Bürger lassen ihren Emotionen freien Lauf – Infoveranstaltung zur B83-Sperrung in Polle

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Zahlreiche Interessierte erschienen bei der Infoveranstaltung zur B83-Sperrung im Hotel „Zur Burg“ in Polle. Foto: Brümmer

Das Interesse der Bürger zum Thema B83-Sperrung bei Steinmühle sprengten am Dienstagabend, 4. Dezember, die Räumlichkeiten des Hotels „Zur Burg“ in Polle. Jeder Stuhl im Saal war besetzt und vor den offenen Fenstern tummelten sich rund 120 weitere Zuhörer. Sie alle wollten von Markus Brockmann, Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau in Hameln, hören, dass die B83-Sperrung über den Winter aufgehoben wird, jedoch wird das nicht passieren, da die Gefahr noch immer zu groß sei.

Die Samtgemeinde Bodenwerder-Polle und die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau in Hameln hatten zu einer weiteren Informationsveranstaltung geladen, auch wenn sich an der Informationslage nicht viel geändert hat. Die Poller Bürger hätten sich nicht gut informiert gefühlt und die Lage sei unruhig gewesen, daher habe man sich entschieden auch dort eine Veranstaltung zu organisieren. „Wir wollten Rede und Antwort stehen“, erklärt Brockmann.

Zum Hintergrund: Die niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln gab im April bekannt, dass die B83 zwischen Pegestorf und Grave bei Steinmühle komplett gesperrt werden muss. Aus der 1,5 Kilometer langen Steilböschung lösen sich bereits seit Jahrzehnten immer wieder Felsbrocken, doch nun herrscht akute Gefahr. „Ein Gutachter hat festgestellt, dass sich die Gefährdungslage vergrößert hat. Es könnten sich Felsbrocken in einer Größenordnung von 250 Kubikmeter lösen“, so Brockmann. Daher musste die Straße völlig gesperrt werden.

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Bereits im Mai verkündete Brockmann dann für zahlreiche Anwohner, Pendler und Unternehmen die Hiobsbotschaft, dass die Vollsperrung zum Winter nicht aufgehoben werden könne. „Unser Ziel ist es Straßen aufrecht zu erhalten und sie nicht zu sperren, doch hier ist Gefahr im Verzug“, erklärte er vorab. Für die Landesbaubehörde und den Fortschritt der Baustelle sei es am besten, wenn durchgebaut werden könne. Damals lautete der Plan die Baustelle bis zum Winter 2020 nicht zu öffnen. „Wir können leider nicht zaubern und würden das Leid sonst nur in die Länge ziehen“, erläutert Brockmann. Das bedeutet, dass der Verkehr auch im Winter über die Hochebene umgeleitet werden soll. An diesem Plan hält die Landesbehörde noch immer fest.

Die Zuhörer zeigten sich empört, missverstanden und ließen ihren Emotionen freien Lauf mit Buhrufen, Kommentaren und Trillerpfeifen. Samtgemeindebürgermeisterin Tanya Warnecke drohte damit, die Veranstaltung abzubrechen. Nach dem Sachstandsbericht von Brockmann kamen die Brüger zu Wort. Zunächst hatten Marco Müller und Manfred Lipka das Wort, die gemeinsam eine Petition auf den Weg gebracht haben und bereits 3.000 Unterschriften sammeln konnten. Dabei wurde eine Idee mit Sensoren vorgestellt, die bereits in den Alpen von Österreich angewendet werden soll. Auch Benjamin Langner von der Interessengemeinschaft „Community gegen B83 Sperrung Steinmühle“ kam zu Wort, stellte Fragen und verdeutlichte die prekäre Lage vieler Bewohner und Pendler.
Die Landesbehörde möchte sich mit den Interessengemeinschaften und den Gutachtern zusammensetzen und über die verschiedenen Ideen sprechen.

Im Frühjahr des nächsten Jahres könnte es Neuigkeiten geben, ob die Straße zum nächsten Winter geöffnet werden könnte. Brockmann ließ sich diesmal nicht auf einen Termin festnageln. „Ich habe mich einmal zu optimistisch aus dem Fenster gelehnt und damit Vertrauen verspielt, dass werde ich nicht nochmal tun“, antwortete er auf die Frage nach einem Datum.

(lbr)