NW-Test: Wie sicher ist mein Haus? – Einbruch in nur 20 Sekunden

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NW-Test Einbruchschutz
Unsere Redakteurin Lorena Brümmer ließ sich von Polizeioberkommissar Oliver Bente einiges zum Thema Einbruchschutz erklären. Fotos: Brümmer

Einbruchschutz: Polizei zu Gast bei NW-Redakteurin

„In wenigen Sekunden könnte ich bei Ihnen Einbrechen“

Allein in Niedersachsen gab es im Jahr 2016 16.405 Einbrüche. Eine gute Nachricht ist, dass diese Zahl im Vergleich zu den Vorjahren gesunken ist. So auch im Landkreis Hameln-Pyrmont. Bemerkenswert ist auch die Aufklärungsquote der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden die bei rund 40 Prozent liegt. Doch wie kann man sich und sein Haus vor Einbrüchen am besten schützen und wo liegen die meisten Schwachstellen? Diese Fragen stellte sich auch unsere Redakteurin Lorena Brümmer und lud Polizeioberkommissar Oliver Bente, Beauftragter für Kriminalprävention im Landkreis Hameln-Pyrmont zur Einbruchschutzberatung in ihr Zuhause ein.

Vor dem Besuch von Polizeioberkommissar Oliver Bente witzelten mein Freund und ich noch: „Bei uns bricht doch eh keiner ein – Hier gibt’s ja auch nichts zu holen. – Also ich würde es ja übers Dach versuchen wie im Film.“ Doch die Realität sah anders aus und schockierte uns.

80 Prozent der Täter brechen über die Fenster ein

Der erste Blick von Oliver Bente fiel auf unsere in die Jahre gekommenen Fenster. „In 30 Sekunden könnte ich ihre Fenster aufhebeln und in ihrer Küche stehen. Manche Einbrecher schaffen das auch in unter zehn Sekunden“, sagte er trocken. Bei mir löste diese Aussage zunächst Skepsis aus. Wie soll das denn funktionieren? Na ganz einfach mit einem Schraubenzieher. Bei älteren Fenstern können Einbrecher innerhalb von Sekunden die Beschläge überhebeln und die Fenster mit Leichtigkeit öffnen. Rund 80 Prozent der Einbrecher nutzen diese Technik und haben Erfolg damit.

Neue Fenster sind nicht automatisch sicher

Mein Freund wollte auftrumpfen und zeigte ihm unser neues Fenster im Wohnzimmer, in dem sogenannte Pilzköpfe in den Beschlägen sitzen. Diese greifen sicherer und beugen dem „Hebeln“ vor. Doch diese sicheren Beschläge sind nicht ausschließlich in unserem Fenster verbaut. „An den Seiten befinden sich ’normale‘ Beschläge und somit kann der Einbrecher das Fenster an der Seite öffnen“, erklärte uns der Experte. Diese Technik wird auch sehr oft bei Terrassentüren verwendet. „Aber wie kann das denn sein? Das Fenster ist doch neu“, fragte ich schockiert. Die Antwort von Polizeioberkommissar Bente war ernüchternd: „Es gibt keine gesetzliche Regelung. Die meisten Menschen achten beim Kauf eines Fensters auf den energetischen Wert aber nicht auf die sogenannten Widerstandsklassen.“ Genauso haben mein Freund und ich beim Kauf vor wenigen Monaten auch gehandelt. Von Widerstandsklassen hatten wir noch nie etwas gehört.

  • Scharnhorst Residenz
  • Küchencentrum Holtmann
  • Media Mountains
  • WDH Geschäftsdrucksachen

Insgesamt gibt es sieben dieser Stufen die jeweils mit RC1, RC2, usw. gekennzeichnet sind. Diese halten den Versuchen der Einbrecher stand und reichen oftmals aus, um den Täter zu verschrecken. „Wenn der Einbrecher nach wenigen Minuten keinen Erfolg hat flüchtet er und genau das ist unser Ziel“, so Bente. Steht ein Fenster auf Kipp ist dies eine wahre Einladung für die Einbrecher. Schon eine Klorolle aus Pappe und eine Schnur reichen um das Fenster ohne Schaden zu öffnen. „Dann wird es richtig problematisch. Wenn kein sichtbarer Schaden entstanden ist, müssen Sie für Ihre Versicherung nachweisen, dass es auch wirklich ein Einbruch war“, berichtet er.

Oliver Bente, Beauftragter für Kriminalprävention im Landkreis Hameln-Pyrmont, erklärt wie einfach es sein kann ein Fenster aufzubrechen.

Knackpunkt Haustür

Weiter bewertete der Experte unsere Haustür. „Ganz wichtig: Immer abschließen. Auch wenn ich nur kurz mit dem Nachbar quatsche oder die Blumen gieße – immer abschließen und am besten zwei Mal“, rät er. Denn rund 80 Prozent der Einbrecher sind Gelegenheitstäter. Sie schauen wo ein Fenster auf Kipp ist, ob eine Terrassentür offen steht oder klingel um sehen, ob überhaupt jemand Zuhause ist. Einbrecher sind immer auf leichte Beute aus. Auch die meisten neueren Haustüren lassen sich ohne Probleme mit einem Schraubenziehen, einem Spachtel oder einem kleinen Kuhfuß aufstemmen, da auch wenn sie mehrere Bügel und Schließsysteme besitzen, die Türen meist an einem Kunststoff oder Holzrahmen befestigt werden und dieser zuerst bricht. Achten Sie beim Kauf also auch auf den Rahmen und die Einbauweise.

Bewegungsmelder helfen nicht wirklich

Des Weiteren waren wir, mein Freund und ich, uns sicher, dass ein Einbrecher erst gar nicht zur Tür kommen würde, da wir einen Bewegungsmelder haben und Licht ja bekanntlich die Täter abschreckt. Doch auch diese Illusion nahm uns der Experte. „Der Einbrecher freut sich, dass sie ihm noch Licht machen“, so Bente. Bewegungsmelder haben einen klaren Nachteil, sie haben einen Gewöhnungseffekt. Draußen rennt eine Katze herum – Ping, das Licht geht an; ein größeres Blatt fliegt vorbei – Ping, das Licht geht an. Ich habe bereits aufgehört darauf zu achten, ob der Bewegungsmelder gerade angegangen ist, weil es gefühlte 50 Mal an einem Abend passiert. Der Polizeioberkommissar rät zur dauerhaften Ausleuchtung. „Dann schauen Sie nach ob da gerade wer lang geht. Bei einem Bewegungsmelder können die Sensoren auch abgeklebt werden, das geht bei einer dauerhaften Lampe nicht“, erklärt Bente. Mittlerweile gibt es auch schon sparsame LED-Lampen mit integrierten Dämmerungssensoren, die sich dafür bestens eigenen.
Auch Licht im Haus soll Einbrecher abschrecken. Mit einer Zeitschaltuhr solle man im besten Fall zwei Lampen in unterschiedlichen Räumen mit unterschiedlicher Zeit einschalten. Auch eine Fake-TV-Box sei hilfreich. „Diese strahlt ein flackerndes Licht aus, welches einen laufenden Fernseher simuliert“, so der Experte.

Einbrecher nutzen die Gelegenheit

Unsere Theorie mit dem Einbruch übers Dach widerlegte der Experte ebenfalls: „So viel Mühe geben sich fast nur Profis, wenn sie in Betriebe einsteigen“, berichtet er. Einbrecher nutzen die Gelegenheit und machen sich weniger Mühe als man zuerst denkt. Auch Alarmanlagen oder Videokameras seien für ein privates Haus übertrieben und gerade Kameras helfen erst, wenn das Unglück schon passiert ist. „Das wollen wir ja vermeiden“, sagte Bente abschließend.

Einbruchschutz ist wichtig

Oliver Bente macht in der Regel drei solcher individuellen und kostenlosen Beratungen am Tag. Oftmals sind die Bewohner ebenso schockiert wie ich es war. Doch eine Botschaft wird klar: Vorsorgen ist wichtig. Einbruchschutz ist ein Thema über das sich jeder informieren sollte. Ich habe mich in meinen vier Wänden immer wohl gefühlt und das wird auch dieser Besuch nicht ändern. Jedoch bin ich nun vorsichtiger. Schließe Türen ab, achte auf die Fenster und auch die Beschläge werden wir entweder nachrüsten oder mit Winkeln oder Schlössern arbeiten.

In einem Punkt sind wir jedoch sehr gut geschützt: unsere Alarmanlage auf vier Beinen. Unsere Hunde Max und Zita bellen und machen Krach, sobald sich auf unserem Grundstück etwas regt und auch Oliver Bente haben sie lautstark empfangen und wollte ihn zunächst nicht ins Haus lassen.

(lbr)