Eltern gefährden Kinder: Täglich gefährliche Situationen vor Grundschulen

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Achtung Schulweg Grundschulen Verkehr
Das Verkehrschaos vor Grundschulen ist enorm. Foto: Brümmer

Viele Eltern scheinen unbelehrbar

Kurz vor der ersten Schulstunde beginnt das Chaos vor den Grundschulen; Busse, Fahrräder, Fußgänger und Autos treffen aufeinander. Das kann gerade für Grundschüler gefährlich werden. Fast täglich entstehen sehr gefährliche Situationen vor den Hamelner Grundschulen und fast keine ist davon nicht betroffen. Oftmals blockieren Eltern nicht nur mit ihren Autos Bushaltestellen, Einfahrten oder Lehrerparkplätze, sondern bringen ihr eigenes Kind und andere Kinder in Gefahr. „Eltern halten auf der anderen Straßenseite, Kinder rennen im Halbdunklen über die Straße oder steigen auf der befahrenen Seite aus. Das geht gar nicht“, beschreibt Andreas Hinz, Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden den Alltag vor den Grundschulen in der Rattenfängerstadt.

Vor der Basbergschule war es vor rund zehn Jahren so schlimm, dass der Bus nicht zur Haltestelle kam. Aus diesen Grund wurde dort eine Einbahnstraßenregelung getroffen. „Das hat die Lage schon verbessert, aber es kommt dennoch immer wieder zu gefährlichen Situationen“, sagt Hariet Oetke-Böhm, Rektorin der Basbergschule. Auch an der Grundschule in Rohrsen war die Lage angespannt. „Die aussteigenden Kinder sind häufig nur schlecht sichtbar und laufen dann quer über die Straße. Oft standen mehrere Autos im Wendehammer vor der Schule und die Eltern ließen ihre Kinder in aller Ruhe aussteigen, holten den Ranzen aus dem Kofferraum und fuhren dann ohne zu Blinken einfach los. Der Bus musste dadurch oft warten oder hupen. Zeitweise war auch die Polizei vor Ort, beobachtete die Situation und führte Gespräche mit den Fahrern“, beschreibt Birgit Albrecht, Rektorin der Grundschule Hameln-Rohrsen. Seit circa zwei Wochen gibt es nun vor der Schule in Rohrsen ein absolutes Halteverbot. Dies würde zur Zeit helfen.

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Es gab bereits Unfälle und immer wieder kritische Situationen, daher versuchen Polizei und Schule dem entgegenzuwirken und motivieren die Kinder mit Aktionen und Projekten zu Fuß ihren Schulweg zu absolvieren. „Wir verteilen jedes Jahr zu Beginn des Schuljahres zahlreiche Flyer und suchen das Gespräch mit den Eltern. Wir sprühen die gelben Füße, die den sicheren Weg zur Schule markieren und sind auf Elternabenden vertreten. Wir bleiben am Ball und lassen nicht locker, doch viele Eltern merken nicht, dass sie die Gefahr produzieren“, sagt Hinz. Die Sicherheit des eigenen Kindes würde immer vorgehen, doch dass dabei alle anderen gefährdet werden, würden sie nicht sehen. Auch die Schule nimmt sich diesem Problem an und will mit Aktionen gegensteuern „Wir haben im November 2017 zum zweiten Mal die Aktion ‚Die Fußgänger-Profis – Zu Fuß zur Schule‘ gestartet, um den vielen Autos entgegenzuwirken. Durch diese Motivation und die anstehende Belohnung für das Sammeln vieler „Gelber Füße“ innerhalb der Klasse, sind sehr viele Kinder auch in diesem Winter mit einer gelben Sicherheitsweste bekleidet zu Fuß aus dem Hottenbergsfeld oder dem Wohngebiet Kuckuck/ Rohrser Warte in die Schule gekommen“, berichtet Albrecht. Zur Belohnung folgte dann am Montag, 5. Februar, ein Besuch im Kino für die Schüler. Auch die Basbergschule hat diese Aktion bereits mehrmals durchgeführt und auch dort waren die Kinder sehr motiviert und sammelten fleißig Füße und Urkunden, doch leider hält diese Situation nie sehr lange an. Gerade an regnerischen Tagen sei es besonders schlimm vor der Schule, berichtet die Rektorin.

Eine weitere Möglichkeit, die Andreas Hinz sehr lobt, ist der „Walking bus“. „Hierbei holen mehrere Eltern die Kinder entweder an einem Ort, wie an einer Bushaltestelle, ab oder sammeln die Schüler im Laufe ihres Weges ein und bringen sie bis zur Schule“, erklärt der Verkehrsberater die Aktion. Einige Eltern aus dem Hottenbergsfeld organisieren diesen zur Grundschule Rohrsen und das findet auch Birgit Albrecht ganz toll. Auch Eltern die ihre Kinder zu Fuß oder mit Rad zur Schule begleiten und sich an alle Verkehrsregeln halten sind großartige Vorbilder, von denen es leider noch zu wenig gebe.

Auch das richtige Aussteigen aus den Elterntaxis ist sehr wichtig. „Das fängt schon bei der Fahrt an. Kinder müssen auf einem Kindersitz sitzen und immer angeschnallt sein. Auch das ist leider immer noch nicht selbstverständlich“, sagt Hinz mit Nachdruck. Zudem sollte immer zum Gehweg gehalten werden oder die Kinder bestenfalls mehrere Meter vor der Schule an einer sicheren Stelle raus gelassen werden. „Außerdem sollten Kinder nicht alleine aussteigen, da sie ein viel eingeschränkteres Sichtfeld durch ihre Größe haben“, erklärt der Experte.

Sollte sich die Lage weiter verschlimmern könnten Bannmeilen helfen. Dieses System wird bereits in anderen Städten verwendet, um ein Verkehrschaos vor den Schulen zu verhindern. In Hannover ist vor einigen Schulen das Ein- und Aussteigen in den Stoßzeiten nur noch einige hunderte Meter von dem Eingang entfernt erlaubt. Hinz hält dieses System der Bannmeilen ebenfalls für sinnvoll.