„1-Click buy“ – ein Begriff, den es erst seit wenigen Jahren gibt und doch wird er von vielen fast tĂ€glich genutzt. Der Internethandel boomt: Mal schnell und unkompliziert online bestellt und fix ĂŒberwiesen, ohne großen Aufwand direkt von der Couch aus. Doch so unkompliziert und bequem es fĂŒr den Verbraucher ist, so tragisch ist es fĂŒr die kleinen GeschĂ€fte vor Ort. In zahlreichen InnenstĂ€dten, Einkaufpassagen und FußgĂ€ngerzonen im Weserbergland sieht es dĂŒrftig aus.

Doch nicht nur der Internethandel alleine ist an diesem Trend schuld. In vielen Orten gibt es große Einkaufmöglichkeiten in Gewerbegebieten und die Menschen werden aus den InnenstĂ€dten raus gezogen. Weitere Ursachen sind zudem ĂŒberhöhte Mieten und LadenflĂ€chen, die saniert werden mĂŒssten. Oder aber der FachkrĂ€ftemangel hat zugeschlagen und GeschĂ€fte werden nicht ĂŒbernommen oder finden keine Mitarbeiter. Es ist ein Teufelskreis und meist ein Mix aus verschiedensten GrĂŒnden, warum Leerstand wĂ€chst.

Leerstand in der Osterstraße

Vor diesen Problemen steht aktuell auch die Osterstraße in Hameln. Sie zĂ€hlt neben der BĂ€cker- und Emmernstraße zu den meist frequentierten Einkaufstraßen in der RattenfĂ€ngerstadt und dennoch stehen hier aktuell einige GeschĂ€fte leer. Auch hier sind die GrĂŒnde wie oben erlĂ€utert unterschiedlichster Natur. Doch was kann man gegen diesen Leerstand machen? Die Stadtmanager sind in stĂ€ndigen GesprĂ€chen mit den Gewerbetreibenden und Vermietern der LadenflĂ€chen. Auch in der BĂ€ckerstraße gab es vor rund zwei Jahren das Problem des Leerstands. Doch diese Straße hat sich sehr gut erholt und kaum ein GeschĂ€ft steht noch leer. Dort wurden RĂ€umlichkeiten saniert, die Mieten wurden gesenkt und die Stadtmanager haben die Werbetrommel gerĂŒhrt. Auch die Stadt, in Form der Wirtschaftsförderung, befasst sich mit diesem Thema. „Die jĂŒngste Entwicklung in der Osterstraße betrachten wir mit Sorge, die Wirtschaftsförderung ist hier sensibilisiert und beobachtet genau die Entwicklung. Wir stehen dazu auch in engem Kontakt mit dem Stadtmanager“, berichtet Thomas Wahmes, Stadtsprecher und Referatsleiter der Wirtschaftsförderung. „Die Möglichkeiten der Stadt sind leider begrenzt. Letztlich haben nur die EigentĂŒmer die Möglichkeit, GeschĂ€ftsrĂ€ume zu vermieten – das kann nicht die Stadt tun. Die EigentĂŒmer sind es auch, die entscheiden, an wen sie vermieten und zu welchen Konditionen. Das Stadtmarketing und die Stadt können letztlich nur flankierend tĂ€tig werden“, ergĂ€nzt er abschließend.

Pop-Up-Stores fĂŒr Bad Pyrmont

Andere StĂ€dte im Weserbergland stehen ebenfalls vor diesem Problem und entwickeln verschiedene Ideen und Konzepte, um dem Leerstand entgegenzuwirken. In Bad Pyrmont wurde im Dezember das Konzept „Pop Pyrmont Up“ vorgestellt. Die Idee richtet sich an Gewerbetreibende, die eine gĂŒnstige LadenflĂ€che fĂŒr einen kurzen Zeitraum mieten möchten. Zu Beginn des Jahres veröffentlichten die Verwaltung und die Bad Pyrmont Tourismus GmbH eine gemeinsame Pressemitteilung, in der bereits von zahlreichen Anfragen berichtet wurde. Vielleicht schafft es Bad Pyrmont zum Saisonbeginn den Leerstand, wenn auch nur fĂŒr kĂŒrzere Zeiten, zu verringern oder sogar zu beheben. Ob dieses Konzept funktioniert bleibt abzuwarten, doch es gibt Hoffnung und könnte Bad Pyrmont vielleicht sogar wieder richtig beleben.

Zwei Förderprogramme fĂŒr Hessisch Oldendorf

In Hessisch Oldendorf zeigt sich ein Ă€hnliches Bild: Rund zehn GeschĂ€fte in der Altstadt stehen leer. Auch in diesem Fall gibt es einen regelmĂ€ĂŸigen Austausch zwischen der Stadt, dem Werbering und dem Stadtmarketingverein. Zudem habe die Stadt vor etwa drei Jahren zwei Förderprogramme aufgelegt, die sich guter Nachfrage erfreuen.

„Beim Förderprogramm ‘Neu in Hessisch Oldendorf’ gewĂ€hrt die Stadt Hessisch Oldendorf pro Kalenderjahr bei maximal fĂŒnf Objekten bei NeugrĂŒndung eines Einzelhandels- oder Dienstleistungsbetriebes einen GrĂŒndungszuschuss. Mit dieser kommunalen Förderung wird die Zielsetzung verfolgt, einen Anreiz zur Neueröffnung oder Neuansiedlung von Unternehmen des Einzelhandels und Gewerbes sowie freier Berufe in Hessisch Oldendorf zu schaffen und dem Leerstand entgegenzuwirken“, erklĂ€rt Hermann Faust von der Verwaltung. Das zweite Programm nennt sich „Umbau in Hessisch Oldendorf“. „Mit der kommunalen Förderrichtlinie wird die Zielsetzung verfolgt, die Sanierung, den Umbau oder den RĂŒckbau des GebĂ€udebestandes zu unterstĂŒtzen. Durch die Förderrichtlinie sollen Immobilienbesitzer und Nutzer motiviert werden, in die Bausubstanz vorsorgend zum eigenen Nutzen, aber auch zur Erhaltung eines attraktiven Ortsbildes zu investieren“, so Faust. Dadurch wird nicht nur die AttraktivitĂ€t der Stadt gestĂ€rkt, sondern auch der Beginn einer möglichen GeschĂ€ftstĂ€tigkeit unterstĂŒtzt.

Regionaler Onlinehandel in Bodenwerder

Die MĂŒnchhausenstadt Bodenwerder ist ebenfalls schwer von dem Problem Leerstand betroffen. Immer mehr GeschĂ€fte wurden aufgeben und neue Betreiber lassen auf sich warten. SamtgemeindebĂŒrgermeisterin Tanya Warnecke erklĂ€rt in einem Telefonat mit unserer Redaktion, dass es immer wieder ein Thema sei und schon viel ausprobiert wurde. Auch das Konzept der Pop-Up-Stores oder Outlets wurde schon vor einigen Jahren favorisiert, doch die Nachfrage blieb aus, da die Frequentierung zum einen nicht hoch genug sei und zum anderen wĂŒrde Bodenwerder zu weit von einer Autobahn entfernt liegen.

Die Stadt will einige der freien RĂ€ume wieder neu aufleben lassen und damit fĂŒr neues Potenzial sorgen. Beratungsstellen, die Stadtbibliothek und das CafĂ© Kinderwagen sollen zusammen an einen Ort in der Innenstadt ziehen und damit wieder fĂŒr mehr Leben sorgen. Zudem wird ein Leerstandskataster gefĂŒhrt, damit interessierte Firmen gleich wissen, wo in Bodenwerder Platz und Bedarf ist.

Ein weiteres neues Konzept, welches die Stadt derzeit zusammen mit der Weserbergland AG anschiebt, ist ein regionaler Onlinehandel fĂŒr Bodenwerder. Lokale GeschĂ€fte und HĂ€ndler wĂ€ren somit auf einem Portal des OnlinehĂ€ndlers Ebay eingebunden und BĂŒrger hĂ€tten die Möglichkeit ihre Waren irgendwie doch vor Ort und nicht aus China oder England zu bestellen.

Das wĂŒnschen sich die BĂŒrger

Doch irgendwie liegt es ja auch an der Gesellschaft. FĂŒr was wĂŒrden die Leute wieder mehr in die eigenen InnenstĂ€dte gehen? Wir haben bei unserer Facebook-Community nachgefragt, was sie sich fĂŒr GeschĂ€fte in der Osterstraße wĂŒnschen wĂŒrden. Die Antworten waren sehr unterschiedlich:

„Ein Unverpackt-Laden“; „was fĂŒr Touristen“; „Mc Donalds zurĂŒck“; „schöne GeschĂ€fte mit Kinderkleidung“; „individuelle LĂ€den – keine großen Ketten“; „Pizza Hut“; „KFC“; „MusikgeschĂ€ft“; „WMF“; „einen Dart-Shop“.

(lbr)