Zum zweiten Mal nach 2015 vergaben die Ersatzkassen in Niedersachsen am Dienstag, 28. Mai, ihren Selbsthilfepreis. Bei einer Veranstaltung in Hannover ehrten sie fĂŒnf regionale Gruppen fĂŒr ihr Engagement. Unter ihnen war auch die Selbsthilfegruppe “Irr(e)Wege” in Hameln-Pyrmont fĂŒr Menschen mit Schizophrenie/Psychose.

Die Auszeichnungen im Gesamtwert von 5.000 Euro ĂŒberreichten Niedersachsens Sozialministerin Dr. Carola Reimann als Schirmherrin und der Leiter des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) in Niedersachsen, Jörg Niemann, zusammen mit Mitgliedern der Jury. Im Mittelpunkt des Wettbewerbs stand dieses Mal der Umgang mit psychischen Erkrankungen.

Die Selbsthilfegruppe “Irr(e)Wege” teilt sich den ersten Platz mit zwei weiteren Gruppen. Sie erhalten jeweils ein Preisgeld von 1.200 Euro. „Die Gruppe ist unter den PreistrĂ€gern die einzige fĂŒr Menschen mit Schizophrenie”, heißt es in der Laudatio der Jury. „Sie steht fĂŒr Austausch und gegenseitige UnterstĂŒtzung und hat sich den Abbau von Ängsten gegenĂŒber psychisch Erkrankten auf die Fahnen geschrieben. Auch sehen sich die Mitglieder als wichtige Ansprechpartner fĂŒr den Landkreis und bei der Verbesserung der regionalen Patientenversorgung.” Das Besondere an der Gruppe seien Gedichte und Kurzgeschichten, die die Mitglieder schreiben. „Wir wollen damit nicht nur zeigen, was in uns steckt, sondern auch dazu beitragen, Vorurteile abzubauen“, sagt die Gruppe selbst.

Auf dem zweiten Platz landeten zwei Selbsthilfegruppen, die nun jeweils ein Preisgeld von 700 Euro erhalten, darunter die “Mut-Willigen”, eine Selbsthilfegruppe fĂŒr Menschen mit Depressionen, Ängsten und ZwĂ€ngen in Springe.

Die Ersatzkassen hatten landesweit Selbsthilfegruppen von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Angehörigen aufgerufen, sich um den Selbsthilfepreis zu bewerben. Gesucht wurden PreistrĂ€ger, die sich durch eine besonders engagierte, kreative und erfolgreiche Selbsthilfearbeit auszeichnen. 27 Gruppen nahmen an dem Wettbewerb teil. Die Ersatzkassen möchten mit dem Preis das ehrenamtliche Engagement der Selbsthilfe wĂŒrdigen und auch andere ermutigen, in der Selbsthilfe aktiv zu werden.

„Ehrenamtlich tĂ€tige Menschen und Gruppen sind als Expertinnen und Experten in eigener Sache wichtige Akteurinnen und Akteure im Gesundheitswesen”, erklĂ€rt Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann. „Als Partner der professionellen Hilfen ĂŒbernehmen sie Verantwortung, regen Innovationen an und tragen zum Abbau von MissstĂ€nden bei. Deshalb ist es mir wichtig, dass die Expertise der Psychiatrie-Erfahrenen in unsere Weiterentwicklung der psychiatrischen Versorgung einfließt. Ich gratuliere den von den Ersatzkassen ausgezeichneten Initiativen, die auf dem Gebiet der Selbsthilfe Menschen in schwierigen Situationen wertvolle UnterstĂŒtzung geben.“

„Wir bieten den Versicherten in Deutschland eine umfassende und leistungsstarke Gesundheitsversorgung mit Diagnostik, Therapie und Vorsorge. Diese besondere Form des Austauschs und der gegenseitigen UnterstĂŒtzung, wie es die Selbsthilfe bietet, können professionelle Angebote aber nicht leisten“, sagte vdek-Landeschef Niemann. „Die PreistrĂ€ger nehmen die Auszeichnung deshalb stellvertretend fĂŒr alle entgegen, die sich in der Selbsthilfe engagieren und damit auch andere stĂŒtzen und ihnen Zuversicht geben“, betonte er.

Die Ersatzkassen hatten den Umgang mit psychischen Erkrankungen in den Mittelpunkt des Wettbewerbs gestellt, um auf die Bedeutung des Themas aufmerksam zu machen, aber gleichzeitig auch die Bereitschaft zu dieser Selbsthilfearbeit besonders zu wĂŒrdigen. „Selbsthilfearbeit bedeutet, sich zu einer Erkrankung, zu einer persönlichen Lebenssituation zu bekennen, auch öffentlich. Bei psychischen Erkrankungen gehört dazu sicherlich manchmal mehr Mut als bei anderen Indikationen“, so Niemann.

(red)