„Eltern sollten das Auto stehen lassen“ – Ohne Stress und Chaos zur Schule

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Simone Kalmbach Verkehr Schulweg
Simone Kalmbach, Verkehrssicherheitsberaterin der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden. Foto: privat

Neues Schuljahr, doch dieselben Probleme: Vor vielen Hamelner Schulen herrscht gerade morgens viel Verkehr. Dort tummeln sich Fahrräder, Busse, Fußgänger und zahlreiche Autos. Oftmals entstehen in der Hektik gefährliche Situationen für die Schüler.

Gerade zur Grundschule werden viele Kinder mit dem Auto gebracht, dabei ist das gar nicht so sicher, wie viele Eltern denken. Umso gefährlicher wird es in der dunklen Jahreszeit. Beispiele für das Verkehrschaos zur ersten Stunde seien die Pestalozzi-Schule und die Grundschule Hohes Feld. „Die Busse kommen vor der Pestalozzi-Schule kaum durch“, berichtet Simone Kalmbach, Verkehrssicherheitsberaterin der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden.

Ebenfalls problematisch sei es vor der Wilhelm-Raabe-Schule in der Königstraße. Auch dort halten die Autos vor der Schule, parken den Lehrerparkplatz zu und zudem ist die Straße eh relativ schmal. „Gerade wenn auch ein Kindergarten in der Nähe ist, wird es noch enger“; erklärt Andreas Hinz von der Hamelner Verkehrswacht. Doch wie kann man die angespannte Lage vor den Schulen lösen?

Polizei zeigt Präsenz an Schulen

Einige Schulen haben einen Fußgängerführerschein eingeführt und die Öffis bieten ein Bustraining an. Die Polizei zeigt Präsenz auf Elternabenden und spricht das Problem direkt an, doch es scheint ein Kreislauf zu sein, der nie enden will. „Es ist die Pflicht der Eltern, ihren Kindern beizubringen, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen“, sagt Hinz deutlich. Als Hilfestellung verteilt die Polizei Handzettel an Eltern und Autofahrer, die an Schulen vorbeikommen. Eine weitere Hilfestellung sind die gelben Fußabdrücke, die auf Gehwegen sichere Querungsstellen anzeigen. Außerdem besuchen die Kontaktbeamten der Polizei Hameln regelmäßig die Schulen, verteilen Reflektoren an die Kinder und stoppen so manches „Elterntaxi“. Dabei achten Sie darauf, ob das Kind angeschnallt ist, auf einem Kindersitz sitzt und auf der richtigen Straßenseite aussteigt.

Es fängt schon beim Aufstehen an

Die meisten Gefahrensituationen entstehen in der Hektik. „Punkt 1: früh genug aufstehen“, erklärt Kalmbach, denn damit fängt ein sicherer und entspannter Schulweg an. Die Polizei rät den Eltern bereits vor dem Schulstart den Weg gemeinsam zu üben und den Abc-Schützen ein Vorbild im Straßenverkehr zu sein. Dieses Üben sei nicht zu unterschätzen, denn Kinder haben eine längere Reaktionszeit und ein kleineres Blickfeld als Erwachsene. Auch das Fahren mit Rad oder mit dem Bus zur Schule zu gelangen sollte geübt sein. Manche Eltern organisieren sich auch zu Fahrgemeinschaften. Auch wenn sich die Polizei wünschen würde, dass alle Eltern ihre Autos stehen lassen, ist dies besser, als wenn jedes Kind einzeln gebracht wird. „Eltern sollen dann darauf achten, dass die Kinder angeschnallt sind und zur Gehwegseite austeigen können“, ergänzt Hinz.

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Eltern-Haltestellen

Zudem plädieren die beiden Experten dafür, die Kinder einige hundert Meter vor der Schule aussteigen zu lassen, wo in Ruhe und Sicherheit angehalten werden kann ohne den restlichen Verkehr zu stören. Ein kurzes Stück könne jedes Kind zu Fuß gehen. An der Grundschule Afferde gibt es bereits Schilder, die eine sogenannte Haltestelle für Eltern markieren. Das System funktioniere bisher dort sehr gut. Ob weitere Schilder an andere Schulen folgen, bleibt abzuwarten.

(lbr)