KindeswohlgefĂ€hrdung geht uns alle an. Auch das Netzwerk Kinderschutz im Landkreis Hameln-Pyrmont beschĂ€ftigt sich seit seiner GrĂŒndung vor mehr als sieben Jahren mit diesem Thema und ist bestĂ€ndig im Austausch mit anderen Professionen. Das Netzwerk Kinderschutz informiert sich ĂŒber das jeweilige Angebotsspektrum und bespricht strukturelle Fragen der Angebotsgestaltung und –entwicklung, allerdings ohne Entscheidungen in EinzelfĂ€llen zu treffen.

Um den Austausch deutlich breiter zu gestalten, hat das Netzwerk die Fachwelt aus Medizin, Recht und PĂ€dagogik zu einem Dialog eingeladen. Bereits vor einem Jahr begannen die Planungen zu dieser Veranstaltung, die große Resonanz fand und restlos ausgebucht war.

Schwerpunktthemen waren die medizinische Diagnostik zur Gewaltanwendung bei Kindern, Kommunikation in Krisensituationen, AblĂ€ufe bei Verdacht auf KindeswohlgefĂ€hrdung, Vernetzung, PrĂ€vention und Datenschutz. Ziel dieser Veranstaltung war es, ĂŒber diese Themen ins GesprĂ€ch zu kommen, um an diversen Stellen gemeinsam achtsam das Kindeswohl fördern zu können. Dazu gab es zwei FachvortrĂ€ge und fĂŒnf Workshops. In diesen konnten die Kollegen aus den verschiedensten Fachgebieten Anregungen „auf Augenhöhe“ austauschen und sich besser kennen lernen.

Frau Prof. Dr. Debertin, die Leiterin der Kinderschutzambulanz der Medizinischen Hochschule Hannover (https://www.mh-hannover.de/kinderschutz.html), begrĂŒĂŸt einen solchen Austausch. Sie findet eine Zusammenarbeit der verschiedensten Professionen ebenfalls wichtig, um KindeswohlgefĂ€hrdung auf breiter Ebene begegnen zu können. Mit geschĂŒtzten Bildern, die man nicht vergisst und die nur im Rahmen von Veranstaltungen gezeigt werden dĂŒrfen, hat sie den Unterschied zwischen UnfĂ€llen und Gewaltanwendung eindrĂŒcklich dargestellt. „Wir brauchen eine Kultur des Hinschauens“, sagte Debertin. Auch Landrat Tjark Bartels griff die Aussage von Debertin auf und bestĂ€tigte, „dass wir gerade in unserer derzeitigen Lage diese Diskussion fĂŒhren und genau hinschauen mĂŒssen.“ Bartels lobte, dass bei der vielfĂ€ltigen Gemengelage und Differenzierung der unterschiedlichsten Arten von KindeswohlgefĂ€hrdung an den verschiedensten Stellen ein Achtgeben vorhanden ist.

Monique Grupe vom Deutschen Kinderschutzbund in Hameln hat dem Punkt „Kommunikation“ ein wichtiges Schlaglicht verliehen. Im anschließenden Workshop zu diesem Thema wurde deutlich, dass das EinĂŒben in die Gestaltung förderlicher GesprĂ€chsablĂ€ufe hĂ€ufig in den verschiedensten Ausbildungen sehr kurz kommt. Mit dem Wissen um gelingende GesprĂ€chsfĂŒhrung fiele es sicher leichter, gerade in schwierigen Momenten einfach mal nachzufragen. Darum bat zuvor bereits auch Debertin und betonte: „Fragen Sie ruhig mal nach – wenn KindeswohlgefĂ€hrdung vermutet wird.“ Genau das bedarf allerdings Sicherheit im Umgang mit dem Wort und der Auseinandersetzung. Um auch Sicherheit zu geben, wer sich in welchen Angelegenheiten wohin wenden kann, gab es Workshops zu AblĂ€ufen im Kinderschutz, Vernetzung und PrĂ€vention. Im Workshop Datenschutz wurde die Frage aufgerollt, in wieweit Datenschutz und Schweigepflicht im Zusammenhang mit Meldungen zum Kinderschutz stehen. In dieser Angelegenheit gibt es Auskunft in § 4 des Gesetzes zur Kooperation und Information im Kinderschutz (KKG). Hier wird fĂŒr aufgelistete Berufsgruppen beschrieben, dass wenn „in AusĂŒbung ihrer beruflichen TĂ€tigkeit gewichtige Anhaltspunkte fĂŒr die GefĂ€hrdung des Wohls eines Kindes oder eines Jugendlichen bekannt (sind), so sollen sie mit dem Kind oder Jugendlichen und den Personensorgeberechtigten die Situation erörtern und, soweit erforderlich, bei den Personensorgeberechtigten auf die Inanspruchnahme von Hilfen hinwirken, soweit hierdurch der wirksame Schutz des Kindes oder des Jugendlichen nicht in Frage gestellt wird.“

Daneben wird auch auf den „Ärztlichen Leitfaden Kinderschutz“ verwiesen: www.aerztlicher-leitfaden-kinderschutz-nds.de. Der Leitfaden möchte ebenfalls zu mehr Sicherheit im Umgang mit Problemen bei Gewalt gegen Kinder und zur besseren Vernetzung der unterschiedlichen Hilfesysteme beitragen.

Abschließend kann festgehalten werden, dass die Veranstaltung sehr gut ankam. Das Netzwerk Kinderschutz und der Landkreis sind erfreut, dass sich so viele verschiedene Professionen auf den Weg in ein konstruktives Miteinander gemacht haben, um gemeinsam achtsam zu sein.

(red)