Coppenbrügge. Die Bürgerinitiative (BI) „depoNIE! Ith“ hatte am Samstag, 22. Februar, im Kulturzentrum Brunotte in Coppenbrügge zu einem Bürgerforum geladen. Alle vier Landratskandidaten Dirk Adomat (SPD), Christopher Emden (AFD), Torsten Schulte (GRÜNE) und Stefan Wittkop (CDU) stellten sich den Fragen der Bürger. In einem Punkt waren sich die Kandidaten einig: Eine Deponie im Ith lasse sich nicht mit Trinkwasser- und Naturschutz sowie touristischen Zielen vereinbaren.

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Die Landratskandidaten beim Bürgerforum in Coppenbrügge. Foto: BI

Wittkop erlebe die Unvollständigkeit des Antrags, die erst beim Erörterungstermin festgestellt wurde, zudem als über alle Maßen peinlich für die Antragstellerin. Das Zustandekommen eines bewilligenden Planfeststellungsbeschlusses würde er mit allen juristischen Mitteln abwenden wollen. Schulte würde zunächst das Gespräch mit den Forstgenossen als Eigentümer und der Antragstellerin suchen, um das Planfeststellungsverfahren zu verhindern. „Alle müssen an einen Tisch“, um zu einer vernünftigen Einigung zu kommen, wie es mit dem Steinbruch weitergehen soll. Adomat als Landtagsabgeordneter sehe die Eingriffsmöglichkeiten in ein laufendes Verfahren durch das Ministerium als Aufsichtsbehörde begrenzt. Er gehe von einer Entscheidung aus, die in letzter Instanz vor Gericht getroffen werde. Auch Emden äußerte erhebliche Bedenken. Er teile die Sorgen der Anwohner und betonte die Gefahr, zur Müllhalde des Großraums Hannover zu werden.

„Wir wurden in unseren Auffassungen wieder einmal bestätigt. An den Aussagen dieses Abends wird sich der künftige Landrat messen lassen müssen“, so der BI-Sprecher Werner Anders zum Deponiethema.

Weitere Themen des Bürgerforums

Neben den Statements zu vorbereiteten Fragen stand auch die offene Bürgerbeteiligung auf dem Programm. Wie die BI mitteilt, bestand nicht hier nicht zu allen Fragen Übereinstimmung in den Meinungen.

Kontrovers wurde es nach Angaben der BI zwischen dem Grünen- und dem AFD-Kandidaten. Während Emden eine Stromversorgung ohne Kernenergie ausschloss und für die weitere Nutzung plädierte, hielt ihm Schulte die konzeptionelle Möglichkeit der Landkreisversorgung ausschließlich mit erneuerbaren Energien entgegen.
Zu Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung hingegen profilierte Wittkop sich als „Partner der Wirtschaft“ und sprach sich für verkürzte Planfeststellungsverfahren aus, während er gleichzeitig die Bürgerbeteiligung im Deponieverfahren Ith und zur Löhner Bahn stärken wollte.

Bezüglich der Löhner Bahn hielten alle Kandidaten eine Elektrifizierung der eingleisigen Strecke mit zusätzlichen Doppelspurinseln für die sinnvollste Lösung um einen übermäßigen Güterverkehr zu verhindern und Verbesserungen im Personennahverkehr zu erzielen. Dabei sei ein effektiver Schallschutz unerlässlich.

Einigkeit bestand auch bezüglich Chancen und Ausbaufähigkeit im Bereich Tourismus. Hier müsse entgegen lokaler Konkurrenzbestrebungen die Region als Marke entwickelt werden und an die bestehenden Angebote für Wanderer und Kletterer angeknüpft werden. Auch der umstrittene Steinbruch am Ith-Hils-Weg biete hier Potenziale.

Die 130 Besucher beendeten den Abend mit einem Feedback an die Kandidaten mittels Stimmungskarten in Ampelfarben. Das Meinungsbild ließ durchweg Zufriedenheit erkennen, zeigte aber auch eine Mehrheit, die sich wohl konkretere Aussagen vom künftigen Landrat erhoffen. (red)