Vollsperrung bis 2020? B83 bei Steinmühle auch über den Winter gesperrt

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B83 Steinmühle Sperrung
Die B83 bei Steinmühle. Foto: Eilers

Ein Wettrennen gegen den Fels

Das Entsetzen war groß: Am Mittwochabend stellte Markus Brockmann, Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau in Hameln, den aktuellen Stand der Arbeiten am Felsabhang in Steinmühle vor. Er verkündetet für zahlreiche Anwohner, Pendler und Unternehmen die Hiobsbotschaft, dass die Vollsperrung zum Winter nicht aufgehoben werden könne. „Unser Ziel ist es Straßen aufrecht zu erhalten und sie nicht zu sperren, doch hier ist Gefahr im Verzug“, erklärte Brockmann vorab. Für die Landesbaubehörde und den Fortschritt der Baustelle sei es am besten, wenn durchgebaut werden könne. Daher sei der Plan bisher die Baustelle bis zum Winter 2020 nicht zu öffnen. „Wir können leider nicht zaubern und würden das Leid sonst nur in die Länge ziehen“, erklärt er. Das bedeutet, dass der Verkehr auch im Winter über die Hochebene umgeleitet wird. Droht hier ein Verkehrschaos bei Schnee und Eis?

Die Naturschutz-Fragen seien bereits abgearbeitet und würden das Projekt nicht mehr bremsen, dennoch gewinne man immer wieder neue Erkenntnisse, die neue Auswirkungen mit sich bringen. „Wir haben nun das ganze Grüngut beseitigt und haben freien Blick auf den Felsen. Wir haben festgestellt, dass der Fels oberhalb des Cafés der Familie Büngener viel massiver ist. Dieser muss richtig mit Ankern gesichert werden, doch dafür müssen wir auch erst mal das Café sichern“, beschreibt Brockmann die Lage. Dies sei eine Aufgabe die vier bis fünf Monate dauern würde. „Der Fels ist mehr ein Ingenieurwerk als ein Steinhaufen“, ergänzt Brockmann. Die Statik müsse berechnet werden, Anker müssten geplant und angefertigt werden. All das braucht eine gewissen Zeit.

  • Fahrschule Grünberg
  • Steinert Holz

Nicht nur betroffene Anwohner und Pendler sind entsetzt, sondern auch die Politik fühlt sich hintergangen. Nur wenige Monate zuvor habe man am Runden Tisch im niedersächsischen Landtag besprochen, dass zum Winter 18/19 die Fahrbahn zumindest halbseitig geöffnet werden könnte, doch dies ist nun nicht mehr der Fall. „Für diesen Winter ist es technisch leider nicht machbar“, so Brockmann auf Nachfrage des Abgeordneten Uwe Schünemann (CDU). Auch Sabine Tippelt (SPD) plagt Unmut bei dieser Nachricht. „Das ist kein gutes Gefühl und das kann nicht unser Ziel sein. Was haben wir für Möglichkeiten?“, fragt die Abgeordnete empört. Brockmann erläutert, was alles zu einer halbseitigen Sperrung dazugehört. „Man käme nicht mehr an die Baustelle heran. Es müssten 2,50 Meter hohe Winkelstützen aufgebaut werden. Ein Ampelanlage müsste installiert werden und auch hier würde man als Autofahrer mindestens zehn Minuten stehen“, so Brockmann.

Es habe mehr Wert durchzubauen und die Behörde verspricht, dass der Winterdienst tadellos funktionieren würde. Doch die Zuhörer sehen dies nicht so. Frank Neumann von dem gleichnamigen Reisedienst und der Fahrschule beschreibt, dass bereits jetzt die Straßenverhältnisse für Busse oder den Schwerlastverkehr zu schmal seien. Auch eine Pendlerin meldet sich zu Wort und stellt die Vermutung auf, dass im Winter bei Eis und Glätte ein schreckliches Verkehrschaos auf der Umleitung über Ottenstein entstehen würde.

Tanya Warnecke (CDU), Bürgermeisterin der Samtgemeinde Bodewerder-Polle, zeigt sich ebenfalls geschockt, denn auch für die Samtgemeinde ist dies ein tiefer Schlag in die Magengrube. Viele Unternehmen sind auch wirtschaftlich von der Sperrung betroffen und Existenzen sind bedroht. Schwer getroffen hat es das Unternehmen Müller-Treppenbau. „Mir laufen die Mitarbeiter weg. Wir können uns das nicht erlauben. Bitte sehen sie auch uns“, sagte der Inhaber sehr emotional.

Ob zum Winter 2019/2020 die Strecke geöffnet werden könnte, könne man zu diesen Zeitpunkt noch nicht sagen.

(lbr)