Sie sind verspielt, niedlich und gelten als der beste Freund des Menschen. Die Rede ist von Hunden. Doch das beliebte Haustier in Deutschland braucht auch eine vern├╝nftige Erziehung und positive F├╝hrung, sonst kann es zu b├Âsen Vorf├Ąllen kommen. Manche Hunde verstehen sich nicht mit Artgenossen oder anderen Tieren, andere greifen sogar Menschen an. Daran ist jedoch meist nicht der Hund schuld, sondern sein Herrchen oder Frauchen. Erst vor wenigen Tagen wurde ein Kleinkind in Afferde von einem Hund ins Gesicht gebissen und dabei schwer verletzt. Doch wie k├Ânnen solche Zwischenf├Ąlle minimiert werden?

In Deutschland ist das Thema Hund auf politischer Ebene Sache der L├Ąnder, ├Ąhnlich wie bei der Bildungspolitik. In Nordrhein-Westfalen gibt es sogenannte Rasselisten oder Leinen- oder Maulkorb-Zwang. In Niedersachsen hingegen gibt es keine sogenannten Listenhunde, aber eine Leinenpflicht w├Ąhrend der Brut- und Setzzeit und angehende Hundebesitzer m├╝ssen einen Hundef├╝hrerschein ablegen.

Was ist der Hundef├╝hrerschein?

Im Jahr 2011 wurde in Niedersachsen eine neues Gesetz zum Halten von Hunden verabschiedet und seit 2013 gibt es den Hundef├╝hrerschein. Zweck des Gesetzes sei es, Gefahren f├╝r die ├Âffentliche Sicherheit und Ordnung vorzubeugen und abzuwehren, die mit dem Halten und dem F├╝hren von Hunden verbunden seien.

Wer muss einen F├╝hrerschein machen?

Alle Menschen, die sich einen Hund anschaffen m├Âchten und zuvor keinen Vierbeiner auf sich selbst bei der jeweiligen Gemeinde angemeldet haben, m├╝ssen den sogenannten Sachkundenachweis erbringen, um einen Hund f├╝hren zu d├╝rfen.

Wie bekommt man den Nachweis?

Der Hundehalter muss zwei Pr├╝fungen bestehen, einen theoretischen Test und eine praktische Pr├╝fung. Im Theorie-Teil gibt es Fragen zum Ankreuzen zu verschiedenen Themen: Tierschutzrecht, Sozialverhalten, Beurteilung von Gefahrensituationen, Erziehung, Ausbildung und Rechtsvorschriften. 35 Fragen m├╝ssen in 45 Minuten absolviert werden.

Wenn der Hundehalter die Theorie bestanden hat, kann er innerhalb eines Jahres den praktischen Teil absolvieren. Auch hierbei werden verschiedene Themenbereiche gepr├╝ft. Kann der Hund kontrolliert an der Leine gehen? H├Ârt der Hund auf den R├╝ckruf seines Besitzers? Ist der Hund keine Gefahr im Stra├čenverkehr? Wie regiert der Hund auf andere Hunde? Und vor allem steht auch im Vordergrund, wie verh├Ąlt sich der Mensch? Kann der Besitzer den Hund vern├╝nftig f├╝hren?

Wer f├╝hrt die Pr├╝fung durch?

Die Pr├╝fungen f├╝r den Sachkundenachweis k├Ânnen bei zertifizierten Tier├Ąrzten und Hundetrainern abgelegt werden. Auch Hundetrainerin Nora Jung nimmt die Pr├╝fungen zum Sachkundenachweis ab. Die zertifizierte Hundetrainerin und Hundeverhaltensberaterin ist selbst Halterin von drei Retriever-Mischlingen und nimmt die Pr├╝fung w├Ąhrend eines Spaziergangs durch Emmerthal ab. Besonders wichtig ist ihr dabei, dass das Mensch-Hund-Team gemeinsam agiert und der Besitzer das Verhalten des Hundes richtig lesen kann. ÔÇ×Ich pr├╝fe, ob Hund und Halter im Stra├čenverkehr gut zurecht kommen und keine Bedrohung darstellenÔÇť, berichtet Nora Jung. Zudem sei auch die Begegnung mit anderen Hunden, Menschen, Kindern und die Leinenf├╝hrigkeit immens wichtig.

Was hat sich durch den Hundef├╝hrerschein ge├Ąndert?

Bevor sich Menschen einen Hund anschaffen m├Âchten, m├╝ssen sie sich durch den Hundef├╝hrerschein und die damit verbundenen Pr├╝fungen n├Ąher mit dem Thema auseinandersetzen. Zudem k├Ânnte es sein, dass durch den Sachkundenachweis auch mehrere Halter eine Hundeschule aufsuchen. Jedoch kann man keine Statistik zurate ziehen, da die Dunkelziffer der unangemeldeten Vierbeiner kaum abzusch├Ątzen ist und Halter, die zuvor einen Hund besessen haben, m├╝ssen ja keinen Hundef├╝hrerschein ablegen. Hier setzt auch schon die Kritik zum Sachkundenachweis ein.

Kritik am Gesetz

Die Mitarbeiter des Hamelner Tierheims sprechen sich generell f├╝r den Hundef├╝hrerschein aus, doch sie w├╝rden sich w├╝nschen, dass jeder Hundehalter diese Pr├╝fungen ablegen m├╝sste. ÔÇ×Nehmen wir an, ein Hundebesitzer hatte zuvor einen auff├Ąlligen Hund, weil dieser nicht gut erzogen war, m├╝sste er beim n├Ąchsten Hund trotzdem keinen Hundef├╝hrerschein machenÔÇť, erkl├Ąrt Gianna Ludwig vom Hamelner Tierheim. Nora Jung ├╝bt ebenfalls Kritik, da es nicht festgelegt ist, dass der praktische Pr├╝fungsteil mit dem eigenen Hund abgelegt werden muss. ÔÇ×Das finde ich, muss ge├Ąndert werdenÔÇť, sagt die Hundetrainerin. Auch, dass die Gesetze zum Thema Hund nicht einheitlich sind, kritisieren Ludwig und Jung gleicherma├čen.

Zudem k├Ânnen die Pr├╝fungen so oft wiederholt werden, wie man m├Âchte. Eine Begrenzung gibt es nicht.