„Wir haben uns alles erkämpft“ – 25 Jahre Gleichstellungsbeauftragte

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Kristen Wente Gleichstellungsbeauftragte
Kirsten Wente ist die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Hameln-Pyrmont. Foto: Brümmer

Kirsten Wente berichtet aus ihrem Beruf

Sie kämpft seit 25 Jahren für Frauen – Kirsten Wente ist die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Hameln-Pyrmont und das seit dem Jahr 1994. Sie ist das Bindeglied zwischen Verwaltung und Politik, wenn es um Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann geht und diesen Punkt gibt es in fast jedem Thema. „Die Gleichstellungsbeauftragten beraten und unterstützen die Verwaltung und die Politik darin, gleichstellungspolitischen Handlungsbedarf innerhalb der Gebiete zu erkennen und Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts abzubauen. Wir wollen die Frauen voranbringen und nicht die Männer bremsen“, erklärt sie ihre Arbeit.

Zu Beginn ihrer Arbeit stand das Thema Gleichstellung noch nicht so im Fokus wie heute und die Stellung von Frauen war in vielen Teilen deutlich schlechter. „Wir haben uns damals alles erkämpfen müssen. Es war ja eine ganz neue Stelle “, erklärt Wente mit Blick auf den Arbeitskreis der Gleichstellungsbeauftragten. Ihre Arbeit lässt sich in vier Bereiche unterteilen: Frauen und Beruf, Frauen und Politik, Frauen und Migration sowie Gewalt gegen Frauen.

Frauen und Beruf

Die Aufgabe von Kirsten Wente beschränkt sich nicht nur auf die Arbeit im Landkreis Hameln-Pyrmont, sondern auch auf ihre Kolleginnen im Kreishaus. So setzte sie sich für flexible Arbeitszeiten ein, ist bei Vorstellungsgesprächen dabei und richtete eine Ferienbetreuung ein. „Die Vereinbarung von Familie und Beruf wird immer wichtiger“, ergänzt sie. Im Rhythmus von drei Jahren erstellte Wente einen Gleichstellungsbericht. Aus diesem lässt sich ablesen, dass zehn Prozent mehr Führungspositionen an Frauen gehen. Dennoch spricht sie sich klar für eine Frauenquote aus. „Noch immer werden Frauen bei einem Vorstellungsgespräch gefragt, ob sie Kinder haben. Gesetzlich müssen sie diese Frage nicht beantworten, doch das wissen viele nicht und Männer, obwohl sie ja genauso Väter sein können, werden nicht gefragt.“

Frauen und Politik

Ein weiteres großes Thema ist die Politik. Im Kreistag Hameln-Pyrmont liegt der Frauenanteil lediglich bei 27,45 Prozent. Daher startet bald das Mentoring-Programm „Frau.Macht.Demokratie.“ Hierbei können Politikerinnen als Mentorin interessierten Frauen den Einstieg in die Politik erleichtern. „Dabei ist es so wichtig, dass wir Frauen in den Gremien und Ausschüssen sitzen haben, weil sie einen anderen Blickwinkel auf die Sache haben als Männer“, sagt Wente. Deshalb fordert der Arbeitskreis der Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Hameln-Pyrmont auch das Parité-Gesetz. Das bedeutet, dass Frauen und Männer abwechselnd auf einer Wahlliste aufgestellt werden müssen.

Frauen und Migration

Dieser Schwerpunkt kam im Jahr 2003 hinzu. Es wurden Sprachkurse organisiert und auch der Sportkurs wurde den Kulturen angepasst. Im Jahr 2013 wurde zudem eine Fotoausstellung organisiert unter dem Titel „Ich bin die, die ich bin“. Die Ausstellung wurde im Foyer des Kreishauses präsentiert und Frauen unterschiedlicher Kulturen konnten sich austauschen und Kontakte knüpfen.

Gewalt gegen Frauen

Leider nimmt die Thematik Gewalt gegen Frauen auch einen großen Platz im Beruf von Kirsten Wente ein. „Wir arbeiten sehr eng mit dem Hamelner Frauenhaus zusammen“, erklärt Wente. Dort gibt es aktuell elf Plätze für Frauen in Not. Zudem gibt es seit 2002 das Gewaltschutzgesetz und damit gingen sechs Beratungsstellen für Frauen in Niedersachsen an den Start. Davon auch eine im Weserbergland. Am 26. November findet zum Anti-Gewaltstag eine Aktion im Kreishaus gemeinsam mit der Polizei und dem Frauenhaus statt. „Das Motto lautet ‚Frei leben ohne Gewalt‘“, so die Gleichstellungsbeauftragte.  

Ein stetiger Tropfen ölt den Stein

Auch wenn in den vergangenen Jahren bereits viele Vorurteile gegen Frauen abgebaut werden konnten, ist die Arbeit von Kirsten Wente und ihren Kolleginnen immer noch wichtig. „Wir haben schon einiges geschafft, aber es gibt noch vieles zu tun. Immerhin gibt es, um nur ein Beispiel zu nennen, einen Lohnunterschied von 21 Prozent“, sagt die Expertin. Das Thema Gleichstellung ist ein langer Prozess, der sich noch immer entwickelt und für den noch immer gearbeitet werden muss.

(lbr)