Von Gabriele Laube

Wenig überraschende Antworten erhielt eine Umfrage auf die Frage „Was machen Deutsche im Urlaub?“. Doch wer seine Perspektive wechselt, dem gelingen perfekte Ferien auch vor Ort. Wir erklären „Staycation“.

Reisen untersagt

Nach über sechs Wochen Corona-Ausnahmezustand fühlen sich viele Menschen urlaubsreif. Abwechslung ist erwünscht, aber eine Reise zu planen, bleibt schwierig. Mindestens bis zum 6. Mai ist ganz Deutschland Sperrgebiet für Urlauber und privates Touren verboten. Den Beherbergungsbetrieben drohen hohe Bußgelder, wenn sie an Erholungssuchende vermieten. Weil die Situation alle zwei Wochen neu bewertet wird, weiß niemand, was kommt.

Faulenzen beliebter als Fernsehen

2018 hat das Online-Portal statista.de 4000 Bundesbürger ab 14 Jahren zu ihren Urlaubstätigkeiten befragt. Mehr als die Hälfte aller Befragten geben Essen gehen, Ausflug in die Umgebung, Baden/Schwimmen, Spazieren gehen, Faulenzen/Nichtstun, Ausschlafen, spontan etwas machen und Fotografieren an. Etwa jeder Vierte interessiert sich für kulturelle Aktivitäten, Fernsehen, Wellness, Telefonieren oder Sport. Internet finden neun Prozent der Befragten wichtig. Demnach ist alles, was den Deutschen im Urlaub wichtig ist, fast überall möglich.

Sommer im eigenen Land

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, hält nach Berichten der dpa, Sommerurlaub in Deutschland für möglich, jedoch keine großen Fernreisen. Seine Überlegungen dazu klingen schlüssig: „Sicherheitsabstände, regelmäßige Desinfektion oder auch Tests für Personal und Mitarbeiter sind sicher vorstellbar“.

Konkrete Pläne auf Wiedervorlage

Die nördlichen Bundesländer agieren unterschiedlich. Während Niedersachsen sich bedeckt hält, stehen in anderen Ländern durchführbare Planungen in den Startlöchern, den Tourismus wiederzubeleben. Schleswig Holstein sieht dafür vier Stufen vor. Menschen mit Zweitwohnsitz dürfen als erste in ihre Ferienwohnungen zurückkehren. Es folgen die privaten Vermieter, danach die Hotels mit reduzierter Zimmerzahl und zuletzt die Tagestouristen.

Kinder lieben Bauernhöfe

Einen Vorstoß wagt die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Sie rät dazu, Sommerurlaub auf dem Land zu machen. Ihr Argument: „Im ländlichen Raum gibt es viele kleine Ferienwohnungen bis hin zum Urlaub auf dem Bauernhof mit eigenem Wohnbereich”. Der Nebeneffekt: Im unmittelbaren Kontakt zu den Hoftieren findet lebensnaher, nachhaltiger Unterricht für die ganze Familie statt. Unvergessliche Momente mit der Kamera entstehen, besonders, wenn Kinder auf den Auslöser drücken.

Rein in die Natur?

Eine Rad- oder Wandertour mit Streckenplänen, Höhepunkten und eventuellen Übernachtungsmöglichkeiten lässt sich gut vorbereiten. Der Plan ruht anschließend mit einer gewissen Vorfreude in der Schublade und ist verfügbar, sobald die Bedingungen stimmen. Wer mit Rucksack und Zelt unterwegs sein möchte, muss allerdings bedenken: Wildcampen wie in Schweden ist in Deutschland nicht erlaubt.

Doch derzeit sind nur Campingplätze in NRW und Sachsen, und nur für die Dauerplatzinhaber mit eignen Sanitäreinrichtungen geöffnet. Wann und wie weitere Öffnungen folgen, ist ungewiss. Ebenso, wie schnell die abgespeckten Parzellen dann ausgebucht sind. Somit heißt es auch für Reise- und Wohnmobil-Besitzer: Abwarten.

Daheimbleiben ohne Nachteil

Wer im Urlaub zuhause bleiben möchte, liegt voll im Trend. Es fallen keine Transportlasten an und in Seuchen-Zeiten ist das Daheimbleiben kein Makel mehr, sondern ein anerkannter Community-Schutz. „Staycation” lautet der Kunstbegriff dafür, er setzt sich aus den englischen Wörtern für „Bleiben“ und „Ferien“ zusammen. Die Bedingungen dafür sind simpel: 1. Nicht erreichbar sein. 2. Nur das tun, was man auch in der Ferienwohnung machen würde. 3. Die bekannte Umgebung mit den Augen eines Urlaubers betrachten. Die kulturelle Unterhaltung kommt frei Haus, denn berühmte Museen und Kunsthallen bieten Online-Rundgänge an.

Stilvoll essen mit der Familie nach gemeinschaftlichem Kochen am eigenen Wohnzimmertisch, wenn vorher festgelegt wird, wer kellnern darf. Wer richtig plant, vermag nach so einem Urlaub viel zu berichten, ohne wirklich weg gewesen zu sein.

Reise FAQ

Bei Kurzarbeit weniger Urlaubsanspruch

Laut dem Europäischen Gerichtshof darf der gesetzliche Mindesturlaubsanspruch bei Kurzarbeit gemäß dem Anteil der tatsächlichen Arbeitszeit gekürzt werden. Wo in Arbeitsstunden „Null“ angeordnet ist, wird nicht gearbeitet, somit entsteht für diese Zeiten kein Urlaubsanspruch. Arbeitnehmer sollten also vorsichtig planen und gegebenenfalls beim Arbeitgeber nachfragen. Nicht gekürzt werden darf dagegen das ursprünglich vereinbarte Urlaubsgeld.

Reisebeschränkungen und Risiko

Selbst wenn die Grenzen wieder öffnen, kann derzeit niemand vorhersagen, wie sich die Situation entwickelt. Die Gefahr, dass es am Zielort plötzlich zu Einschränkungen oder Quarantäne kommt, besteht weiterhin. Sicher schützt ein Ferienhaus weitab von allem besser als ein Massenhotel, wäre da nicht die Anreise. Denn die führt häufig über Bahnhöfe und Flughäfen.

Wer bereits eine Reise für Sommer oder Herbst gebucht hat, sollte sich die Rücktrittsbedingungen seines Anbieters anschauen. Viele Veranstalter zeigen sich derzeit kulant und bieten Gutscheine für einen späteren Gebrauch an.