Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Hameln-Pyrmont, das Frauenhaus Hameln, die Polizei und der Weiße Ring fordern „frei leben – ohne Gewalt“ und werden am Dienstag, 26. November, von 9 bis 14 Uhr im Foyer des Kreishauses präsent sein.

Mit Blick auf das 2002 in Kraft getretene Gewaltschutzgesetz und den bevorstehenden Gedenktag „Nein zu Gewalt an Frauen“ am Mittwoch, 25. November, setzen die Kooperationspartner ein Zeichen gegen häusliche Gewalt. Mit gezielten Aktionen wollen sie für das Thema sensibilisieren. Neben Informationsmaterialien wird es eine Plakat-Ausstellung zum Antigewalt-Thema und ein Glücksrad mit vielen Preisen geben.

Vom 25. bis 29. November wird die Antigewaltfahne „Frei leben – ohne Gewalt“ im gesamten Landkreis vor den Rathäusern und im Kreishaus aufgehängt, um die Öffentlichkeit daran zu erinnern, dass Frauen und Mädchen weltweit Opfer von spezifischer Gewalt und Diskriminierung sind. Die Gesellschaft soll für das Thema sensibilisiert werden und es muss eine Selbstverständlichkeit sein, dass Frauen ein selbstbestimmtes Leben – frei von Gewalt – führen können.

Häusliche Gewalt ist weit verbreitet und findet in allen Bevölkerungsschichten statt. Dies gilt auch für den Landkreis Hameln-Pyrmont, denn die Zahl der angezeigten Fälle von häuslicher Gewalt steigt seit 2002 kontinuierlich an. Das liegt nach Angaben aus dem Kreishaus vor allem daran, dass die Frauen zunehmend bereit sind, häusliche Gewalt durch eine Anzeige öffentlich zu machen, sich bei der Beratungs- und Interventionsstelle (BISS) in Hameln oder bei einer Frauenberatungsstelle zu melden.

In 2018 waren in Hameln-Pyrmont insgesamt über 600 Fälle und in 2019 bis dato 450 Fälle häuslicher Gewalt zu verzeichnen. Aus Erfahrung sind ebenso viele Kinder von häuslicher Gewalt direkt oder indirekt betroffen. Die Dunkelziffer liegt um ein Vielfaches höher. „Viele Opfer schämten sich oder versuchten, den Täter oder die Täterin zu schützen“, so die Aussage der Gleichstellungsbeauftragten beim Landkreis, Kirsten Wente. Katrin
Meister vom Frauenhaus erklärt: „Frauen mit Migrationshintergrund sind stark von Gewalt betroffen und finden jetzt vermehrt den Weg zu uns in die Beratung bzw. ins Frauenhaus.“

„Wir zeigen mit unserer Aktion Flagge, um das Thema Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen weiter in den öffentlichen Fokus zu rücken. Vor allem im sozialen Nahraum sind die Opfer von Gewaltdelikten überwiegend weiblich. So sprechen die aktuellen Zahlen für sich, drei von vier Opfern sind weiblich. Allein die bei der örtlichen Polizei registrierten Fälle häuslicher Gewalt überstiegen im vergangenen Jahr beispielsweise die Anzahl von Wohnungseinbrüchen um das Doppelte. Alle sind gefordert, Gewalt zu erkennen und Hilfe möglich zu machen“, erläutert Monika Schurm von der Polizei Hameln.

Für die beteiligten Netzwerkpartner steht schnelle Hilfe und effektiver Schutz vor Gewalt für die Betroffenen im Vordergrund. Der Weiße Ring als Opferhilfsorganisation macht deutlich: “Opferrechte sind Menschenrechte“, unantastbar, unteilbar und unverhandelbar.

Wer Opfer von häuslicher Gewalt ist oder in seinem Umfeld entsprechende Hinweise erkennt, kann sich an folgende Stellen wenden:

– Beratungs- und Interventionsstelle (BISS) Hameln, Tel: 05151-405707
– Frauenhaus Hameln e.V., Beratungsstelle fĂĽr Frauen und Mädchen, Tel:
05151- 25299
– Polizei Hameln, Tel: 110
– WeiĂźer Ring, Opfer-Tel: 116006 (bundesweit)
– Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen Tel: 08000/116016 (kostenfrei)
– Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Hameln-Pyrmont, Tel: 05151-9039600

(red)