Damit Kurzarbeit keine verlorene Zeit ist: Betriebe im Landkreis Hameln-Pyrmont sollen sich stĂ€rker als bislang um die berufliche Weiterbildung ihrer Mitarbeiter kĂŒmmern.

Dazu ruft die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-GaststĂ€tten (NGG) auf. „WĂ€hrend der Corona-Pandemie können viele BeschĂ€ftigte gar nicht oder nur sehr eingeschrĂ€nkt arbeiten. Die Firmen sind gut beraten, jetzt die hohen staatlichen ZuschĂŒsse fĂŒr die Qualifizierung abzurufen“, so NGG-GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Lena Melcher.

Die Gewerkschaft verweist auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur fĂŒr Arbeit. Danach wurden ĂŒber das 2019 eingefĂŒhrte Qualifizierungschancengesetz, das erstmals hohe ZuschĂŒsse fĂŒr die Weiterbildung von BeschĂ€ftigten vorsieht, in ganz Niedersachsen bis Mitte des laufenden Jahres lediglich 4.183 Menschen gefördert. „Das ist eine ernĂŒchternde Bilanz. Hier mĂŒssen die Firmen dringend nachlegen“, betont Melcher. Im ersten, von der Pandemie geprĂ€gten Halbjahr wurde laut Arbeitsagentur landesweit die Weiterbildung von 1.072 BeschĂ€ftigten bezuschusst – das sind 13 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

„FĂŒr Hotels, Pensionen und GaststĂ€tten, die sehr hart von Corona getroffen wurden, ist das Gesetz eine große Chance. Unter ServicekrĂ€ften und Hotelangestellten ist in puncto Weiterbildung viel Luft nach oben. Denn in den letzten Boom-Jahren war fĂŒr viele Betriebe dafĂŒr kaum Zeit“, unterstreicht Melcher. Aber auch fĂŒr Branchen wie die ErnĂ€hrungsindustrie, in der die Digitalisierung rasant voranschreite und mancherorts auch ArbeitsplĂ€tze bedrohe, seien die staatlichen Angebote relevant. Fortbildungen mĂŒssten dabei auch unter Pandemie-Bedingungen organisiert werden – etwa per Online-Seminar, so die NGG. Nach Angaben der Arbeitsagentur beschĂ€ftigt das Gastgewerbe allein im Kreis Hameln-Pyrmont rund 2.800 Menschen, in der ErnĂ€hrungsindustrie arbeiten 890 BeschĂ€ftigte.

Mit dem Qualifizierungschancengesetz können Unternehmen seit 2019 staatliche ZuschĂŒsse fĂŒr Weiterbildungsmaßnahmen ihrer BeschĂ€ftigten erhalten. In Betrieben mit weniger als zehn Mitarbeitern ĂŒbernimmt die Arbeitsagentur die Kosten fĂŒr die Kurse komplett – ebenso das Gehalt. In Betrieben bis 249 BeschĂ€ftigten ist es die HĂ€lfte der Kosten. Die Kurse mĂŒssen mindestens vier Wochen Vollzeit-Unterricht umfassen, jedoch nicht zwangslĂ€ufig am StĂŒck, sondern passend zum Bedarf der Unternehmen. Wer sich in seiner Freizeit weiterbilden will, wird unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls gefördert. Weitere Infos und Angebote vor Ort gibt es im Netz unter: https://kursnet-finden.arbeitsagentur.de/kurs/