Wachsamer Nachbar: Sich gemeinsam vor Einbrechern schützen

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Einbruchschutz Bente Polizei
Polizeioberkommissar Oliver Bente berät zum Thema Einbruchschutz

Polizeioberkommissar Oliver Bente erklärt wie es geht

Reinstecken, aufhebeln und einsteigen. Rund 80 Prozent der Täter brechen über ein Fenster ins Haus ein und brauchen dafür nur wenige Sekunden. Das Fenster muss dafür noch nicht einmal gekippt sein, defekt oder besonders alt. Polizeioberkommissar Oliver Bente von der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden ist als Beauftragter für Kriminalprävention im Landkreis unterwegs und berät Bürger zum Thema Einbruchschutz. Er weiß wie die Täter vorgehen und könnte auch selbst mühelos ein Fenster aushebeln. Doch er weiß auch, wie man die Einbrecher abschrecken, fernhalten oder einen Einbruch mit geringen Mitteln sogar vereiteln kann.

Türen und Fenster schließen

„Punkt eins: Ganz wichtig, immer abschließen. Egal ob das Auto, die Hintertür oder die Haustür. Auch wenn Sie nur mal kurz mit dem Nachbarn quatschen oder die Blumen gießen“, beginnt Bente. Die meisten Einbrecher sind Gelegenheitstäter. Sie schauen wo ein Fenster auf Kipp ist, ob eine Terrassentür offen steht oder klingeln um zu sehen, ob überhaupt jemand Zuhause ist. Einbrecher sind immer auf leichte Beute aus. Auch die meisten neueren Haustüren lassen sich ohne Probleme mit einem Schraubenziehen, einem Spachtel oder einem kleinen Kuhfuß aufstemmen, da, auch wenn sie mehrere Bügel und Schließsysteme besitzen, die Türen meist an einem Kunststoff- oder Holzrahmen befestigt werden und dieser zuerst bricht. Achten Sie beim Kauf also auch auf den Rahmen und die Einbauweise.

Dies gilt auch für die Fenster. Auch ein neues Fenster ist nicht automatisch sicher. „Achten Sie auf Beschläge mit Pilzköpfen und das rund herum. Dann haben die Täter es schwerer und können das Fenster nicht einfach aufhebeln. Meist reicht das schon um einen Versuch zu vereiteln“, so Bente.

Einbrechern einfach vorbeugen

Der beste Einbruchschutz ist nicht die teure Alarmanlage oder eine Hightech Überwachungskamera, sondern eine gute Sozialkontrolle. „Achten Sie auf Fremde im Haus, auf dem Nachbargrundstück oder im Wohngebiet. Achten Sie auf Autos oder Transporter mit auswärtigem Kennzeichen, wenn diese langsam und mehrmals durch das Wohngebiet fahren. Wenn Ihnen etwas komisch vorkommt, zögern Sie nicht, sondern wählen sie die 110. Dafür ist die Polizei da und für Hinweise sind wir dankbar“, sagt Bente bestimmt. Immer noch rufen zu wenige Menschen diese Nummer an, weil sie glauben, dass es vielleicht doch nicht wichtig genug ist um den Notruf zu wählen, doch gerade dafür ist diese Nummer da.

Zudem ist es wichtig ungewöhnlich flackerndes Licht in Wohnungen oder Geschäften zu beobachten und auf klirrende, scheppernde oder außergewöhnliche Geräusche zu achten. Auch wenn Unbekannte Mensch im Hausflur oder auf der Straße herumstehen und warten, sprechen Sie sie an, vielleicht stehen sie gerade Schmiere bei einer Straftat.

Einfache Mittel zur Abschreckung

Die meisten Menschen installieren Bewegungsmelder an ihrem Haus und hoffen damit Einbrecher zu vertreiben, doch diese Illusion nimmt der Experte im Gespräch. „Der Einbrecher freut sich, dass sie ihm noch Licht machen“, so Bente. Bewegungsmelder haben einen klaren Nachteil: den Gewöhnungseffekt. Draußen rennt eine Katze herum – das Licht geht an; ein größeres Blatt fliegt vorbei – das Licht geht an. Der Polizeioberkommissar rät zur dauerhaften Ausleuchtung. „Dann schauen Sie nach ob da gerade wer lang geht. Bei einem Bewegungsmelder können die Sensoren auch abgeklebt werden, das geht bei einer dauerhaften Lampe nicht“, erklärt Bente. Mittlerweile gibt es auch schon sparsame LED-Lampen mit integrierten Dämmerungssensoren, die sich dafür bestens eigenen.
Auch Licht im Haus soll Einbrecher abschrecken. Mit einer Zeitschaltuhr solle man im besten Fall zwei Lampen in unterschiedlichen Räumen mit unterschiedlicher Zeit einschalten. Auch eine Fake-TV-Box sei hilfreich. „Diese strahlt ein flackerndes Licht aus, welches einen laufenden Fernseher simuliert“, so der Experte. Mittlerweile gibt es diese auch schon für kleines Geld im Netz oder im Angebot bei einem Discounter zu kaufen. „Wenn Sie in den Urlaub fahren, dann hinterlassen Sie ihr Grundstück nicht zu ordentlich. Parken Sie ein Auto vor der Garage oder lassen Sie Gummistiefel vor der Tür stehen, als hätten Sie sie gerade ausgezogen“, erklärt er weiter.

Aufkleber „Wachsamer Nachbar“

Es ist wichtig, dass man als Nachbarschaft auf sich aufpasst. Die Polizei verteilt auf Informationsabenden zum Thema Einbruchschutz oder nach Beratungen gerne die Aufkleber „Wachsamer Nachbar“ und die Leute nehmen sie gerne mit und kleben sie beispielsweise auf den Briefkasten. Diese Botschaft suggeriert dem Einbrecher zumindest, dass sich diese Menschen bereits zum Thema Einbruchschutz informiert haben. Dies wirkt abschreckend und vielleicht bewegt es den ein oder anderen Einbrecher, sich ein anderes Objekt zu suchen oder er probiert es erst gar nicht in diesem Viertel.

Polizeioberkommissar Oliver Bente führte im vergangenen Jahr rund 140 kostenlose Einbruchschutzberatungen in Haushalten durch und auch in diesem Jahr wird er auf diese Zahl kommen. Trotz des Rückgangs der Fallzahlen ist das Thema immer noch wichtig. Weiter hilfreiche Informationen gibt es auch unter www.k-einbruch.de.

(lbr)