*** Update, 6. MĂ€rz ***

Von Gabriele Laube

Bad Pyrmont. Wie bereits auf der Treckerdemo am Donnerstag, 27. Februar, angekĂŒndigt, fand am deutschlandweiten Aktionstag der Vereinigung „Land schafft Verbindung“ eine weitere Aktion auch der heimischen Landwirte statt. Sie diskutierten mit dem Naturschutzbund ĂŒber das Artensterben. Angereist waren sie mit Traktoren.

FĂŒr Donnerstagabend, 5. MĂ€rz, hatte der Nabu zur Diskussion ĂŒber das Thema „Artensterben geht uns alle an! Was können wir hier tun?“ in die Mensa des Schulzentrums Bad Pyrmont eingeladen. Etwa 60 Landwirte aus der Umgebung nutzten die Gelegenheit, um mit den NaturschĂŒtzern zu diskutieren. Sie waren mit ihren Treckern zum Veranstaltungsort gekommen. Die Fahrzeuge behinderten teilweise den Verkehr in der Humboldstraße, sodass die Polizei gerufen wurde. Initiator der Aktion war, wie in der Woche zuvor in Hameln, wieder die Vereinigung „Land schafft Verbindung“ (LsV Deutschland), im Internet unter www.landschafftverbindung.de zu finden. Unter dem Motto „Bauern in Bewegung“ wirbt die Seite mit ĂŒber 40.000 vernetzten Landwirten fĂŒr Aktionen, bei denen ihre Trecker immer dabei sind.

Wer im Internet nach „Land schafft Verbindung” sucht, findet zwei unterschiedliche Seiten. Neben der eingangs erwĂ€hnten gibt es eine zweite Initiative Ă€hnlichen Namens, die „Land schafft Verbindung – Das Original“ (LsV – Das Original), www.landschafftverbindung.org.  Maike Schulz-Broers ist die Initiatorin dieser Bewegung, die sich im Oktober 2019 grĂŒndete und sich als organisatorisch unabhĂ€ngig und parteipolitisch neutral bezeichnet. Es ist die ursprĂŒngliche Vereinigung, von der sich die LsV Deutschland abgespalten hat.

Die LsV Original arbeite an Lösungen, die der Politik prĂ€sentiert werden können, Ă€ußert sich Schulz-Broers gegenĂŒber der Neuen Woche. So hĂ€tte der Verein zur  DĂŒngemittelverordnung (DĂŒVO) ein Konzept zum Systemwechsel “GrĂŒne Gebiete” erarbeitet und Mitte Februar in Berlin den Agrarpolitikern vorgestellt. Schulz-Broers sieht die Demonstrationen mit Traktoren kritisch, denn durch solche Aktionen wĂŒrde die Arbeit vieler im Hintergrund zunichte gemacht. Der Verein bestehe auf UnabhĂ€ngigkeit gegenĂŒber dem Deutschen Bauernverband, die andere Gruppierung nicht.

  • veröffentlicht 5. MĂ€rz 2020:
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Protest der Landwirte: Treckerdemo in Hameln Foto: Laube

Treckerprotest legt den Verkehr lahm

Hameln. An zahlreichen Feldern im Weserbergland steht als stummer Protest gegen ĂŒberbordende BĂŒrokratie in der Agrarpolitik ein grĂŒnes Kreuz. Dazu bekommt die Bauernschaft kaum noch WertschĂ€tzung von der Bevölkerung und zahllose EU-Verordnungen bringen viele Landwirte in Existenznöte. Dem Landvolk reicht es. FĂŒr eine Kundgebung auf dem Rathausplatz blockieren etliche der etwa 100 Trecker den Kastanienwall.

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Trecker blockieren den Kastanienwall. Foto: Laube

Sturmfest, erdverwachsen und wortkarg

Etwa 300 landwirtschaftlich TĂ€tige demonstrieren am Donnerstag, 27. Februar, hauptsĂ€chlich gegen die in ihren Augen widersinnige DĂŒngemittel-Verordnung, aber auch fĂŒr mehr Anerkennung ihrer Arbeit. SprĂŒche wie „HĂ€ngt der Bauer tot im Stall, liegt es meist am Preisverfall“ sollen die Problematik anmahnen. Der KrankenhĂ€ger Landwirt Friedhelm Brandsmeier verteilt einen von ihm verfassten offenen Brief. Er rĂŒgt die Fehler im Nitratbericht des Umweltministeriums und fordert einen Sachkunde-Nachweis fĂŒr Agrarpolitiker. Auch dem Holzener Christian Ahlswede passen die Forderungen aus Berlin ĂŒberhaupt nicht, er bemĂ€ngelt, dass das Agrarpaket ohne sie als Betroffene entwickelt wurde. Jetzt aber mĂŒssen sie diese Entscheidungen ausbaden. Als Klimakiller sehen sich die Landwirte nicht.

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v.l.n.r. Die Sprecher der Landwirte Christian Ahlswede (Holzen) und Antony-Robert Lee (Möllenbeck) mit Wirtschaftsminister Bernd Althusmann Foto: Laube

Prominente Politiker sprechen zu den Landwirten

„Mein Name ist nicht Greta, sondern Jens. Ihr habt mir nicht meine Kindheit geraubt, ihr raubt mir meine Existenz.“ Dieser Satz eines demonstrierenden Landwirts beeindruckt den niedersĂ€chsischen Wirtschaftsminister und Landesvorsitzenden der CDU Bernd Althusmann. Dem ausharrenden Landvolk sichert er in einem leidenschaftlichen Redebeitrag seine volle UnterstĂŒtzung zu.

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Annegret Kramp-Karrenbauer spricht zu den Landwirten. Foto: Laube

Auch die anderen prominenten Politiker der CDU, die ihren kleinen Parteitag im Weserbergland-Zentrum abhalten, reagieren betroffen auf den Aufmarsch und die Forderungen ihrer StammwÀhlerschaft vom Land. Verteidigungsministerin und CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer, Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast und der sÀchsische MinisterprÀsident Michael Kretschmar stellen sich den Fragen der Landwirte, vertreten durch Antony Robert Lee aus Möllenbeck und Ahlswede.

Weitere Aktionen sind geplant

Mehr als die Versicherungen, die Probleme zu kennen und sich um ihre Belange zu kĂŒmmern, bekommen die Bauern von den Politikern an diesem Abend nicht. Dabei hĂ€lt sich die Bauernschaft zurĂŒck mit ihrem friedlichen Protest, denn es könne auch anders laufen, deuten einige Stimmen an. Mit Flyern wirbt die Initiative „Land schafft Verbindung“ (www.landschafftverbindung.de) um VerstĂ€ndnis, denn weitere Aktionen werden folgen – solange die Landwirte beim Agrarpaket nicht mitreden dĂŒrfen.