„Wo sollen die Fachkräfte herkommen?“ – Neues Pflegegesetz seit dem 1. Januar

168
Bathildiskrankenhaus BP lbr (1)
Das Agaplesion Bathildiskrankenhaus in Bad Pyrmont. Foto: Brümmer

So sieht es in der Praxis aus

Die Bundesregierung hat ein Gesetz zur Stärkung der Pflegekräfte beschlossen, welches zum 1. Januar 2019 in Kraft getreten ist. Gesundheitsminister Jens Spahn möchte damit die Kranken- und Altenpfleger entlasten und die Berufe wieder attraktiver gestalten. Doch hält dieses Gesetz was es verspricht? Wir haben bei Heike Spors, Schulleiterin der Christophorus Gesundheits- und Krankenpflegeschule in Bad Pyrmont und Susanne Rumberger Pflegedirektorin des AGAPLESION Ev. Bathildiskrankenhauses nachgefragt wie es in der Praxis aussieht. Was bringt das Gesetz und was könnte sich dadurch ändern?

Kliniken können durch das neue Gesetz ihr Personal aufstocken und bekommen dies zu 100 Prozent finanziert. „Wir werden so einige Teilzeitstellen auf Vollzeit umstellen erhöhen können, wenn unser Personal das möchte“, erklärt Susanne Rumberger. Kliniken sollen werden somit unterstützt werden, weiteres Personal einzustellen, doch sie stehen weiterhin vor dem Problem ausgebildete Pflegefachkräfte zu bekommen, da auf dem Markt ein großer Fachkräftemangel herrscht. Gerade an den Aufgaben und der Patientenversorgung müsste die Politik etwas ändern. „Teilweise ist es wirklich unzumutbar“, unterstreicht Rumberger. Wenige Pflegefachkräfte in Teilzeit sind bereit ihre Stelle auf Vollzeit aufzustocken, weil der Job so hart ist. die Rahmenbedingungen ungünstig und oft familienunfreundlich sind.

Auch der Kampf um ausgebildetes Personal zwischen den Kliniken und Pflegeeinrichtungen und der Altenpflege ist hart. „Mittlerweile gibt es sogar schon Abschlagsprämien, die für einen Wechsel gezahlt werden“, berichtet die Pflegedirektorin. Vor allem in größeren Städten reißen sich die Kliniken um neue Mitarbeiter und so manche Stelle bleibt auch unbesetzt. Auch für die nächsten Jahre sieht es laut Angaben des Statistischen Bundesamtes nicht besser aus. Der Fachkräftemangel soll weiter steigen.

„Ein Stärkungsgesetz sollte schon bei der Ausbildung ansetzen, damit mehr Menschen diesen Berufsweg wählen“, erklärt Heike Spors. Für Spors und Rumberger fängt die Akquirierung neuer Mitarbeiter bereits beim Praktikanten an. Der Beruf ist mit viel Negativität belastet, dadurch gehen die Vorzüge und positiven Seiten der Pflegefachkraft verloren. Beide legen besonderen Wert darauf, dass Praktikanten eine gute Begleitung im AGAPLESION Ev. Bathildiskrankenhaus bekommen, damit sie die positiven Seiten des Berufes kennenlernen. „Die Ausbildung ist anspruchsvoll aber gut vergütet und anschließend hat man einen sicheren Job mit Zukunft und vielen Weiterbildungsmöglichkeiten“, so die Schulleiterin. Zudem bekommen die Fachkräfte viel Dankbarkeit zurück und können sich sicher sein etwas Gutes zu tun. Zudem muss man sich keine Sorgen machen, keine Stelle zu finden. Acht Neun Auszubildende der Pyrmonter Pflegeschule konnte das Krankenhaus 2018 nach ihrer Ausbildung halten. übernehmen.

Ein weiterer Punkt des neuen Pflegestärkungsgesetzes ist das Thema zur Verbesserung der Rahmenbedingungen soll die Festlegung von Personaluntergrenzen auf in verschiedenen Stationen. Bereichen sein. Dies betrifft in Bad Pyrmont im Jahr 2019 die Intensivstation, doch hier ist die Klinik bereits sehr gut aufgestellt.

„Es ist eine sehr spannende Zeit. , aber es macht keinen Spaß mehr. Unsere große Aufgabe ist es auch unsere Mitarbeiter wertzuschätzen und sie zu bestärken“, sagt Rumberger abschließend. Was genau das neue Gesetz bewirkt und welche Auswirkungen es mit sich bringen könnte bleibt zunächst abzuwarten.

  • Knopfbock
  • WDH Geschäftsdrucksachen

Die wichtigsten Punkte im Überblick

– 13.000 neue Stellen sollen in der Altenpflege geschaffen werden.

– Digitalisierung soll mit 12.000 Euro pro Einrichtung gefördert werden, um die Kräfte zu entlasten.

– Jede zusätzliche oder aufgestockte Pflegestelle soll zu 100 Prozent refinanziert werden.

– Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Heimen soll verbindlicher werden.

– Das erste Jahr der Ausbildungsvergütung von Azubis soll vollständig refinanziert werden.

– Zum nächsten Jahr 2020 2021 soll auf der Basis eines „Pflegequotienten“ die Pflegepersonalausstattung geregelt werden. In einer Verordnung sollen zudem Sanktionen für Kliniken festgelegt werden, die eine festgelegte Untergrenze unterschreiten.

(lbr)