Die RattenfĂ€nger-Halle ist am Freitag der Ort, wo sich etwa 1000 WeserberglĂ€nder zur Musik aller acht Staffeln der TV-Drama Serie „Game of Thrones“ treffen. Um Macht, Intrigen und Gewalt geht es auch in der symphonischen Umsetzung der Cinema Festival Symphonics. Fans, die sich auf originale Filmszenen gefreut haben, werden enttĂ€uscht, denn die Marke HBO ist zu teuer fĂŒr diese Konzertshow mit rund 100 Musikern, SĂ€ngern und Solisten.

Vom Film zum musikalischen Erlebnis

Spielen wir mit dem US-Serienpionier HBO um den eisernen Thron: Unsere Kamera fliegt ĂŒber die gemalte, dynamische Landkarte von Westeros. Mechanisch steigen StĂ€dte, Burgen oder TĂŒrme daraus empor, sich drehende ZahnrĂ€der zeigen den Verlauf der Zeit. Diese heile Siedler-Welt schottet im Norden eine Mauer aus Eis gegen bedrohliche Monster ab. Nun fĂŒgen wir eine minimalistische Melodie mit Wiedererkennungswert hinzu und die Serienjunkies des Fantasy-Epos „Game of Thrones“ wissen, was gespielt wird: „Das Lied von Eis und Feuer“, geschrieben von George R. R. Martin und musikalisch in Szene gesetzt von Ramin Djawadi. Der Deutsch-Iraner, geboren 1974 in Duisburg, erhielt 2018 fĂŒr seine von seinem Lehrmeister Hans Zimmer klassisch inspirierten Kompositionen den Emmy Award.

Das symphonische Spiel um die Herrschaft

Der Konzertabend „Die Game of Thrones – Concert Show“ widmet sich ganz der Musik der Serie. Interpretiert mit großem Orchester und stimmgewaltigen SĂ€ngern gelingt in Hameln ein Ohrenschmaus, fĂŒr das Auge gibt es Leinwandanimationen zum Mitraten in Sporthallenkulisse.

Es gilt, die Höhepunkte der Serie, deren Charaktere und deren Dramatik, ohne die Urheberrechte des amerikanischen Senders zu verletzen, visuell auf die BĂŒhne der RattenfĂ€nger-Halle zu bringen. Die sich selbststĂ€ndig zusammenbauenden Instrumente auf der Leinwand und das Titelthema harmonieren: Ta, da, tadadada, tadada. Gut umgesetzt sind die vom Cartoonisten mit intensiver Körnung ĂŒberzeichneten Hauptpersonen der Sippen Baratheon, Stark, Lennister oder Targaryen. Es sind zu viele, um sie einzeln zu benennen. Wappen (Wolf, Löwe, Hirsch, Drache) und Szenen (Hoher Spatz, Nachtkönig) lassen erahnen, welches Kapitel der Geschichte aufgeschlagen wird, diese Bilder bewegen die Erinnerungen des Publikums. Sich an den Songs zu orientieren, hilft dagegen nicht, denn die sind nicht chronologisch geordnet, sondern an die Charaktere angeheftet. Da rĂ€tselt sogar mancher Fan, wann und in welcher Staffel welcher Song vorkam. Wer aber diese Serie nie gesehen hat, laut Umfragen sind das nur wenige Zuschauer, lĂ€sst sich von der vielschichtigen Filmmusik packen.

Wunderbar wandelbar: Das Game of Thrones-Motiv

Mit dĂŒster klingenden Celli, klagenden Hörnern, emotionalen Geigen, gefĂŒhlvollem Gesang und archaischen Trommelwirbeln schreitet Dirigent Steve Ellery zur Tat. Er gibt den Takt vor fĂŒr die Musiker, die Elemente aus Folk, Oriental, Klassik und Mittelalter verwirbeln, um klassisch orchestral heute den MartinÂŽschen Kampf zwischen Gut und Böse, Liebe, Hass und Besessenheit widerzuspiegeln. Von HBO-geprĂ€gt klingt die Zustimmung des Publikums zu dieser opulenten Umsetzung, im ersten Teil des Programms, zumindest Beifall verhaltend. Sind es die kurzen StĂŒcke, die fĂŒr sich genommen, eigentlich nichts erzĂ€hlen und somit klanglich in die Irre fĂŒhren? Oder ist es die wandelbare Titelmelodie, die mal herausfordernd, mal liebevoll zart angespielt, immer wieder erklingt?

Nach der Pause wirkt das Programm ausgereifter, sei es den stimmgewaltigen SolokĂŒnstlern Justyna Ilinicka, Sopran, und Jaro Zawartko, Bass, oder den lĂ€ngeren StĂŒcken, wie dem etwa neunminĂŒtigen „Light Of The Seven“ aus der sechsten Staffel geschuldet. Und immer wieder stechen die drei Trommler hervor, die stilmĂ€ĂŸig wie NordmĂ€nner gekleidet, fĂŒr eine Klima-Mahnwache stehen. Denn der mit 12.500.000 Google-Suchergebnissen erfolgreichste Slogan der Serie lautet: „Der Winter naht“. FĂŒr 120 Minuten entfĂŒhren Cinema Festival Symphonics in fantastische Musikwelten, die sich dem Publikum in Hamelns mehr funktionale Sport- als Konzerthalle am besten bei geschlossenen Augen erschließen. Das Ambiente rechts und links des optisch zu klein geratenem Podiums, auf dem sich die Musiker drĂ€ngeln, lĂ€dt nicht zum Hinschauen ein. Ob es akustisch gesehen besser funktioniert als in Minden, sein dahingestellt, denn diese Veranstaltung wurde verlegt aus der Kampa-Halle, die zum Jahresende 2019 aus Bau- und BrandschutzgrĂŒnden fĂŒr immer geschlossen wurde, in die Hamelner RattenfĂ€nger-Halle.

Funfacts der TV-Serie:

  • Die meistgehasste Rolle: „GlĂŒckwunsch, alle hassen dich“. So soll der erste Satz eines Briefes von George R. R. Martin an Joffrey-Darsteller Jack Gleeson lauten.
  • Die tödlichste Staffel: In der Game-of-Thrones-Staffel 8 sterben 4.548 Personen. Insgesamt sind es geschĂ€tzt inklusive Statisten mehr als 150.000 Personen in allen Folgen.
  • Die fiktive Sprache: „Dohtraki“, von den WĂŒstenmenschen auf Westeros gesprochen, existiert nur im Buch. Die Sprache umfasst ungefĂ€hr 4000 Begriffe. „Khaleesi“ ist das bekannteste Wort, 2012 bekamen in den USA 160 Neugeborene diesen Namen.