Besuch auf vier Pfoten – Hündin Eni zaubert Heimbewohnern ein Lächeln ins Gesicht

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Besuch auf vier Pfoten_Eni
Beate Meyer (Leitung Haus 3) und eine Bewohnerin mit Hündin Eni. Foto: Brümmer

„Ja wo ist denn unser Hundi“, hallt aus dem Zimmer einer Bewohnerin der Julius-Tönebön-Stiftung Haus 3 an der Fischbecker Straße. Birgit Hunte und ihre zwei Jahre alte Australian-Shepherd-Hündin Eni besuchen jeden Donnerstag und manchmal auch freitags gemeinsam mit Alltagsbegleiterin Jutta Heiser viele Bewohner des Heims. Eni ist Teil des Projektes „Besuch auf vier Pfoten“ der Freiwilligen Agentur Hameln. Ehrenamtlich verbreitet sie an der Seite ihres Frauchens Freude und schenkt den älteren Menschen ein Stück ihrer Zeit.

Das Trio besucht die Bewohner in ihren Zimmern und verbringt dort einige Minuten. Es wird geredet und gestreichelt, aber vor allem wird gelächelt und vieles wird für den Moment besser. „Das ist schön. Es bringt Abwechslung in den Alltag und wir hatten selbst lange einen Hund“, berichtet eine Seniorin während sie Eni behutsam über den Kopf streichelt. „Über den Hund kommen wir dann ganz leicht ins Gespräch“, berichtet Birgit Hunte. Es wird über alte Zeiten geredet, den früheren Wohnort oder darüber, dass sie früher selbst Tiere hatten. Eni bricht das Eis zwischen der Ehrenamtlichen und dem jeweiligen Senior.

Die Reaktionen der Menschen sind ganz unterschiedlich. Eni wird mit freudigen Rufen, vorsichtigen Streicheleinheiten oder aber mit viel Dankbarkeit empfangen, doch ein Gefühl überwiegt immer: die Freude. „Du warst aber lange nicht mehr hier“, sagt eine Bewohnerin zu Eni, dabei ist der letzte Besuch erst eine Woche her. „Wenn sie eine Woche mal nicht da ist, wird sie auch vermisst. Sogar von Bewohnern, die an Demenz erkrankt sind. Tiere bewirken wirklich sehr viel“, erzählt Jutta Heiser von ihren Erfahrungen.

Nach der Begrüßung legt Eni sich oft einfach hin und verbreitet eine wärmende Ruhe auf die Bewohner. „Wenn sie da ist, ist es nicht so trostlos. Sie muss auch immer alles anhören was wir hier so quasseln“, sagt eine weitere Seniorin. Die Hündin ist tiefenentspannt und stets freundlich und ruhig zu allen Bewohnern. „Mit meinem anderen Hund könnte ich das hier nicht machen, aber Eni war einfach ein Glücksgriff“, so Birgit Hunte. Bevor das Trio ein Zimmer betritt fragt Jutta Heiser, ob die Person heute Besuch von Eni haben möchte, doch die meisten sagen nicht nein, sondern warten bereits gespannt.

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In ihrer Zeit während des Projekts hatten Heiser und Hunte einige eindrucksvolle Gänsehautmomente. Gerade Bewohner mit Demenz reagieren besonders auf die Hündin. Viele erzählen von früher oder sprechen mit Eni, obwohl sie sonst nicht viel sagen oder den Eindruck vermitteln, als wären sie mit ihrem Geist nicht anwesend. Sobald der Hund das Zimmer betritt wandelt sich dies und es entsteht eine ganz andere Atmosphäre. Auch Bewohner, die nur noch in ihrem Bett liegen können und bei denen die Pflegekräfte nicht wissen was sie noch mitbekommen, reagieren auf Eni. Sie werden ruhiger oder können die Hündin sogar streicheln. Diese besonderen Momente machen das Projekt aus und bestärken Birgit Hunte in ihrem Ehrenamt. Das Trio ist mit Herz und Seele bei der Sache und der Umgang mit den Bewohnern ist so herzlich, dass man sich selbst nur wünschen kann im hohen Alter ebenfalls Besuch von einem Hund empfangen zu können.

Das Projekt: Im Jahr 2004 rief Nadja Kunzmann von der Freiwilligen Agentur das Projekt „Besuch auf ‚vier Pfoten’“ ins Leben. Dabei statten Hundebesitzer gemeinsam mit ihrem tierischen Freund älteren Menschen in Alten- und Pflegeheimen einen Besuch ab. „Es sind aber auch Einzelbesuche möglich, wenn die Person beispielsweise bettlägerig ist“, erklärte Kunzmann bei einer Informationsveranstaltung im April 2017. Je nach Wunsch der verschiedenen Einrichtungen können diese Besuche dann auch regelmäßig stattfinden. Im Mittelpunkt stehen Spaß und Freud, für das Tier, die Senioren und auch für den Ehrenamtlichen.

„Um den Besuch mit Hund für alle Beteiligten so angenehm wie möglich zu machen, müssen einige Kleinigkeiten beachtet werden“, so Kunzmann. Die Ehrenamtlichen sollten ihr Tier immer an einer festen Leine halten, um die Verletzungsgefahr zu minimieren und den Hund besser im Blick zu haben. Nicht dass der Hund noch eine Tablette frisst oder ein Bewohner über ihn stolpert. Die Ehrenamtlichen sollen auch keine Zirkus-Show mit ihrem Vierbeiner zeigen, sondern einfach Zeit und Freude schenken.

Derzeit ist die Freiwilligen Agentur wieder auf der Suche nach Ehrenamtlichen für das Projekt „Besuch auf ‚vier Pfoten’“. Interessierte können sich bei Nadja Kunzmann unter 05151/576127 melden.

(lbr)