

Oft ist die Verlockung groß, mit dem Smartphone Fotos von dem Wolf zu schießen. Dabei sollte man sich dem Tier keinesfalls nĂ€hern. Vor allem sollte das Tier nicht angefĂŒttert werden, denn dadurch können Wölfe den Menschen mit leicht verfĂŒgbarer Nahrung verbinden und folglich den Menschen aktiv aufsuchen. (red)

Hinweis: Die LandesjĂ€gerschaft Niedersachsen e.V. (LJN) ist zustĂ€ndig fĂŒr das Wolfsmonitoring in Niedersachsen. Um die Verbreitung der Wölfe zu dokumentieren, wird die Bevölkerung gebeten, alle Sichtungen mit Ort, Tag und Zeitpunkt ĂŒber das Online-Formular auf www.wolfsmonitoring.com oder an die Smartphone-App „Wolfsmeldungen Niedersachsen“ zu melden. ErwĂŒnscht sind auch Foto- und Videobelege. Weitere Informationen unter 0511/53043-18 oder [email protected].