Bad Pyrmont/Aerzen. Die Polizei verzeichnet im Bereich des Kommissariats Bad Pyrmont, also in den Gemeinden der Stadt Bad Pyrmont und des Fleckens Aerzen, im Gegensatz zu den Vergleichszahlen in der gesamten Polizeidirektion Göttingen und im Land, einen Rückgang der aufgenommenen Verkehrsunfälle.

Insgesamt kam es im Jahr 2019 zu 694 Verkehrsunfällen. Somit waren es 104 Unfälle weniger als 2018, was einen Rückgang um 13 Prozent bedeutet. Zudem starb 2019 kein Verkehrsteilnehmer an Unfallfolgen, im Vorjahr gab es hingegen vier Verkehrstote – alle waren Zweiradfahrer. Die Überwachung dieser Verkehrsteilnehmer wurde 2019 von Seiten der Polizei stärker in den Fokus genommen.

Gleichzeitig wurden am besonders betroffenen Hagener Berg, L 430, die Parkplätze gesperrt und die Leitplanken durch Unterfahrschutz weiter verstärkt. Durch den fehlenden Effekt einer “Showkurve”, verbunden mit mehr Verkehrsüberwachung und zusätzlicher Technik sei somit einiges erreicht worden. Klassische Unfallschwerpunkte gab es nach Angaben der Polizei keine.

Alkohol und Drogen

Die Überprüfung der Fahrzeugführer nach Verkehrsunfällen brachte eine deutliche Steigerung der Feststellungen von Alkohol- und Drogenmissbrauch ans Licht.

Die Zahlen im Bereich der Alkoholbeeinflussung nach einem Verkehrsunfall stiegen auf zwölf und erreichten somit wieder einen langjährigen Mittelwert. Erstmals statistisch auffällig ist der Bereich der Verkehrsunfälle, bei denen zumindest ein beteiligter Fahrzeugführer unter dem Einfluss von Drogen oder Medikamenten steht. Hier wurden fünf Unfallgeschehen statistisch erfasst. Verkehrskontrollen in Bezug auf Alkoholbeeinflussung von Fahrzeugführern führten, unabhängig von Verkehrsunfällen, 40 Mal zur Einleitung von Straf- oder Ordnungswidrigkeitenverfahren. Dies ist eine Steigerung gegenüber 2018 von 33 Prozent. Einem Verkehrsunfall unter Alkoholbeeinflussung standen somit mehr als 3,3 folgenlose Trunkenheitsfahrten gegenüber. Bei den folgenlosen Fahrten unter Drogen sank die Fallzahl hingegen von 36 auf 31.

Handy am Steuer

Neben den Beeinträchtigungen durch Alkohol, Drogen und Medikamente ist die Ablenkung durch Handy oder andere Kommunikationsmittel eine der Hauptunfallursachen. Hier wird durch verstärkte Überwachung an einer Sensibilisierung der Fahrzeugführer gearbeitet. 105 Verstöße wurden im Jahr 2019 von den Pyrmonter Beamten angezeigt, gegenüber 66 im Jahr davor.

Geschwindigkeitsverstöße

Bei den Geschwindigkeitsverstößen, einer weiteren Gefahrenquelle, lagen die Feststellungen (367 in 2019 gegenüber 357 in 2018) geringfügig über den Werten des Vorjahres. Hier habe der Erfolg aber bei mehreren sehr erheblichen Überschreitungen, wie dem Pkw-Fahrer, der Groß Berkel in der Nacht mit weit mehr als 100 km/h durchquerte, gelegen.

Wenn es dann trotz aller Maßnahmen zum Unfall kommt, hilft oftmals der angelegte Sicherheitsgurt. Die Überwachungsmaßnahmen zeigten hier aber, dass insbesondere innerorts die Gurtpflicht nicht konsequent beachtet wird. 2019 wurden 411 Verstöße geahndet, gegenüber 273 im Jahr 2018.

Unfallfluchten

Die Anzahl der Unfallfluchten sank im vergangenen Jahr von 88 (2018) auf 53. Leider werden aber weiterhin zunehmend Unfallfluchten nach Parkplatzremplern und abgefahrenen Außenspiegeln angezeigt. Mit relativ geringen Chancen der Aufklärung allein durch die Spurenlage, sank hier die Aufklärungsquote von 2018 (48 Prozent) auf 33 Prozent. Die Polizei appelliert an Zeugen, sich bei der Ermittlung der Unfallverursacher zur Verfügung zu stellen und Beobachtungen gegebenenfalls eigenständig bei der Polizei zu melden, auch wenn sie nicht selbst der Geschädigte eines solchen Unfalles sind. Von den Unfallfluchten mit Verletzten, insbesondere Unfälle der Radfahrer, wurden sechs von zwölf aufgeklärt.

Radfahrer im Fokus

Gemäß einer landesweiten Strategie, stehen in diesem Jahr stehen auch in Aerzen und Bad Pyrmont die Radfahrer im Fokus. Dabei werden sowohl Verkehrsverstöße durch Radfahrer, wie auch solche gegen Radfahrer, zum Beispiel Vorfahrtsdelikte oder Parken auf Radwegen, erfasst. Insgesamt wurden ansteigende Zahlen der stark alkoholisierten Fahrradfahrer, rücksichtsloses Missachten von Verkehrsregeln, zum Beispiel in Fußgängerzonen, und riskantes Verhalten, sogenannte Stunts auf dem Hinterrad, gemeldet. Hier wird in diesem Sommer, auch in Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt der Stadt Bad Pyrmont, verstärkt drauf geachtet. (red)