Drei MĂ€nner sollen ĂŒber Jahre hinweg zahlreiche Kinder auf einem Campingplatz in LĂŒgde-Elbrinxen schwer missbraucht haben. Wie die Polizei mitteilt, stehen bislang 23 Opfer fest. Hierbei handele es sich ĂŒberwiegend um MĂ€dchen, die zu den jeweiligen Tatzeiten im Alter von vier bis 13 Jahren waren. Die bisherigen Ermittlungen lassen jedoch befĂŒrchten, dass die TĂ€ter sich in mehr als 1.000 FĂ€llen an den Kindern vergangen haben. Unter den Opfern ist auch ein Kind, das bei einem der MĂ€nner lebte und fĂŒr das das Jugendamt Hameln- Pyrmont zustĂ€ndig ist.

Der bislang erste nachgewiesene Fall geht auf das Jahr 2008 zurĂŒck. Zum damaligen Zeitpunkt war nach Angaben der Polizei eine AchtjĂ€hrige das Opfer eines heute 56-jĂ€hrigen Mannes aus LĂŒgde. Dieser sowie zwei weitere TatverdĂ€chtige sitzen derzeit in Untersuchungshaft. Neben zehn Computern und neun Mobiltelefonen stellten die Beamten bei den MĂ€nnern mehr als 40 Festplatten und mehr als 400 weitere DatentrĂ€ger als Beweismaterial sicher. Die Auswertung der darauf befindlichen Daten dauert an.

Eine Zeugin gab im November 2018 Hinweise auf den Mann aus LĂŒgde. Dieser hatte seit dem Jahr 2016 ein damals noch FĂŒnfjĂ€hriges Kind in Betreuung und sollte eine SechsjĂ€hrige Freundin seines Pflegekindes sexuell missbraucht haben. Bereits in den ersten Anhörungen der Kinder durch die Polizei verdichteten sich die Hinweise darauf, dass der Mann sich nicht nur an der sechsjĂ€hrigen Freundin, sondern auch an seinem mittlerweile achtjĂ€hrigen Pflegekind mehrfach vergangen haben könnte. Der 56-JĂ€hrige wurde bereits am 6. Dezember 2018 festgenommen und sitzt seitdem in U-Haft. Bei Durchsuchungen in den WohnrĂ€umen des Mannes sowie auf einem Campingplatz in LĂŒgde fanden die Beamten dann umfangreiche Beweismaterialien. Die Auswertungen elektronischer DatentrĂ€ger sowie weitergehende Anhörungen fĂŒhrten die Ermittler schließlich zu weiteren Taten und Opfern, sodass die Polizei eine Ermittlungskommission grĂŒndete. Diese besteht aus insgesamt neun Beamtinnen und Beamten.

“Bei der Auswertung der sichergestellten Beweismittel und bei den Anhörungen der Kinder kamen perfide Einzelheiten zu Tage, die mich und die anderen Kolleginnen und Kollegen noch lange nach Dienstende beschĂ€ftigen”, beschreibt der Leiter der Ermittlungskommission, Kriminalhauptkommissar Gunnar Weiß, die Ermittlungen.

Im Rahmen der Ermittlungen gelangten zwei weitere TatverdÀchtige in den Fokus der Polizei. Diese standen offenbar mit dem bereits festgenommenen 56-JÀhrigen in Kontakt und tauschten auch Material mit kinderpornografischen Inhalten aus. Zum Teil sollen die TatverdÀchtigen den Missbrauch unter Beteiligung der anderen begangen haben.

Im Januar beantragte die Detmolder Staatsanwaltschaft zwei weitere Haftbefehle, die das Amtsgericht Detmold erließ. Daraufhin wurde am 10. Januar ein 48-jĂ€hriger Mann aus Stade festgenommen. Einen Tag spĂ€ter wurde ein 33-jĂ€hriger Mann aus Steinheim ebenfalls festgenommen. Beide MĂ€nner befinden sich seitdem in U-Haft.

Neben den Ermittlungen wegen schweren sexuellen Missbrauchs haben sich weitere ErmittlungsstrĂ€nge ergeben, so die Polizei. Ein Strang umfasse die Kinderpornografie, die sich auch auf eine Verbreitung im Internet erstrecke. Weiterhin werde das Verhalten der fĂŒr die JugendfĂŒrsorge zustĂ€ndigen Ämter im Kreis Hameln-Pyrmont und im Kreis Lippe auf ein eventuelles strafrechtlich relevantes Handeln oder Unterlassen ĂŒberprĂŒft.

Die Polizei versichert, dass alle 23 Opfer in Sicherheit sind. Es seien umfangreiche Opferschutzmaßnahmen eingeleitet worden. “Dem Opferschutz und der Opfernachsorge rĂ€umen wir einen hohen Stellenwert ein”, betont der Erste Kriminalhauptkommissar Achim Tietz als Leiter des zustĂ€ndigen Kriminalkommissariats. “Wir haben entsprechende Hilfen fĂŒr die Kinder, fĂŒr betroffene Angehörige aber auch fĂŒr unsere Kolleginnen und Kollegen der Ermittlungskommission Camping angeboten.”

Sachdienliche Hinweise nimmt die Kreispolizeibehörde Lippe unter der Telefonnummer 05231 / 609 – 30 56 entgegen.

(red)