Nun hat auch der Beh├Ârdenleiter der Polizei Lippe, Dr. Axel Lehmann, ein Statement zu den abhandengekommenen Beweismitteln im Fall des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in L├╝gde abgegeben:

“Nach dem gemeinsamen Statement mit Innenminister Reul gestern in D├╝sseldorf, m├Âchte ich Ihnen heute zu neusten Entwicklungen berichten. Damit komme ich wiederum dem ├Âffentlichen Interesse zur transparenten Darstellung der Vorkommnisse nach.

Auch gestern bin ich im Anschluss an den Minister vor die Mikrofone getreten und habe nicht geschwiegen, sondern eine Stellungnahme f├╝r die Kreispolizeibeh├Ârde abgegeben.

Ich lege Wert auf die Weitergabe von g esicherten Informationen. Da das Ermittlungsverfahren in Bielefeld gef├╝hrt wird, kann ich keine gesicherten Informationen zu diesem Verfahren geben. Daf├╝r bitte ich um Verst├Ąndnis.

Dass gravierende Fehler gemacht worden sind, ist unstreitig. Welche Fehler das im Einzelnen sind, werden wir in Zusammenarbeit mit den Vertretern des LKA r├╝ckhaltlos und komplett aufkl├Ąren. Daran ist mir und allen Angeh├Ârigen der Kreispolizeibeh├Ârde Lippe sehr gelegen. Bis dahin verbieten sich Schnellsch├╝sse.

Die eklatanten Fehlleistungen, die es bei der Polizei in Lippe gegeben hat, machen auch mich fassungslos und sie durften auf keinen Fall geschehen. Hierf├╝r entschuldige ich mich ausdr├╝cklich bei allen Betroffenen des Verbrechens von L├╝gde. Die Aufkl├Ąrungsarbeit sind wir gerade auch diesen Betroffenen schuldig.

Die Gefahr, dass es durch den Verlust der CDs nicht zu einer Verurteilung der T├Ąter kommt, sehe ich nicht. Insgesamt liegen rund 15 Terabyte Daten vor. Davon sind maximal 0,7 Terabyte nicht mehr verf├╝gbar. Diese Information ist mir f├╝r die ├Âffentliche Debatte wichtig. Sie soll aber ausdr├╝cklich nicht den Verlust der Datentr├Ąger besch├Ânigen. Dieser ist und bleibt unverzeihlich.

Am Donnerstagabend der vergangenen Woche habe ich von den abhandengekommenen Beweismitteln erfahren. Nach einer letzten Recherche- und Durchsuchungsaktion der Beh├Ârde selbst, habe ich am Montagmorgen einen unabh├Ąngigen, bislang nicht mit der Angelegenheit betrauten Kommissariatsleiter mit einer internen Untersuchung beauftragt. Au├čerdem habe ich gleichzeitig angeordnet, unsere Regelungen f├╝r den Umgang mit Asservaten zu ├╝berpr├╝fen, um derartige Vorkommnisse zuk├╝nftig zu unterbinden.

Interne Gesch├Ąftsprozesse und Arbeitsabl├Ąufe, insbesondere in Bezug auf die Asservatenverwaltung, wurden bereits beleuchtet und erste Ergebnisse umgesetzt. So ist der Kreis der Zugangsberechtigten zu den Asservaten- und Sichtungsr├Ąumen deutlich reduziert worden.

Die Notwendigkeit, die Direktion Kriminalit├Ąt neu und schlagkr├Ąftiger aufzustellen, war schon unabh├Ąngig vom Fall L├╝gde von der Beh├Ârdenleitung gesehen worden. Seit November vergangenen Jahres ist dazu eine Arbeitsgruppe aktiv, um hier Prozesse und Strukturen in der Direktion K zu optimieren.

Ich bedanke mich ausdr├╝cklich f├╝r die Unterst├╝tzung durch das LKA. Dadurch haben wir die M├Âglichkeit, dass Fachleute von au├čen auf vorhandene Prozesse blicken, um dadurch Verbesserungsm├Âglichkeiten zu erkennen und umzusetzen.

Ich hatte gestern in D├╝sseldorf auch gesagt, dass ├╝ber notwendige Konsequenzen nach Vorliegen interner Berichte bzw. der LKA-Berichte zu entscheiden sei.

Seit heute Morgen liegt mir ein erster Bericht des von mir am Montagmorgen beauftragten Kommissariatsleiters vor. Auf der Basis dieses Berichtes und aufgrund des nicht akzeptablen Informationsflusses von der Direktion K zur Beh├Ârdenleitung, habe ich eine personelle Konsequenz heute gezogen: Der Leiter der Direktion Kriminalit├Ąt wurde von mir heute von der weiteren Wahrnehmung seiner Aufgabe entbunden. Sollten weitere organisatorische oder personelle Ma├čnahmen n├Âtig sein, werde ich nicht z├Âgern, diese ebenfalls zu ergreifen.

Ich verspreche Ihnen, dass wir mit aller Kraft die Aufkl├Ąrungsarbeit fortsetzen.” (red)