Baustellen-Probleme, Wechselbuden und Standbetreiber: Hinter den Kulissen des Hamelner Weihnachtsmarktes

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Unsere Redaktion hat hinter die Kulissen des Hamelner Weihnachtsmarktes geschaut. Fotos: Brümmer

Aus allen Richtungen erklingen Weihnachtslieder, die Lichter funkeln, verlockende Gerüche wecken den Hunger und auch der Glühwein darf nicht fehlen. Seit Montag, 26. November, ist der Hamelner Weihnachtsmarkt für das Jahr 2018 offiziell eröffnet. Rund 70 Stände bieten in diesem Jahr ihre Waren auf dem Markt rund um das Hochzeitshaus und die Marktkirche an. Vor der schönen Altstadtkulisse der Rattenfängerstadt schlendern zahlreiche Besucher jeden Tag zwischen den Buden entlang. Doch was für die einen ein Ausflug ist, ist für die anderen Arbeit. Unsere Redaktion hat mit Standbetreibern und der Stadt gesprochen, um alle Fragen rund um den Markt beantworten zu können.

Hinter dem Hamelner Weihnachtsmarkt steckt rund ein Jahr der Vorbereitung, getreu dem Motto nach dem Markt ist vor dem Markt. Das Ordnungsamt der Stadt Hameln und die Hamelner Marketing und Tourismus GmbH veranstalten das Event gemeinsam und arbeiten eng zusammen.

Seit wann gibt es den Hamelner Weihnachtsmarkt überhaupt?

Die Stadt hat in ihrem Archiv recherchiert und herausgefunden, dass es seit Jahrhunderten festgelegte Termine für beispielsweise Kram- und Viehmärkte gab. „Mindestens seit 1774 lag einer der Termine auf dem Dienstag nach dem zweiten Advent. Für das Ende des 19. Jahrhunderts gab es eine Festlegung für sechs Jahrmärkte; der Kram- und Viehmarkt nach dem zweiten Advent dauerte zweieinhalb Tage“, erklärt Janine Herrmann, Pressesprecherin der Stadt Hameln. Ab dem Jahr 1963 gibt es Hinweise in Zeitungen, dass es einen Weihnachtsmarkt in Hameln gegeben hat. Bereits damals fand die Veranstaltung auf dem Pferdemarkt statt.

An Spitzentagen 60.000 Besucher

Jahr für Jahr ist der Hamelner Weihnachtsmarkt gewachsen. Laut Zählungen der HMT tummeln sich rund um das Hochzeitshaus täglich im Schnitt 30.000 Besucher. An Spitzentagen können es auch mal 60.000 werden (Stand 2017). Mittlerweile hat der Markt montags bis donnerstags von 10 bis 20 Uhr geöffnet, freitags und samstags von 10 bis 22 Uhr und an Sonntagen sowie am 23. Dezember von 11 bis 19 Uhr.

Auch die Anzahl der Stände wächst, jedoch kontrolliert vom Veranstalter und mit System.

Bewerbungen bis zum 31. Dezember

Im Jahr 2018 sind es insgesamt 71 Stände. Davon bieten 46 Buden Speisen und Süßwaren an und 23 Stände ausgefallenes Kunsthandwerk. Auch das Bewerbungsverfahren hat sich über die Jahre eingespielt: „Anträge auf Zulassung zum Weihnachtsmarkt müssen spätestens bis zum 31. Dezember des Vorjahres bei der Stadt Hameln eingegangen sein. Später eingehende Anträge werden nicht berücksichtigt, es sei denn, dass für die zu vergebenden Standplätze nicht genügend Bewerbungen eingegangen sind“, so Herrmann. Die Standbetreiber müssen die Maße ihrer Hütte angeben und natürlich ihr Sortiment beschreiben. „Darüber hinaus sind auf Anforderung der Stadt ergänzende Unterlagen und Angaben wie z.B. Fotos des Standes sowie eine Beschreibung oder Fotos der Produkte, die angeboten werden sollen, beizufügen“, ergänzt die Pressesprecherin. Auf regionale Produkte werde weniger geachtet, ausschlaggebend seien vor allem das Angebot und die Mischung insgesamt. In diesem Jahr gibt es mehr Kunsthandwerk auf dem Markt zu sehen, ein wichtiger Bestandteil seien dabei die Wechselbuden.

Standgebühren: Wechselbuden ideal für Kunsthandwerker

Ein Stand auf dem Hamelner Weihnachtsmarkt ist nicht gerade günstig. Das Standgeld orientiert sich nach dem Sortiment des jeweiligen Standes und der Größe. So müssen Standbetreiber mit Speisen oder Getränken tiefer in die Tasche langen als Kunsthandwerker. Dieses System ist gerecht, denn Kunsthandwerker erzielen nicht den Umsatz, der mit Essen und Getränken gemacht wird. Doch viele Kunsthandwerker können es sich nicht leisten, den gesamten Zeitraum einen Stand auf dem Markt zu haben. Dafür hat sich die Stadt Hameln etwas einfallen lassen: die Wechselbuden. Die Hütte wird von der Stadt gestellt und die Beschicker wechseln beispielsweise wöchentlich. Ein Beispiel ist der Stand von Ellen Schaper. Sie vertreibt selbst genähte Lieblingsstücke in einer Wechselhütte. „Durch die Wechselbuden habe ich erst die Möglichkeit auf dem Hamelner Weihnachtsmarkt zu stehen“, berichtet sie. Zum einen wäre ihr die Standmiete für vier Wochen zu viel und zum anderen, könne sie gar nicht so viel Ware vorproduzieren. Außerdem wäre auch die Zeit ein Problem.

Durch die Wechselbuden haben kleinere Kunsthandwerker die Möglichkeit ihre Waren zu präsentieren und die Besucher des Marktes zu erfreuen. Und gerade die Vielfalt an Produkten macht einen guten Weihnachtsmarkt aus. Insgesamt drei Wechselbuden gibt es in diesem Jahr.

Schwierig einen Platz zu bekommen

Wer erstmal einen Standplatz bekommen hat, möchte ihn auch nicht gerne wieder hergeben. Heinrich von Heide ist mit seinem Fruchtwein-Stand bereits seit fünf Jahren ein fester Bestandteil des Marktes. Er weiß wie schwer es ist einen Platz zu bekommen. „Man muss sich von der Masse abheben und etwas Spezielles anbieten um bestehen zu können“, erklärt er. Von Heide bereitet seinen Wein selbst zu und punktet bei den Kunden mit Qualität. Neben Fruchtwein mit oder ohne Schuss bietet er auch Feuerzangenbowle, Honiglikör, heißen Holunder und Glühmet an. Das hebt ihn von der Masse ab. Zwar gibt es auch ein doppeltes Angebot, beispielsweise an Pizza, Crêpe oder Bratwurst, doch dies ist gewollt, da der Ansturm auf eine Bude sonst zu groß wäre.

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Die Arbeit macht von Heide Spaß und bisher habe er überwiegend Positives erlebt. Die Zusammensetzung der Stände habe sich immer mal wieder verändert, doch der Markt sei sich treu geblieben. „Und wenn mal etwas nicht so läuft, dann korrigiert das Ordnungsamt“, ergänzt er. Gerade das Nachbarschaftsgefühl unter den Beschickern selbst sei toll. „Man versteht sich untereinander und das macht Spaß“, sagt er abschließend.

Wer macht eigentlich die Preise?

Dass sich die Standbetreiber untereinander verstehen, zeigt auch die Preisstruktur des Hamelner Marktes. Die Preise sind sich ähnlich und die Beschicker bestimmen das Niveau. „Das ist alles Sache der Standbetreiber, die sind dafür auch verantwortlich“, erklärt Janine Herrmann von der Stadt.

Verlängerung bis zum 31. Dezember?

Für dieses Jahr ist eine Verlängerung des Marktes bis Ende des Jahres ausgeschlossen, doch für 2019 wird darüber nachgedacht. Das sagt die Stadt: „Aus Sicht der Stadt spricht für eine Verlängerung, dass die HMT von einer Attraktivitätssteigerung der Stadt ausgeht. Nach Einschätzung der HMT und uns, ist zu erwarten, dass die Umsätze der Gewerbetreibenden (Geschäfte, Händler, Gastronomie) im Stadtbereich positiv beeinflusst würden.

Es ist aber nicht zu verkennen, dass es auch Einschätzungen gibt, die gegen eine Verlängerung sprechen. Daher wird im Januar ein Beteiligungsverfahren durchgeführt.“

Problem Baustelle: Wie eine Fernwärmeleitung für Trubel sorgt

Zuerst war da ein rund fünf Quadratmeter großes Loch, welches seit Donnerstag, 22. November, für Aufregung sorgte. Vor dem Hochzeitshaus, zwischen den Buden auf der Ritterstraße klaffte eine Baugrube, die mit den Tagen auch noch erweitert wurde, da eine Fernwärmeleitung erneuert werden musste.

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Bauarbeiten sorgten auf dem Weihnachtsmarkt für Behinderungen.

Circa 20 Mitarbeiter arbeiteten rund um die Uhr im Drei-Schichtbetrieb an der Baustelle, um die neue Leitung schnellstmöglich in die Erde zu bringen. Durch die Bauarbeiten waren die Besucher und auch einige Standbetreiber etwas eingeschränkt, da manche Buden kaum zu erreichen waren. Dennoch stand für den Fernwärmebetreiber Enertec die Versorgung ihrer Kunden im Vordergrund. „Wir müssen gerade in der kalten Jahreszeit die Versorgung sicherstellen, auch wenn die Situation für den Markt alles andere als schön war“, erklärt Kai Gnuschke, Leiter der Fernwärme in Hameln.

Zum Start des Wochenendbetriebes sollten die Bauarbeiten abgeschlossen sein, damit es in Hameln dann richtig losgehen kann und der Fokus der Besucher auf dem Weihnachtsmarkt und nicht auf einer störenden Baustelle liegt. Als Entschädigung für die Standbetreiber verteilte Enertec Gutscheine.

Weitere Märkte in der Region:

Bad Pyrmont – 29. November bis 23. Dezember
Emmerthal – 7. bis 9. Dezember
Hemmendorf – 1. Dezember
Weibeck – 1. Dezember
Lügde – 15. bis 16. Dezember
Bisperode – 1. Dezember
Groß Berkel – 1. bis 2. Dezember
Aerzen – 8. bis 9. Dezember

(lbr)