Erneut Anrufe von falschen Polizeibeamten – Betrüger hauen Ehepaar übers Ohr

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Telefonhörer
Symbolbild. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archiv

Mehrere Bürger im Landkreis Hameln-Pyrmont erhielten am Mittwoch, 8. August, Anrufe von angeblichen Polizeibeamten. In einem Fall waren die Betrüger leider erfolgreich.

Angerufen wurden insbesondere alleinstehende Bürgerinnen im Bereich Hameln (bislang 29 registrierte Anrufe), aus deren Vornamen man meist entnehmen könnte, dass die Anschlussinhaber bereits ein fortgeschrittenes Alter erreicht haben.

Die meisten Angerufenen waren aufgrund der zurückliegenden Warnhinweise der Polizei vorgewarnt, wurden skeptisch und legten schließlich auf, ohne das die Betrüger einen Erfolg für sich verbuchen konnten.

In einem Fall waren die Kriminellen jedoch erfolgreich. Zwischen 18 und 18.30 Uhr wurde ein Ehepaar (81 und 85) am Ortsrand von Unsen von einem angeblichen Oberkommissar Thomas Wagner angerufen. Dieser soll erklärt haben, dass man eine Einbrecherbande festgenommen habe, man die Einbrecher jedoch wieder laufen lassen müsse. Man wolle jetzt der Bande eine Falle stellen und benötige dazu die Mithilfe der Bürger.

Das Ehepaar gab der echten Polizei gegenüber an, dass sie gebeten worden seien, sämtliches Bargeld, Schmuck- und Wertgegenstände sowie Sparbücher in einen Beutel zu verstauen und auf weitere Anweisungen zu warten. Das Ehepaar habe dem Anrufer geglaubt und die Polizei wie aufgefordert bei der Festnahme der Diebesbande unterstützen wollen. Daher hätten sie den gefüllten Beutel nach einer weiteren telefonischen Aufforderung an einer zuvor festgelegten Stelle im Nahbereich ihres Hauses ablegt. Als bei den Senioren Zweifel aufgekommen seien, habe sich am Telefon ein angeblicher Staatsanwalt Dr. Lorenz gemeldet, der das angedachte Vorhaben unterstütze und nochmals den Plan der Polizei erklärt habe. Die Zweifel seien dadurch zunächst in den Hintergrund getreten.

Leider zu spät bemerkte das Ehepaar, dass sie einer Betrügerbande aufgesessen sind. Die Kriminellen waren bereits unerkannt mit dem deponierten Beutel verschwunden.

Erst eine halbe Stunde später wurde die echte Polizei verständigt und erhielt Kenntnis vom Betrugsfall. Streifenwagen fahndeten nach möglichen Tätern, konnten aber weder verdächtige Personen noch Fahrzeuge antreffen. Der Beutel mit dem Geld, Schmuck und Sparbüchern blieb verschwunden. Der Schaden ist nach Angaben der Polizei beträchtlich.

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In der Vergangenheit registrierte die Polizei im Weserbergland mehrfach solche Anrufwellen und warnte über Presseveröffentlichungen, über soziale Netzwerke und in Beratungsgesprächen die Bevölkerung. Außerdem wurden insbesondere Mitarbeiter ambulanter Pflegedienste und Bankangestellte zu diesem Thema sensibilisiert.

Damit die Trickbetrüger auch weiterhin wenige Erfolge für sich verbuchen können, gibt die Polizei nochmals nachfolgende dringende Ratschläge:

  • Geben Sie niemals telefonisch persönliche Daten an Unbekannte weiter, auch nicht, wenn diese sich als Polizeibeamte ausgeben
  • Polizeibeamte, oder auch Bankangestellte, werden Sie am Telefon niemals von ihren persönlichen Vermögensverhältnissen, Bankdaten oder sonstigen sensiblen Daten befragen
  • Übergeben Sie Unbekannten niemals Geld oder Wertsachen. Auch nicht, wenn diese sich als Boten oder angebliche Polizeibeamte ausgeben, Die Polizei wird Sie niemals auffordern, Bargeld von der Bank abzuheben und für ihre Ermittlungen zu übergeben
  • Gibt sich der Anrufer als Polizeibeamter aus, lassen Sie sich dessen Namen geben und rufen Sie Ihre örtliche Polizeidienststelle unter der Ihnen bekannten oder im Telefonbuch verzeichneten Telefonnummer an und erkundigen Sie sich, ob dieser dort auch arbeitet und wie er erreichbar ist (wichtig: unterbrechen Sie vor diesem Anruf die vorherige Verbindung)
  • Rufen Sie in diesem Zusammenhang niemals die möglicherweise in Ihrem Telefondisplay hinterlegte Nummer des Anrufers zurück oder nutzen gar die Rückruffunktion
  • Beachten Sie: die Polizei ruft Sie nie über die Nummer 110 an! Öffnen Sie unbekannten Personen nicht allein die Tür oder lassen Sie sie gar in Ihre Wohnung. Ziehen Sie nach Möglichkeit eine weitere Vertrauensperson hinzu
  • Bleiben Sie misstrauisch. Bei Zweifeln kontaktieren Sie umgehend Ihre örtliche Polizei oder wählen Sie den Notruf 110!
  • Wichtig: geben Sie die Hinweise auch an Angehörige oder Nachbarn weiter, von denen Sie wissen, dass diese die Medienberichterstattung nicht so intensiv verfolgen und die von dieser Betrugsmasche nichts erfahren würden.

(red)