Als wĂ€re der Fall nicht schon schlimm genug, rangen sich gleich mehrere Skandale um den schweren sexuellen Missbrauch von Kindern in LĂŒgde. Ein Mitarbeiter des Jugendamtes Hameln-Pyrmont manipuliert eine Akte und die Polizei Lippe verliert 155 Beweismittel. 31 Opfer sind es bisher, die auf einem Campingplatz in Elbrinxen missbraucht wurden. Drei Beschuldigte sitzen bisher in Untersuchungshaft, doch die Polizei berichtet, dass es mittlerweile insgesamt sieben Beschuldigte in dem Fall gibt und einer davon sei minderjĂ€hrig.

Nun haben die Polizei Bielefeld und die Staatsanwaltschaft Detmold erneut eine gemeinsame PresseerklĂ€rung abgegeben: „Zur AufklĂ€rung des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern schöpft die Polizei Bielefeld alle Möglichkeiten aus. Daher fĂŒhrte die Ermittlungskommission “Eichwald” in der vergangenen Woche weitere Maßnahmen im Bereich der Tatorte auf dem Campingplatz in LĂŒgde durch.

Die Tatorte auf dem Campingplatz waren bereits durch die Polizei Lippe gegen unbefugten Zutritt gesichert und versiegelt worden. Beamte der Ermittlungskommission des PolizeiprĂ€sidiums Bielefeld setzten am 19. und 20. Februar dort die Tatortarbeit fort. Dabei wurden GegenstĂ€nde aufgefunden, die nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen ebenfalls als Beweismittel in Betracht kommen. Um weitere Spurensuche und Spurensicherung im Bereich der teils vermĂŒllten und chaotischen Tatorte betreiben zu können, wurden die Bereiche mit Gittern abgesperrt und eine Bestreifung eingerichtet. Dies ermöglicht den Ermittlern eine intensive, sehr kleinteilige Untersuchung der Tatorte, um Beweismittelverluste zu verhindern. Um GegenstĂ€nde zwischenlagern zu können, werden im abgesperrten Bereich Container aufgestellt.

Ein bereits durch die Polizei Lippe sichergestellter PKW eines Beschuldigten wurde abgeschleppt, um diesen ebenfalls einer weiteren intensiven Spurensuche und Spurensicherung beim PolizeiprÀsidium Bielefeld zu unterziehen.
SĂ€mtliche IT-Asservate, die der Ermittlungskommission “Eichwald” vorliegen, befinden sich im Original beim PP Bielefeld. Zur Auswertung – auch dezentral in den ĂŒbrigen PolizeiprĂ€sidien – werden Sicherungskopien genutzt.

Mittlerweile wird gegen sieben Beschuldigte ermittelt. Gegen drei Beschuldigte wird bekanntermaßen wegen des dringenden Tatverdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern ermittelt. Sie befinden sich in Untersuchungshaft. Gegen einen weiteren Beschuldigten wird aufgrund eines Hinweises auf mögliche Datenmanipulationen wegen des Tatverdachts der Strafvereitelung ermittelt.
Gegen zwei weitere Beschuldigte wird aufgrund möglicher UnterstĂŒtzungsleistungen wegen des Tatverdachts der Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Kindern ermittelt.
Durch die IT-Auswertungen hat sich gegen einen siebten minderjĂ€hrigen Beschuldigten der Verdacht des Besitzes kinderpornografischer Schriften ergeben. Die Beschuldigten vier bis sieben befinden sich auf freiem Fuß. Die zugrunde liegenden Sachverhalte werden weiter aufgehellt und die Ermittlungen dazu fortgefĂŒhrt.

Die Ermittlungen gegen Polizeibeamte und gegen Mitarbeiter von JugendĂ€mtern werden nicht innerhalb der Ermittlungskommission “Eichwald” bearbeitet, sondern in einer gesonderten, fĂŒnfköpfigen Ermittlungskommission “Rad” unter Leitung von EKHK Karsten Lagmöller. Bekanntlich wird derzeit gegen zwei Polizeibeamte wegen des Verdachts der Strafvereitelung im Amt ermittelt.

Weiteren Hinweisen auf Verbindungen zwischen Beschuldigten und Polizeibeamten wurde akribisch nachgegangen, Polizeibeamte wurden dazu vernommen und es fanden Befragungen auf dem Campingplatz statt. Die Ermittlungskommission “Rad” hat nach den bisherigen Erkenntnissen keine Belege dafĂŒr, dass Polizeibeamte in die Taten involviert waren oder diese geduldet haben. Auch Mutmaßungen rund um gemeinsame VereinsaktivitĂ€ten von Beschuldigten und Polizeibeamten haben sich bislang nicht bestĂ€tigt.

Die Zahl der identifizierten Opfer hat sich nicht verÀndert. Bislang sind 31 minderjÀhrige Opfer identifiziert, darunter 27 MÀdchen und vier Jungen.
Die Ermittlungskommission “Eichwald” besteht mittlerweile aus 60 Ermittlern. Eine weitere personelle Aufstockung wird nicht ausgeschlossen. Die Ermittlungskommission “Eichwald” hat weiterhin hohes Interesse daran, dass sich Zeugen melden. Das Hinweistelefon ist weiterhin unter Tel. 0521/545-4215 zu erreichen.“

(lbr/red)