Der folgenschwere Brand im Krefelder Zoo in der Silvesternacht, bei dem das gesamte Affenhaus zerstört wurde und nahezu alle darin befindlichen Tiere starben, hat die Menschen aufhorchen lassen. Gerade die Tatsache, dass sich diese Tragödie zum Jahreswechsel ereignete, heizt die Debatten um Feuerwerksverbote und härtere Kontrollen an. Auch der Brandschutz des Zoos steht in der Kritik, denn eine Brandmeldeanlage oder eine Sprinkleranlage gab es im Affenhaus nicht. Aber wie sieht es in ähnlichen Einrichtungen in unserer Region mit dem Brandschutz aus?

Keine speziellen Vorschriften

Nikola Stasko vom Landkreis Hameln-Pyrmont kennt die Antwort: „Spezielle Vorschriften für Zoos und dergleichen gibt es nicht. Es gilt also auch für Gebäude, in denen Tiere gehalten werden, die Niedersächsische Bauordnung (NBauO) mit der Allgemeine Durchführungsverordnung zur Niedersächsischen Bauordnung (DVO-NbauO).“

Nach dem NbauO, Paragraph 14, müssen bauliche Anlagen „so errichtet, geändert und instand gehalten werden und so angeordnet, beschaffen und für ihre Benutzung geeignet sein, dass der Entstehung eines Brandes sowie der Ausbreitung von Feuer und Rauch (Brandausbreitung) vorgebeugt wird und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten möglich sind. Soweit die Mittel der Feuerwehr zur Rettung von Menschen nicht ausreichen, sind stattdessen geeignete bauliche Vorkehrungen zu treffen.“ Spezieller werden die Vorschriften erst, wenn es sich um Sonderbauten handelt. „Davon sind wir größenmäßig bei den hier im Landkreis befindlichen Tierheimen, Zoos, etc. aber weit entfernt“, so Stasko. Besondere Regelungen für die Einrichtungen gibt es demnach nicht.

Brandschutz im Tierheim und auf dem Tierschutzhof

Das Tierheim Hameln und der Tierschutzhof Hachmühlen haben uns verraten, welche Maßnahmen sie zum Brandschutz treffen – auch im Hinblick auf die Silvesternacht.

Das Tierheim Hameln hat keine direkten Nachbarn, weshalb die Gefahr eines Brandes, ausgelöst durch Feuerwerkskörper, zum Jahreswechsel eher gering ist. Zusätzliche Sicherheit geben die feuerfesten Eternit-Platten auf dem Dach, wie Vorstandsmitglied Jörg Wechenberger erklärt. Auch im Innenbereich stehe das Tierheim seiner Ansicht nach ganz gut da. Die Räumlichkeiten sind mit Rauchmeldern und Feuerlöschern ausgestattet. „Außerdem wurde die gesamte Elektronik modernisiert“, so Wechenberger. Eine Überlegung für die Zukunft sei jedoch noch, auch eine Außensirene zu installieren.

Tierschutzhof Hachmühlen_Kaninchen_1
Auf dem Tierschutzhof Hachmühlen können die meisten Tiere im Ernstfall auf das Außengehege flüchten. Foto: Knop

Der Tierschutzhof Hachmühlen befindet sich im Gegensatz zum Tierheim im Ort, zwischen weiteren Wohnhäusern und begeht den Jahreswechsel somit weniger entspannt. „Gerade bei dem dichten Nebel, haben wir mehrfach die Scheunen kontrolliert, weil wir uns so unsicher waren.“ Zwar ist Feuerwerk in der Nähe von Fachwerkhäusern verboten, aber es gibt immer wieder Menschen, die sich nicht daran halten. Immerhin: „Seit ein paar Jahren haben wir das Glück, dass unsere direkten Nachbarn entweder nicht da sind, oder auf Feuerwerk verzichten“, sagt Sonja Stefan. Sie sieht zudem einen Vorteil: „Unsere Tiere sind fast alle draußen oder haben die Möglichkeit, raus zu gehen. Im Falle eines Brandes, wären die meisten Tiere nicht in den Gebäuden gefangen.“ Allerdings gibt es auch ein paar Innengehege.

Das Haupthaus ist mit Brandmeldern sowie einem Feuerlöscher ausgestattet. Zudem werde über weitere Schutzmaßnahmen nachgedacht. Wünschenswert wäre es beispielsweise in jedem Stall einen Feuerlöscher platzieren zu können.

Auch würde der Verein gerne den Ernstfall üben. „Bereits im vergangenen Jahr haben wir die Feuerwehr Hachmühlen angesprochen und vorgeschlagen, ob wir in diesem Jahr mal eine Übung bei uns auf dem Hof machen könnten. Das gibt nicht nur uns Sicherheit, sondern auch den großartigen ehrenamtlichen Helfern im Fall eines Einsatzes. Auch was den Umgang mit Kleintieren oder Großtieren wie Pferden angeht“, erklärt Sonja Stefan. Der Verein stehe in engem Kontakt mit der Feuerwehr vor Ort, die bei Unwettern und Hochwasserlage sogar selbstständig auf Kontrollfahrten – auch nachts – auf dem Hof nach dem Rechten sehe.

Hintergrund:

Tragödie im Krefelder Zoo

Das Affenhaus im Krefelder Zoo wurde durch einen Brand in der Nacht zum 1. Januar vollständig zerstört. „Mehr als 30 Tiere sind dabei gestorben“, hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Feuerwehr, Polizei, Staatsanwaltschaft und dem Zoo Krefeld. Später teilte der Zoo auf seiner Facebook-Seite mit, dass zwei Schimpansen das Unglück wie durch ein Wunder überlebt haben.

Ursache für das Feuer war eine Himmelslaterne, wie das Polizeipräsidium Krefeld am 2. Januar mitteilte. Drei Frauen hatten in der Silvesternacht fünf von diesen aufsteigen lassen. Sie meldeten sich bei der Polizei Krefeld und gaben an, dass sie mit solch schlimmen Folgen nicht gerechnet hätten. Die Laternen hatten sie im Internet bestellt. Sie hätten allerdings keinen Hinweis auf ein Verbot gefunden. Gegen die Krefelderinnen wird nun wegen fahrlässiger Brandstiftung ermittelt. (red)