Mehr Stellen für weniger Ausbildungsinteressierte

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Agentur für Arbeit Hameln Ausbildung
Die Agentur für Arbeit in Hameln. Foto: Archiv

Die Agentur für Arbeit Hameln hat eine Bilanz für den heimischen Ausbildungsmarkt gezogen: Insgesamt meldeten sich 3.210 junge Menschen vom 1. Oktober 2015 bis 30. September 2016 bei den Arbeitsagentur-Geschäftsstellen und den Jobcentern in den Landkreisen Hameln-Pyrmont, Holzminden und Schaumburg als Bewerber für eine Ausbildungsstelle. Das sind 167 Bewerber weniger, als in vergangenen Jahr. Im Gegensatz dazu standen 131 weitere Ausbildungsplätze, insgesamt 2.833, zur Verfügung. „In diesem Jahr war es ganz eindeutig: Bei der Ausbildungsvermittlung durch unseren Arbeitgeber-Service fehlte es nicht an Lehrstellen, sondern an jungen Menschen, die sich für eine Ausbildung interessieren, “ kommentiert Ursula Rose, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hameln die Entwicklung.

Die Milchmädchenrechung ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Bei bloßer betrachtung der Zahlen, gibt es immer noch mehr Bewerber als Stellen, jedoch entscheiden sich viele der Bewerber auch noch für eine weiterführende Schule oder auch ein Soziales Jahr. „Gut die Hälfte der 3.210 Bewerbe sind nun in der Ausbildung. Die anderen haben sich für einen anderen Weg entschieden“, erklärt Christina Rasokat, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Hameln. Dementsprechend gibt es mittlerweile einen Überschuss an Ausbildungplätzen.

Doch wie kommt es zu dem Trend? Der demografischer Wandel hält Einzug im Weserbergland. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente oder werden demnächst pensioniert. Es herrscht ein Mangel an Fachkräften. Die Betriebe setzten wieder auf Auszubildende. „Es kommt jetzt darauf an, die guten beruflichen Chancen und Möglichkeiten, die eine betriebliche Berufsausbildung bietet, wieder in das Bewusstsein von Jugendlichen und deren Eltern zu rücken. Bei der Entscheidung unter den vielen Möglichkeiten, die es gibt, ist doch das Wichtigste, dass es individuell passt. Das kann auch bedeuten, dass sich nach einem persönlichen Beratungsgespräch bei der Berufsberatung eine duale Ausbildung als der beste berufliche Einstieg darstellt“, so Rose. Insgesamt blieben 136 Lehrstellen unbesetzt. Im Gegenzug sind 51 Ausbildungsinteressierte noch ohne Lehrstelle.

Auch bei einem guten Ausbildungsmarkt gehen manche Jugendliche auf der Suche nach einer Lehrstelle leer aus, weil Angebot und Nachfrage nie vollständig in Einklang gebracht werden können. Berufe wie beispielsweise Bäcker oder Hotelfachmann sind weniger beliebt. Hoch im Trend stehen dafür kaufmännische Berufe. Ein anderer wesentlicher Grund liegt darin, dass die Profile der Bewerbenden vielfach nicht den Anforderungen der Arbeitgeber entsprechen. Jens Auberg, Teamleiter der Berufsberatung, unterstreicht: „Derjenige mit dem höheren Schulabschluss hat nicht automatisch die besseren Chancen auf eine Ausbildungsstelle. Die Erfahrung zeigt, dass Arbeitgeber gerade motivierten Bewerbern von Haupt- oder Realschule auch gute Chancen als Azubis einräumen!“ Die 51 Ausbildungsinteressierte, die bisher ohne eine Lehrstelle sind, werden nun intensiv betreut.