Gestaltungsrichtlinien für die Fußgängerzone: Nötig oder übertrieben?

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Fußgängerzone Hameln
In der Fußgängerzone gelten detaillierte Gestaltungsrichtlinien für die Geschäftsleute. Foto: Brümmer

Gleiche Schilder, gleiche Stühle, gleiche Schirme

Eine Fußgängerzone lebt vom bunten Treiben, abwechslungsreichen Geschäften, zahlreichen Besuchern und tollen Aktionen. Doch zwischen blinkenden Schildern, grellen Farben, Straßenmusik und Warenauslagen vor den Geschäften kann es auch schnell zu einer Reizüberflutung kommen. Ein Mittelmaß muss her: Doch was dürfen Geschäftsleute vor ihren Läden machen und was nicht? Um dieses Thema genau zu regeln gibt es von der Stadt Hameln sogenannte „Gestaltungsrichtlinien für Sondernutzungen in der Fußgängerzone“. Diese gelten in den Bereichen Osterstraße, Bäckerstraße, Am Markt, in Teilen der Emmernstraße und am Pferdemarkt vor der Galerie. Die Richtlinien ergeben sich aus einem Ratsbeschluss der Hamelner Politik.

Keine Schonfrist für neue Geschäfte

Richtlinien sind wichtig und richtig, damit nicht jeder Ladenbesitzer vor seinem Geschäft machen kann was er möchte und beispielsweise für den Lieferverkehr oder Fluchtwege Platz ist, aber gerade neue Geschäfte müssen zum Start auf sich aufmerksam machen und haben es durch die Richtlinien umso schwerer, doch eine Schonfrist gibt es in Hameln nicht. „Es mag sein, dass die Richtlinien es neuen Geschäften schwer machen, die nötige Aufmerksamkeit zu erziehen. Aber: Eine Ungleichbehandlung der Gewerbetreibenden ist nicht zulässig, wir dürfen nicht einzelne Betriebe besser behandeln als andere. Daher ist eine Schonfrist für neue Geschäfte keine Option“, erklärt Stadtsprecher Thomas Wahmes.

Was gibt es für Richtlinien?

Hauptsächlich drei Bereiche regelt die Stadt Hameln: Es gibt Richtlinien über die Gestaltung des Mobiliars, der Warenauslagen und zum Thema Pflanzengefäße. So sollen beispielsweise Sonnenschirme und die Möbel vor den Geschäften in Form, Material und Farbe einheitlich gestaltet sein. Die Stadt schreibt in ihren Richtlinien auch die Materialien der Möbelstücke, die Farbe der Sonnenschirme sowie die Größe vor. „Runde Sonnenschirme sind von einem Mindestdurchmesser von 3 Meter und bis zu einem maximalen Durchmesser von 6 Meter zulässig. Eckige Sonnenschirme sind von einer Mindestkantenlänge von 2,75 Meter und bis zu einer maximalen Kantenlänge von 5 Meter zulässig“, heißt es in den Gestaltungsrichtlinien für Sondernutzungen in der Fußgängerzone.

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Die Werbetafeln sollen möglichst einheitlich sein, daher werden Kreidetafeln gewünscht. Zudem weist die Stadt daraufhin, dass das Mobiliar und die Sonnenschirme in der Farbgestaltung zurückhaltend zu gestalten seien. Für die Sonnenschirme werden verschiedene Farbtöne vorgeschlagen und Werbeschriftzüge seien unzulässig.

Auch bei den Warenauslagen vor den Geschäften hat die Stadt klare Vorstellungen: „Waren sind betriebsbezogen nach einem einheitlichen Konzept und in einer ansprechenden Art und Weise zu präsentieren. Minderwertige Warenauslagen in Form von Paletten, Drahtcontainern, Waschkörben, Kartons etc. sind unzulässig. Die Präsentation von Waren auf dem Boden sowie die Befestigung von Waren an Fassaden, Vordächern und Markisen ist unzulässig. Die Präsentation von Blumen und Pflanzen auf dem Boden ist zulässig“, heißt es nach den Richtlinien. Zudem gibt es genaue Angaben über die Größe der Preisschilder und auch eine Beleuchtung der Waren ist ausgeschlossen.

Außerdem sollen Pflanzgefäße in Form, Farbe und Material für das jeweilige Geschäft einheitlich gestaltet sein. Künstliche und exotische Pflanzen dürfen nicht in die Fußgängerzone gestellt werden, da diese nicht angemessen seien.

Andere Regeln sind jedoch sehr sinnvoll, wie der Hinweis, dass die Sicherheitstrasse von 4,5 Metern für Noteinsatzfahrzeuge freigehalten werden muss. Ebenso, dass Schirm oder Möbel 1,5 Meter von der Blindenleitlinie entfernt sein müssen. Auch die Fläche, die Geschäfte vor ihrem Laden nutzen dürfen ist klar definiert, damit es eine faire Richtlinie für alle Beteiligten gibt. Auch dürfen Waren nicht vor dem eigentlich Laden verkauft werden. „Diese Regelung schützt die ortsansässigen Gewerbetreibenden, da eine Verkaufskonkurrenz außerhalb der bestehenden Geschäftsräume (ausgenommen bei Veranstaltungen) nicht genehmigungsfähig wäre“, berichtet Wahmes.

Stimmen aus Hameln

Doch was sagen Geschäftsleute aus Hameln dazu? Der Spargelhof Winkelmann hat erst vor kurzem ein neues Geschäft in der Bäckerstraße eröffnet. Auf sich aufmerksam zu machen und Kunden damit ins Geschäft zu locken fällt aktuell schwer, da sie beispielsweise ihre Werbetafeln mit Angeboten nicht in die Bäckerstraße stellen dürfen, da diese keine Kreidetafeln sind. Auch eine große Erdbeere durfte nicht vor dem neuen Laden platziert werden, da dies nicht in das Bild der Fußgängerzone passt. Viele Kunden sprechen das Thema ebenfalls an und sagen „Ihr müsst was machen“.

Die Schäfers Bäckerei hat rote Sonnenschirme vor ihrem Geschäft in der Bäckerstraße stehen, auch diese Farbe ist nicht gewünscht, doch da es zum Design der Firma gehört, wird dies toleriert.

Die Arko Confiserie berichtet, dass sie bisher noch keine Probleme hatten.

Wie wichtig passende und schöne Deko für eine Fußgängerzone ist, sieht man vor der Galerie Kiehne. Doch dies ist meist mit einer Sondergenehmigung und zusätzlichen Kosten verbunden.

Für die Fischpfortenstraße gelten diese Richtlinien nicht und ein positives Beispiel ist Om Shanti. Mit bunten Farben und interessanten Gerüchen macht das kleine Geschäft auf sich aufmerksam und das mit Erfolg.

Die Befragten waren sich einig, Richtlinien sind wichtig und richtig, doch wie weit diese Regeln gehen müssen bleibt fraglich.

(lbr)