Ein Defizit von rund 8,86 Millionen Euro – so sieht es in der Abteilung Kindertagesbetreuung der Stadt Hameln im Jahr 2018 aus. In Hameln werden so viele Kinder geboren wie noch nie zuvor. Das ist eigentlich eine sehr positive Nachricht, doch die hohe Geburtenrate bringt auch einige Probleme mit sich. Denn die große Anzahl der Kinder muss frĂŒher oder spĂ€ter auch betreut werden.

Immer mehr Eltern haben nicht die Möglichkeit, dass ein Teil zuhause bleibt, sondern viele gehen so frĂŒh wie möglich wieder zurĂŒck in den Job. Das stellt die Hamelner Verwaltung vor einige Probleme, nicht nur das mehr Kita-PlĂ€tze geschaffen werden mĂŒssen, auch die Nachmittagsbetreuung und die Nachfrage an KrippenplĂ€tzen ist in den vergangen Jahren gestiegen. Auch fĂŒr die Zukunft sieht es nicht besser aus und das Defizit im Bereich der Kindertagesbetreuung wird weiter steigen. Nun wollen Stadt und Politik gegensteuern und haben in der jĂŒngsten Sitzung des Hamelner Rates eine GebĂŒhrenerhöhung beschlossen.

Beitragsstaffel in Tageseinrichtungen und Kindertagespflege

Die Erhöhungen betreffen die Inanspruchnahme von Tageseinrichtungen und Kindertagespflege sowie die Betreuung im Hort und in der Nachmittagsbetreuung von GrundschĂŒlern. Die Politik einigte sich im Bereich Kita und Tageseinrichtung auf eine Staffelung der BeitrĂ€ge je nach dem Jahreseinkommen der Eltern. Es gibt ab Januar 2020 dann fĂŒnf verschiedene Stufen, getreu dem Motto „je höher das Einkommen, desto höher der Beitrag“. Eltern mit einem Jahreseinkommen von 0 bis 32.500 Euro im Jahr zahlen somit weiterhin 22 Euro Monatsbeitrag. Bis zu einem Einkommen von 40.000 Euro sind es dann 26 Euro. Die letzte Stufe 5 richtet sich an Eltern mit einem Jahreseinkommen ab 55.000 Euro. Sie zahlen dann 49 Euro.

Auch die GebĂŒhren von Hort und Nachmittagsbetreuung steigen

„Um den steigenden Personal- und Sachkosten Rechnung zu tragen, wird im Bereich Hort und Nachmittagsbetreuung eine GebĂŒhrenerhöhung vorgeschlagen“, heißt es in der Vorlage der Verwaltung. In Hameln gibt es 56 HortplĂ€tze. Die Stadt Hameln betreibt einen eigenen Hort an der Domeierstraße und in der AWO Kita am Bertholdsweg gibt es weitere PlĂ€tze. Eine vierstĂŒndige Betreuung kostet aktuell 81 Euro. Ab dem 1. Januar 2020 steigt der Beitrag auf 101 Euro.

In der Nachmittagsbetreuung sieht es Àhnlich aus. Es gibt rund 370 PlÀtze an zehn verschiedenen Standorten in der RattenfÀngerstadt. Die Betreuungszeit betrÀgt 3,5 Stunden und kostet die Eltern aktuell 62 Euro im Monat. Dies wird mit dem neuen Beschluss auf 77 Euro erhöht. Dadurch generiert die Stadt Mehreinnahmen von 66.600 Euro.

Im Landkreis-Vergleich noch immer gĂŒnstig

Die Vorlage wurde mit einer großen Mehrheit im Rat beschlossen. Christian Kreich von der SPD sagte, dass diese Erhöhung im Rahmen sei und keine Existenzen gefĂ€hrde. Herbert Habenicht von der FDP-Fraktion verwies auf die hohen Personalkosten, die diese Anpassung rechtfertigen wĂŒrden. Die GrĂŒnen und die Linke stimmten gegen die GebĂŒhrenerhöhung. „In keinem Bereich werden GebĂŒhren so radikal erhöht wie in diesem Bereich“, sagte Anett Dreisvogt (GrĂŒne) und forderte eine moderate Erhöhung in kleineren Schritten.

Die Verwaltung berichtet, dass es die erste Erhöhung seit August 2013 sei und die Stadt Hameln im Vergleich zu anderen Gemeinden im Landkreis immer noch „gĂŒnstig“ sei. So zahlen Eltern im Landkreis Hameln-Pyrmont im Durchschnitt 28,03 Euro fĂŒr eine Stunde Betreuungszeit im Monatssatz. Die neuen GebĂŒhren sollen zum 1. Januar 2020 in Kraft treten. (lbr)