Gegen den Fachkräftemangel: Pyrmonter Azubi begeistert für Pflegeberufe

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Jan Brandt und Melanie Kastner
Pflegeschüler Jan Brandt und Melanie Kastner, stellvertretende Schulleiterin an der Christophorus Gesundheits- und Krankenpflegeschule in Bad Pyrmont. Foto: Brümmer

Mit Herz und Fachwissen: So unersetzbar ist Pflege

Bei dem Gedanken an Pflegeberufe schwirren einem viele Begriffe durch den Kopf: Fachkräftemangel, schlechtes Gehalt, miese Arbeitsbedingungen. Wenn Jan Brandt daran denkt, fallen ihm sofort Worte wie Wertschätzung, Dankbarkeit, Nächstenliebe und Vielfalt ein. Er ist Schüler an der Christophorus Gesundheits- und Krankenpflegeschule in Bad Pyrmont und lernt den Beruf zum Gesundheits- und Krankenpfleger am AGAPLESION Ev. Bathildiskrankenhaus.

Der Azubi im dritten Lehrjahr qualifizierte sich nun beim Wettbewerb „Bester Schüler in der Alten- und Krankenpflege“ für das Finale in Berlin. Dieser Bundeswettbewerb wird vom deutschen Verein zur Förderung pflegerischer Qualität ausgerichtet. Sein Ziel ist es, das Ansehen des Pflegeberufes in der Gesellschaft zu stärken und zu zeigen, wie umfangreich das Fachwissen ist, das diese Berufsausbildung mit sich bringt. Dies ist auch der Grund warum Jan Brandt an diesem Wettbewerb teilnimmt. „Der Beruf ist sehr spannend und vielseitig“, berichtet der motivierte Schüler.

Zudem präsentiert er auch die Qualität der Christophorus Gesundheits- und Krankenpflegeschule in Bad Pyrmont. „Durch die vielseitigen Unterrichtsmethoden an unserer Schule fühle ich mich für den Wettbewerb, aber auch für mein anstehendes Staatsexamen sehr gut vorbereitet“, sagt Brandt. Schulleiterin Heike Spors ist stolz auf ihren Schüler und sieht sein Ergebnis auch als Bestätigung für die geleistete Arbeit der Schule. Auch ihr liegt der Pflegeberuf natürlich sehr am Herzen: „Wer diesen Beruf nicht ergreift, verpasst etwas in seinem Leben“, berichtet Spors aus langjähriger Erfahrung. Auch sie setzt sich für ein besseres Image der Pflegeberufe ein, denn Negatives gibt es genügend. „Das Ansehen der Pflege in der Gesellschaft muss verbessert werden“, betont die Schulleiterin. Nur so könne man Menschen für diese Berufe begeistern und dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

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Einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zu folge, werden im Jahr 2040 rund eine Million Pflegekräfte fehlen. Dies ist eine erschreckende Zahl. „Krankenhäuser sind heute Wirtschaftsunternehmen und müssen gewinnorientiert arbeiten. Viele pflegerische Leistungen lassen sich aber nicht abrechnen, obwohl sie zu den berechtigten Erwartungen an den Beruf zählen. Hier müssen politische Lösungen zu einer besseren Finanzierung von Pflegestellen geschaffen werden“, erklärt Spors. Pflege ist natürlich ein hoher Kostenfaktor, doch sollte sie auch so gesehen werden? Jan Brandt hat während seiner Ausbildung auch Erfahrungen in der ambulanten Pflege gesammelt und berichtet, dass dort alles auf die Minute getaktet werden muss. Zeit, die er sich für eine Unterhaltung mit den oft alleinstehenden Pflegebedürftigen nimmt, kann nicht abgerechnet werden. Auch in den Krankenhäusern sieht es nicht besser aus. Der Patient soll möglichst schnell wieder selbstständig auf die Beine kommen. Dazu braucht es manchmal viel Zeit für Beratung und Anleitung der Patienten. Übernimmt ein Patient jedoch Anteile seiner Pflege wieder selbst, kann dies nicht als Leistung abgerechnet werden. „Eigentlich wäre es abrechnungstechnisch besser, die Pflege eines Patienten vollständig zu übernehmen, als sich zu bemühen, ihm wieder auf die Beine zu helfen. „Das ist das Paradoxe an unserem Gesundheitswesen“, sagt Melanie Kastner, stellvertretende Schulleiterin.

Auch Demonstrationen wie die Aktion „Pflege liegt am Boden“ seien mehr belächelt als wirklich wahrgenommen worden. „Die Pflege hat einfach noch nicht so die Lobby“, ergänzt Spors. Durch die eingeführte Pflegekammer in Niedersachsen erhoffen sich die Betroffenen nun eine bessere berufliche Vertretung. Bis es soweit ist wirbt die Schule mit der Ausbildung von hochqualifizierten Fachkräften für die Pflegeberufe.

Heike Spors - Jan Brandt - Melanie Kastner
Heike Spors (von links), Jan Brandt und Melanie Kastner machen sich für ihre Berufe stark. Foto: Brümmer

Die Christophorus Gesundheits- und Krankenpflegeschule bildet derzeit rund 120 Schüler aus. Am 1. August diesen Jahres beginnen 32 neue Schüler in Pyrmont ihre Ausbildung. Alle Plätze sind bereits jetzt vergeben. Insgesamt sind die Bewerberzahlen jedoch rückläufig. Seit August 2017 bildet die Schule Azubis aus den Krankenhäusern in Holzminden, Pyrmont und Gronau aus.

Jan Brandt entdeckte seine Leidenschaft für den Beruf beim Jugendrotkreuz. Nach dem Abitur entschied er sich für die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger am AGAPLESION Ev. Bathildiskrankenhaus. „Ich habe die Ausbildung am Anfang wirklich unterschätzt“, reflektiert er. Die Schüler müssen nicht nur typisches Fachwissen wie beispielsweise verschiedenste Krankheitsbilder oder Anatomie lernen, sondern auch Soziologie und Empathie. Doch für die herausfordernde Ausbildung werden sie in der Praxis belohnt. „Ein Lächeln sagt mehr als tausend Worte. Man bekommt von den Patienten wirklich viel zurück“, berichtet Kastner. „Man vermittelt Nächstenliebe und Achtung vor dem Leben. Das ist eine Grundlage der Arbeit an unserer Schule“, ergänzt Spors. Jan Brandt schätzt zudem die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen und die zahlreichen Möglichkeiten nach der Ausbildung. „Man kann sich ganz viel Fachwissen aneignen und sich spezialisieren“, sagt er. Zudem haben Pflegeberufe Zukunft. Bereits im Januar schickten zahlreiche Krankenhäuser und andere Arbeitgeber ihre Stellenausschreibungen an die Schule. „Man kann sich nach dem bestandenen Examen den zukünftigen Arbeitgeber aussuchen“, berichtet Brandt.

Im Jahr 2020 kommt die nächste große Herausforderung auf die Schule zu. Die Pflegeberufe werden generalisiert. Das bedeutet, dass die drei bisherigen Berufe – Gesundheits- und Krankenpflege, Altenpflege und Gesundheits- und Kinderkrankenpflege – zu einem Ausbildungsberuf zusammengefasst werden. Die neue Berufsbezeichnung ist dann Pflegefachfrau oder Pflegefachmann. Damit ist die Ausbildung dann auch europaweit anerkannt und bietet damit weitere Anreize.

(lbr)