Aufgrund einer positiv auf das Geflügelpestvirus getesteten Graugans im Landkreis Schaumburg, an der unmittelbaren Grenze zum Landkreis Hameln-Pyrmont, ist ab sofort sämtliches im Landkreis Hameln-Pyrmont gehaltenes Geflügel (Hühner, Truthühner, Perlhühner, Rebhühner, Fasane, Laufvögel, Wachteln, Enten und Gänse) ausschließlich in geschlossenen Ställen oder unter einer Vorrichtung, die aus einer überstehenden, nach oben gegen Einträge gesicherten dichten Abdeckung und mit einer gegen das Eindringen von Wildvögeln gesicherten Seitenbegrenzung bestehen muss (Schutzvorrichtung), zu halten. Netze oder Gitter zur Vermeidung des Kontaktes zu Wildvögeln können genutzt werden, wenn sie als Abdeckung nach oben eine Maschenweite von nicht mehr als 25 mm aufweisen.

Eine vom Landkreis Hameln-Pyrmont durchgeführte Risikobewertung ergab, dass das Risiko für eine Einschleppung der hochansteckenden Tierseuche in das Kreisgebiet hoch ist. Im gesamten Landkreis ist ein vermehrtes Auftreten von Zugvögeln zu beobachten.

Es liegen zudem mehrere Nachweise aus weiteren, nicht weit vom Landkreis Hameln-Pyrmont entfernten Landkreisen (Region Hannover, Minden-Lübbecke, Nienburg, Herford, Bielefeld, Paderborn, Diepholz, Braunschweig und Celle) vor. Hier waren sowohl gewerbliche Nutzgeflügelbestände sowie Wildvögel betroffen.

Nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) ist eine neue Dynamik des Ausbruchsgeschehens im März durch den Frühjahrsvogelzug zu erwarten. Allein in Niedersachsen gab es im März schon zahlreiche Ausbrüche der Geflügelpest in geflügelhaltenden Betrieben. Ein Eintrag des Virus durch Wildvögel wird vermutet.

Symptomlos infizierte Wildvögel bzw. solche, die sich in der Inkubationszeit befinden, sind mobile Virusträger, die das Virus weiterverbreiten können. Das Risiko weiterer Einträge in deutsche Geflügelhaltungen und Vogelbestände in zoologischen Einrichtungen durch direkte und indirekte Kontakte zu Wildvögeln wird vom FLI in der aktuellen Risikoeinschätzung vom 22.02.2021 als hoch eingeschätzt.

Geflügel aus Freilandhaltung besonders gefährdet
Es ist nicht auszuschließen, dass die im Landkreis Hameln-Pyrmont umherziehenden Wildvögel mit hochpathogenem Influenzavirus infiziert sind. Das Risiko eines Eintrages von HPAI H5 in einen Hausgeflügelbestand besteht aufgrund der umherziehenden Wildvögel im gesamten Landkreis. Geflügel, das im Freiland gehalten wird, ist besonders gefährdet. Die Feststellung der Geflügelpest auch in einer Kleinsthaltung (Hobbyhaltung, Rassegeflügelhaltung) hätte durch die Einrichtung der Restriktionszonen (Sperrbezirk, Beobachtungsgebiet) erhebliche Einschränkungen bei der Vermarktung von Wirtschaftsgeflügel zur Folge.

Der Landkreis Hameln-Pyrmont ordnet daher die Aufstallung sämtlichen Geflügels im Kreisgebiet an. Ziel muss sein, direkte und indirekte Kontaktmöglichkeiten zwischen Geflügel und wilden Wasservögeln und natürlichen Gewässern auszuschließen. Eine Aufhebung der Maßnahme ist möglich, sobald das Infektionsgeschehen bei Wildvögeln sowie Hausgeflügel rückläufig ist.

Die hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI, Geflügelpest) ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Die Bekämpfung wird nach der Geflügelpestverordnung und nach EU-Recht durchgeführt. Bei einem Anstieg von Geflügelverlusten oder deutlichen Veränderungen in der Legeleistung oder Gewichtszunahme im Geflügelbestand sind unverzüglich Abklärungsuntersuchungen durch einen Tierarzt durchzuführen.

Das GeflĂĽgelpestvirus wurde auf einer wild lebenden Graugans gefunden.
Foto: Symbol

 

Geflügelhalter sind angehalten die Biosicherheitsmaßnahmen ggf. zu optimieren und strikt einzuhalten. Kontakte zwischen Geflügel und Wildvögeln müssen vermieden werden. Bei einem Fund von toten Wildvögeln, insbesondere Enten und Gänse, sollte dies dem zuständigen Veterinäramt gemeldet werden.

Ăśbergang auf den Menschen sehr unwahrscheinlich
Eine Ansteckung von Menschen kann nach derzeitigem Kenntnisstand bei intensiven direkten Kontakt zum infizierten Geflügel vorkommen. Insgesamt ist das Risiko jedoch auch als sehr gering einzuschätzen.

Aktuelle Informationen zur aviären Influenza können auf folgender Internetseite eingesehen werden: http://www.tierseucheninfo.niedersachsen.de/startseite/

Eine Kontaktaufnahme mit dem Veterinäramt des Landkreises Hameln-Pyrmont ist unter 05151/9032514 oder mit  Frau Dr. Himmelsbach unter  05151/9032522 möglich.