Weil er einen Musikwunsch nicht erfüllte, wurde ein DJ in der Sonntagnacht, 16. Februar, in einer Tanzbar angeschossen. Die Ermittlungen laufen, die Fragen häufen sich. Fakt ist, die Hemmschwelle, jemanden mit Waffen zu verletzen, scheint gesunken. Das Mitführen von Softair-Waffen wird nur als Ordnungswidrigkeit behandelt, das Verletzungsrisiko dagegen ist hoch.

Zwischenfall in der Diskothek

Laut Polizei hat sich der besagte Vorfall in der Diskothek „Splash“ in Bad Pyrmont abgespielt. Der Tatzeitpunkt war etwa um 4.30 Uhr. Eine Gruppe von vier Personen, drei Männer und eine Frau, im Alter von 30 bis 35 Jahren, soll den DJ kurz vor der Tat darauf angesprochen haben, dass er andere Musik spielen solle. Schon zu diesem Zeitpunkt wirkten die Personen aggressiv. Kurz danach wurde auf den DJ mit einer Softair-Waffe geschossen. Das Geschoss konnte aufgefunden werden. Das Opfer ist männlich, 31 Jahre alt und kommt aus Bad Pyrmont. Die Ermittlungen laufen.

Gegenüber der Neuen Woche hat sich der betroffene DJ geäußert, der am Mittwoch, 19. Februar, aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Was ihn an der bisherigen Berichterstattung stört, drückt der 31-Jährige so aus:

„Ich würde mir wünschen, dass auch geschrieben wird, dass die Täter ohne Skrupel oder Hemmungen, mir einfach ohne Vorwarnung auf den Kopf geschossen haben.“

Der Plattenaufleger sah zum Zeitpunkt der Tat vor sich eine brechend volle Tanzfläche und Menschen, die Spaß hatten. Auch Musikwünsche wurden erfüllt. Nicht alle, denn dem einzelnen Wunsch einer Person nach Latino-Musik kam der DJ mehrfach nicht nach. Dass jemand so etwas nicht akzeptiere und angefressen reagieren würde, käme schon mal vor, sagt der routinierte Diskjockey, der nach eigener Aussage mit jedem gut klarkomme. Neu für ihn war, dass diese Person komplett ausgeflippt wäre und ihm und seinem Freund gedroht habe: „Sie würden schon sehen, was sie davon hätten“. Kurze Zeit später knallte es, und es floss Blut von seinem Kopf. Für den DJ war in dem Moment alles vernebelt, er stand unter Schock und registrierte noch, dass alle Besucher aus der Halle herausliefen.

„Diese Tat hätte noch ganz anders ausgehen können, wenn ich nur ein paar Zentimeter anders gestanden hätte“

Wer auch immer geschossen hat, müsse auf seinen Kopf gezielt haben, denn er habe schräg gestanden und war als Ziel nicht weit entfernt, stellt der DJ klar.
Die Kugel wurde im Krankenhaus entfernt. Und es sei, trotz allem, noch einmal gut gegangen. Worüber der Pyrmonter aber seither grübelt ist, welche Motivation und Skrupellosigkeit dahintersteckt, wenn Menschen, die eigentlich nur feiern wollen, mit einer Waffe losziehen und es in Kauf nehmen, jemand anderem aus welchen niederen Gründen auch immer, Leid zuzufügen.

Diskutiert wird nicht nur dieser Vorfall in den Social Media, sondern auch die Vermutung, dass die Gewaltbereitschaft in Bad Pyrmont als relativ hoch angesehen wird.

Anscheinwaffen sind nicht harmlos

Softair-Waffen sind Nachbildungen von echten Schusswaffen und somit kaum von diesen zu unterscheiden. Sie unterliegen deshalb als Anscheinswaffen besonderen Bestimmungen im deutschen Waffenrecht und dürfen nicht in der Öffentlichkeit geführt werden. Wer entgegen dem Verbot eine solche Anscheinswaffe führt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.

Im Umgang mit Softair-Waffen wird empfohlen, Gesicht, Augen und Zähne zu schützen. Das Verletzungsrisiko durch Einschläge auf den Körper dagegen wird als oberflächlich beschrieben, doch auch Hämatome schmerzen und ein Treffer ins Auge könnte bei entsprechender Durchschlagkraft sogar den Tod zufolge haben.