Die Europäische Union (EU) hat das europäische Schutzgebietssystem NATURA2000 als zusammenhängendes Netz aus verschiedenen Schutzgebieten aufgestellt und zu dessen Umsetzung die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) und die Vogelschutz-Richtlinie in Kraft gesetzt.

Für den Bereich des Landkreises Hameln-Pyrmont ist die untere Naturschutzbehörde für 7 Flora-Fauna-Habitat-Gebiete sowie 2 Vogelschutzgebiete zuständig und hat bei der Umsetzung von NATURA 2000 hier vor Ort viel zu tun. Doch insgesamt sind die Naturschützer aus der Kreisverwaltung, auch mit Blick auf den vorgegebenen Zeitplan der EU, zielstrebig und diszipliniert unterwegs.

Darüber hinaus konnten für die FFH-Gebiete die von der EU geforderten Management-, Maßnahmenpläne und Maßnahmenblätter erarbeitet werden. In diesen Planwerken werden Konflikte zu anderen Nutzungen dargestellt und Lösungs- und Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt. Auch diese durch die EU geforderten Vorgaben wurden bis Ende des Jahres 2020 pünktlich und damit ebenfalls fristgerecht fertig gestellt.

In ausgewählten Bereichen konnte parallel dazu bereits mit vertraglichen Vereinbarungen zu Nutzungsreduzierungen bzw. Aufgabe der Flächennutzung, mit Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen sowie Renaturierungsprojekten zur Umsetzung von Maßnahmen begonnen werden.

Dazu zählen u. a. Fließgewässer, die aufgrund ihrer Naturnähe und Bedeutung für den Naturhaushalt und den Biotopverbund primäre Zielräume von Maßnahmen darstellen.

An der Saale wurde im Jahr 2012 ein Wasserkraftwerk abgebrochen
Dadurch wurde die ökologische Durchgängigkeit des Gewässers für Kleinlebewesen Gleichzeitig wurde ein Teilstück des Gewässers renaturiert: Durch den Abtrag von großen Mengen an Boden wurden wieder auetypische feucht-nasse Verhältnisse direkt angrenzend an den Gewässerlauf geschaffen. Durch nachfolgende natürliche Abträge und Anlandungen von Boden durch das Gewässer selbst schafft sich der Bach einen gewundenen, natürlichen Verlauf, welcher sich, je nach Wasserlage ständig ändert.

DarĂĽber hinaus wurde in einem Teilbereich des Bachlaufes die obere Böschung auf einer Länge von rd. 100 m stufenartig abgetragen und damit eine Berme geschaffen. Diese MaĂźnahme hat das Ziel, die eigendynamischen Kräfte des Gewässers zu stärken und ehemalige Auenflächen wieder zurĂĽck zu gewinnen. 

Im alten Steinbruch wurden die aufgewachsenen Gehölze entfernt.
Foto: Landkreis Hameln-Pyrmont

Der im Laufe der Jahrzehnte aufgelandete Boden auf der sogenannten „Emmerinsel“ in Amelgatzen wurde im Jahr 2020 mit Mächtigkeiten von rund 1,50 m abgetragen. Das Ziel war wiederum die Wiederanbindung des Gewässers an seine Aue.

Die mit der Neufassung von Natur- und Landschaftsschutzgebietsverordnungen sowie der Neuausweisung eines geschützten Landschaftsbestandteiles im Dezember 2018 geforderte vollflächige Absicherung dieser Gebiete wurde vom Landkreis unter Berücksichtigung der europarechtlichen Vorgaben fristgerecht erfüllt.

Fledermausquartier wird geschĂĽtzt
Im Bereich Salzhemmendorf wurde in einem Einzelfall zum Schutz eines Fledermausquartiers eine artenschutzrechtliche Anordnung getroffen, da die Tiere dort   in einem Kirchturm ihre Jungen zur Welt bringen. Neben der jährlichen Kontrolle der baulichen Voraussetzungen wird auch regelmäßig die Anzahl der Fledermäuse erfasst. 

Im Raum Salzhemmendorf wurden die auf der Sohle eines alten, aufgelassenen Steinbruchs aufgewachsenen Gehölze entfernt. Dadurch kann dieser Standort wieder für sonnenliebende, seltene und an diese kargen Verhältnisse angepassten Pflanzen Lebensraum bieten.

Ein TeilstĂĽck der Saale wurde renaturiert.
Foto: Landkreis Hameln-Pyrmont

Aktuell ist die Untere Naturschutzbehörde damit beschäftigt, mit Eigentümern von Flächen in den NATURA2000-Gebieten in Kontakt zu treten. In einem nächsten Schritt sollen die europarechtlichen Vorgaben erläutert und die Möglichkeiten einer gemeinsamen Zusammenarbeit im Rahmen des Vertragsnaturschutzes aufgezeigt werden.

Weitere Infos zu NATURA2000 gibt es hier:  Natura 2000 / Landkreis Hameln-Pyrmont (hameln-pyrmont.de)