Mit dieser Lösung ist keiner so recht zufrieden und gefĂ€hrlich ist die Situation am Knotenpunkt Scharnhorststraße/Ecke 164er Ring fĂŒr alle Verkehrsteilnehmer auch, wie die Neue Woche vor Ort feststellen konnte. Seit die Scharnhorststraße 2017 zur Fahrradstraße umgewidmet wurde, können an den Kreuzungspunkten zu Zeiten im Minutentakt VerstĂ¶ĂŸe gegen die Straßenverkehrsordnung beobachten werden. UnfĂ€lle sind nicht bekannt, darĂŒber wundern sich nicht nur Fahrlehrer.

Mehr Wege fĂŒr Radfahrer

Hameln möchte Modellstadt fĂŒr Radfahrende werden. DafĂŒr sollen in den kommenden Jahren zwei weitere Fahrradstraßen eingerichtet werden, denn nur, wenn die Infrastruktur fĂŒr Velofahrer stimmt, steigen die Menschen aufs Rad um. Geplant ist, inklusive der bereits eingerichteten Scharnhorststraße, ein Schnellweg fĂŒr Radler vom Bahnhof zur Altstadt, sowie vom Bahnhof zum Schulzentrum Nord. Vorgestellt wurden die PlĂ€ne im Januar bei einer Pressekonferenz zum Thema Fahrradparken. Dabei gilt das besondere Augenmerk der Stadt den Nadelöhren an den Kreuzungsbereichen, denn sie seien eine Hauptaufgabe, die es in den nĂ€chsten Jahren anzugehen gilt, so Ă€ußerte sich OB Griese. Doch mit Schildern alleine gelingt eine Lösung fĂŒr sich kreuzende Wege nicht, wie unser Beispiel zeigt.

Ein Ortstermin an Hamelns spannungsreichster Wegkreuzung

Am Dienstag um 13.30 Uhr brummt der Verkehr an der Kreuzung Scharnhorststraße/Ecke 164er Ring. Radfahrer flitzen quer ĂŒber den FußgĂ€ngerĂŒberweg Richtung Fahrradstraße, PKW-Fahrer ĂŒberfahren Haltelinien, Passanten erschrecken sich auf dem FußgĂ€ngerĂŒberweg, weil ein Autofahrer plötzlich bremst. UnfĂ€lle passieren in unseren 15 Beobachtungsminuten nicht, denn irgendwie arrangieren sich alle Verkehrsteilnehmer und passen extrem gut auf. Auch wenn sie sich, trotz reichlicher Beschilderung, nicht korrekt verhalten. Zwei Fahrschulen passieren diesen T-Kreuzungsbereich mit mehr als 20 Schildern und einer unĂŒbersichtlichen Situation, die eine schnelle Analyse von allen Verkehrsteilnehmer fordert. Allein die Vorfahrtsfrage ĂŒberfordert Passanten, Radfahrer und Autofahrer.

Heiko Murr: „Wir sind hier im Bereich Zone 30, wo wir auch noch eine angelegte Fahrradstraße haben, viele Kraftfahrer wissen gar nicht, was eine Fahrradstraße bedeutet. Dazu kommt, dass wir zwar Verkehrszeichen haben, die die Kreuzung positiv und negativ regeln, doch die Verkehrszeichen fallen etwas zu klein aus und viele Kraftfahrer sind hier an der Kreuzung ĂŒberfordert“

Rechts vor links gilt hier nur eingeschrĂ€nkt, dafĂŒr sind zu beachten: Die Vorrechte der Fahrradstraße, die nachrangige Vorfahrtsregelung fĂŒr den 164er Ring, der FußgĂ€ngerĂŒberweg knapp hinter dem Kreuzungsbereich, die 30er-Zonen, die kreuzenden Radler und Passanten. Heiko Murr von der Fahrschule Fahr-Werk kennt die Probleme seiner FahrschĂŒler gut. Wer an der Haltelinie eines Stoppschildes nicht anhĂ€lt, fĂ€llt durch die FahrprĂŒfung. Wer aber einen FĂŒhrerschein hat und nicht stoppt, zahlt laut Bußgeldkatalog 10 Euro, mit GefĂ€hrdung eines Menschen 70 Euro, ein Punkt wird auch fĂ€llig.

UnglĂŒcklich gelöst: Der FußgĂ€ngerĂŒberweg

Die Haltelinien an diesem Knotenpunkt werden nach eigenen Beobachtungen von vielen Pkw-Fahrer nicht wahrgenommen. DafĂŒr kommt es zu gefĂ€hrlichen Situationen, wenn Passanten den FußgĂ€ngerĂŒberweg betreten, wĂ€hrend geradeaus fahrende Pkw-Fahrer auf dem 164er Ring im Spurt ĂŒber die Kreuzung abrupt abbremsen mĂŒssen. Dazu kommt: Wer Rad fahrend einen FußgĂ€ngerĂŒberweg quert, hat keinen Vorrang. Laut Murr eine kritische Situation, die durch eine Verlegung des Übergangs gelöst werden könnte. FĂŒr den querenden Radverkehr dagegen gelte, deren Vorfahrtsschilder seien einfach zu klein fĂŒr die mit bevorrechtigten Autofahrer. Wenn die Pkw stoppen, statt durchzufahren, entstehen unsichere Situationen.

Wenn jeder aufpasst, ist jedem geholfen

Schilder alleine lösen das Problem unĂŒbersichtlicher Kreuzungslagen nicht. Die von vielen Verkehrsteilnehmern praktizierte RĂŒcksichtnahme und ein vorsichtiges Verhalten schon. Seit 2017 jedenfalls hat die Polizei in diesem Kreuzungsbereich keine VerkehrsunfĂ€lle verzeichnet. Noch ist die Zahl der Radfahrer, die die Fahrradstraße nutzen, ĂŒberschaubar. Bleibt es so, gelingen die PlĂ€ne der Stadt nicht. Steigt die Zahl der Radfahrer, mĂŒssen diese Knotenpunkte neu ĂŒberdacht werden.

Das Fahrradstraßenschild am 164er Ring
Erst 2017 aufgemalt: Das Fahrradstraßenschild am 164er Ring (Foto: Laube)

 

Die VerstĂ¶ĂŸe gegen die Straßenverkehrsordnung

  • Die VerstĂ¶ĂŸe innerhalb von 15 Minuten und ihre Folgen:
  • Überfahren des Stoppschildes mit Haltelinie: hĂ€ufig – 10 Euro Bußgeld
  • Missachten der Vorfahrt mit Behinderung: hĂ€ufig – 25 Euro
  • Missachten der Vorfahrt mit GefĂ€hrdung: drei FĂ€lle – 70 Euro, 1 Punkt
  • Telefonieren wĂ€hrend der Fahrt – Fahrrad:  ein Fall – 55 Euro
  • Telefonieren wĂ€hrend der Fahrt – Pkw:  ein Fall – 100 Euro, 1 Punkt
  • An den Zebrastreifen zu schnell herangefahren, obwohl ein FußgĂ€nger diesen nutzen wollte: Ein Fall – 80 Euro, 1 Punkt