Noch 20 Minuten bis sich die T├╝ren der Hamelner Tafel ├Âffnen. Bereits jetzt warten Kunden mit leeren Tragetaschen, K├Ârben und Einkaufstrolleys an der Ruthenstra├če. Das Klientel ist gemischt: Alleinerziehende mit Kindern, gefl├╝chtete Menschen und Senioren deren Rente nicht reicht. Sie alle nutzen das Angebot der Tafel, um am Ende der Woche vielleicht noch ein paar M├╝nzen im Portmonee zu haben.

Auf der anderen Seite der Theke stehen die ehrenamtlichen Helfer der Tafel. Sie schleppen Kisten, sortieren Lebensmittel und arbeiten hart, um anderen Menschen zu helfen und Lebensmittel zu retten. So ist auch Wolfgang Asche einmal in der Woche im Dienst. Er steht sozusagen an der Kasse der Tafel, scannt Karten ein, kassiert und redet mit den Kunden. Der 83-j├Ąhrige Hamelner ist seit der Gr├╝ndung der Tafel im Jahr 1998 dabei. ÔÇ×Die Philosophie der Tafel hat mich einfach ├╝berzeugt und das tut sie bis heuteÔÇť, berichtet er uns.

R├╝ckblick: So ist die Tafel gestartet

Heute verf├╝gt die Tafel ├╝ber passende R├Ąumlichkeiten, zwei K├╝hlwagen und ein ausgekl├╝geltes System, bei dem keiner benachteiligt wird. Zudem kommen noch drei Au├čenstellen in Aerzen, Emmerthal und Hessisch Oldendorf hinzu. Doch vor 20 Jahren sah alles noch ganz anders aus. ÔÇ×Eine Gruppe von sehr sozial eingestellten Menschen hat die Tafel ins Leben gerufen. Ich habe von Freunden davon geh├Ârt und war von der Grundidee sofort ├╝berzeugtÔÇť, berichtet Wolfgang Asche. Der Hamelner war ab der ersten Lebensmittelausgabe dabei: ÔÇ×Wir mieteten ein kleines Lager in der Fischpfortenstra├če und verteilten die Lebensmittel aus einem alten Kastenwagen vom DRK herausÔÇť, erz├Ąhlt der Hamelner. Zweimal in der Woche gab die Tafel damals Lebensmittel an Bed├╝rftige an der St. Elisabeth Kirche und auf dem M├╝nsterkirchhof aus. Zun├Ąchst versorgten sie zwischen 20 und 30 Leute, doch nach kurzer Zeit war der Zulauf riesig. Bereits drei Monate sp├Ąter bezog die Tafel neue R├Ąumlichkeiten in der ÔÇ×Neue Marktstra├čeÔÇť. Doch nach ein paar Monaten wurde es dort zu eng und auch die Lage in der Innenstadt sei nicht optimal gewesen. ÔÇ×Die Stra├če war zu schmal mit der Schlange und auch die Nachbarn waren nicht erfreutÔÇť, sagt Asche r├╝ckblickend.

Auflagen und Vorschriften

Im Jahr 2003 entschied sich die Tafel dann f├╝r die Ruthenstra├če. ÔÇ×Wir hatten einen guten Kontakt zur Jugendwerkstatt und konnten uns diese R├Ąumlichkeiten nach unseren W├╝nschen gestaltenÔÇť, berichtet Asche, der zu dieser Zeit Vorsitzender der Tafel war. Auch immer neue Auflagen und Vorschriften mussten bei dem Bau des Geb├Ąudes bedacht werden und auch bei der Anschaffung von einem neuen Auto musste auf eine K├╝hlung geachtet werden. ÔÇ×Die K├╝hlkette darf nicht unterbrochen werden. Im Grunde haben wir die gleichen Auflagen wie ein Lebensmittelgesch├Ąft und das ist auch gut soÔÇť, erkl├Ąrt Hans-Otto S├╝dmersen.

Au├čenstellen wurden er├Âffnet

Auch in anderen Teilen des Landkreises wurden Tafeln er├Âffnet. In Bad M├╝nder, Springe und Bad Pyrmont sind die Tafeln eigenst├Ąndig. Die Hamelner Tafel konnte nach und nach noch drei Au├čenstellen in Aerzen, Emmerthal und Hessisch Oldendorf er├Âffnen. Dadurch waren die Wege nicht nur k├╝rzer f├╝r die Kunden, sondern es konnte ein besserer Austausch und Verteilung erzielt werden. Die Tafel ist Teil eines gro├čen Netzwerks, in dem man mit vielen anderen Akteuren interagiert, sich unterst├╝tzt und austauscht.

Immer mehr Kunden

Die Tafel entwickelte sich stetig weiter, genau wie die Anzahl der Kunden stetig gewachsen ist und noch immer weiterw├Ąchst. Fr├╝her seien viele russische Aussiedler zur Tafel gekommen und mit jedem weiteren Krieg, beispielsweise in Afghanistan oder Syrien, gibt es eine weitere Welle an neuen Kunden f├╝r die Tafel. Doch je mehr Kunden es gibt, desto mehr ehrenamtliche Helfer werden ben├Âtigt um die Arbeit zu stemmen. Immerhin hat die Tafel vier Tage die Woche ge├Âffnet und versorgt rund 4500 Kunden. ÔÇ×Pro Tag ben├Âtigen wir zwischen 15 und 20 Mitarbeiter in HamelnÔÇť, erkl├Ąrt der erste Vorsitzende. Hierbei sind die Au├čenstellen noch nicht mit einbezogen. Festangestellt sind lediglich ein B├╝roleiter und f├╝nf Mitarbeiter des Bundesfreiwilligendienstes.

Damit die Tafel auch noch die n├Ąchsten 20 Jahre ihre wertvolle Arbeit leisten kann, ben├Âtigt sie weitere helfende H├Ąnde und engagierte Menschen. Es werden Fahrer gesucht, Menschen die Lebensmittel sortieren m├Âchten) oder die Ausgabe unterst├╝tzen wollen. Wer Interesse am Engagement der Tafel hat kann sich unter 05151/926464 melden.

(lbr)