Zu dem monströsen Missbrauchsfall, der seit ĂŒber 10 Jahren im Landkreis Lippe passiert, gibt es auch Verbindungen zum Jugendamt Hameln-Pyrmont.Daher brachte der Landkreis nun ein Statement heraus:

Eine Mutter aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont hat ihr Kind von Geburt an immer wieder bei dem TĂ€ter wohnen lassen. Seit 2016 war unser Jugendamt in diesen Fall eingebunden und hat Kind und Mutter begleitet.
Entscheidend war die gute Bindung des Kindes zu dem Pflegevater, sein Einsatz fĂŒr das Kind und erkennbare deutliche Verbesserungen des Entwicklungszustandes des Kindes, die auch durch Berichte aus den betreuenden Einrichtungen belegt wurden.

Das im Zusammenhang mit diesem Fall vielfach diskutierte WohnverhĂ€ltnis ist kein Indiz fĂŒr Missbrauch, denn der kann hinter jeder Fassade und in jedem Milieu stattfinden. Die Wohnsituation war sicherlich nicht optimal, hat im Vergleich zu einer funktionierenden sozialen Bindung allerdings einen deutlich geringeren Stellenwert und begrĂŒndet keine KindeswohlgefĂ€hrdung.

Wir wissen, dass es schwierig ist, mit dem heutigen Wissen die damals sorgfÀltig getroffene Entscheidung zu verstehen und das, praktisch ausschlaggebende Aufenthaltsbestimmungsrecht der Mutter zu akzeptieren. Das Kind hat sich in seiner Entwicklung sehr viel positiver dargestellt als vorher, es besuchte die Schule und verschiedene FreizeitaktivitÀten.

Deshalb stellen sich alle Beteiligten, die die Situation vor Ort kennen bzw. kannten, das Jugendamt Lippe, die Polizei und das soziale Umfeld die belastende Frage, ob man den Missbrauch hĂ€tte sehen mĂŒssen.

Das geht auch den beteiligten Mitarbeitenden des Landkreises Hameln-Pyrmont nicht anders.
Allerdings ist es jetzt nicht hilfreich, die Schuld beim anderen zu suchen.

Heute wissen wir, dass diese Fassade zur bewussten Manipulation gehörte. Es ist schwer zu ertragen, dass wir sie nicht frĂŒher einreißen konnten.
„So absurd es klingen mag, wĂŒnschten wir uns fast, es gĂ€be ein klar benennbares Verschulden. Ob nun bei der einen oder anderen Behörde. Dann hĂ€tten wir einen Ansatz in der Arbeit und wĂŒssten, welchen Fehler es zu vermeiden gilt“ so Landrat Tjark Bartels und ergĂ€nzt: „So bleibt das beklemmende GefĂŒhl, dass es wieder passieren kann, wenn wir nicht an anderer Stelle ansetzen. Dazu mĂŒssen wir dafĂŒr Sorgen, dass die Opfer viel eher aus ihrer schrecklichen Isolierung ausbrechen. Nahezu alle schweren FĂ€lle sind durch die Opfer aufgedeckt worden.”

Die Ermittlungsbehörden haben ihre Arbeit aufgenommen und untersuchen nicht nur im zustĂ€ndigen Jugendamt Lippe und bei den beteiligten Dienststellen der Polizei sondern auch im Jugendamt des Landkreises Hameln-Pyrmont, ob ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt. Wir unterstĂŒtzen dies und kooperieren in jeder Hinsicht. Unsere vollstĂ€ndigen fallbezogenen Akten und VorgĂ€nge sind der Staatsanwaltschaft bekannt.

Wir bitten um VerstĂ€ndnis dafĂŒr, dass dieses rechtstaatliche Verfahren zunĂ€chst abzuwarten bleibt und wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu spekulativen Schuldzuweisungen Ă€ußern werden.

Schon heute steht fĂŒr Landrat Tjark Bartels fest, aus diesem Fall Konsequenzen zu ziehen. „Es muss eine völlig neue Konzeption entwickelt werden, um es Kindern leichter zu machen, ĂŒber solche VorfĂ€lle zu sprechen. Ich denke dabei an ein Vorwarnsystem in KindergĂ€rten und Schulen, um Verdachtsmomenten frĂŒhzeitig nachgehen zu können“ erklĂ€rt Bartels.
Einzelheiten dazu sollen in KĂŒrze öffentlich vorgestellt werden. (red)