Die Problemlagen am Hamelner City-Busbahnhof scheinen vielfÀltig zu sein. Wie sich die Lage vor Ort konkret darstellt und worin die Ursachen liegen könnten, will der Landkreis Hameln-Pyrmont jetzt mittels gezielter Streetwork genauestens untersuchen.

In der kommenden Woche geht es los. Ein Mitarbeiter des Jugendamtes wird regelmĂ€ĂŸig in Begleitung einer Mitarbeiterin von der Hamelner Suchtberatung „Drobs“ im Bereich City-Busbahnhof/Innenstadt unterwegs sein, um sich einen Überblick ĂŒber die Situation zu verschaffen und im Dialog mit den Menschen zu erfahren, wer sich dort aufhĂ€lt und warum.

Dabei kann der Landkreis bereits auf eine erste Befragung zurĂŒckgreifen, die die Stadt Hameln Ende Oktober gestartet hatte. Dem Landkreis und der Stadt ist dabei wichtig, belastbare Ergebnisse zu erhalten, was sich derzeit schwierig gestaltet, da im Bereich des City-Busbahnhofs Corona-bedingt wenig Publikumsverkehr herrscht.

Probleme mĂŒssen erst erkannt werden
„Erst mit einer soliden Bestandsaufnahme, die auf einer authentischen Datenerhebung ĂŒber einen angemessenen Zeitraum hinweg basiert, werden wir feststellen können, um welche Probleme es sich hier handelt und mit welchen Personenkreisen wir es tatsĂ€chlich zu tun haben. Dann können wir konkret die Bedarfe und auch die ZustĂ€ndigkeiten ermitteln, um letztlich möglichst nachhaltige konstruktive Lösungen zu erarbeiten und den City-Busbahnhof fĂŒr alle sicherer zu machen“, erklĂ€rt Landrat Dirk Adomat.

Die EinsĂ€tze des Jugendamtes werden in den kommenden Monaten mehrfach in der Woche stattfinden. Im Anschluss an die Auswertung von belastbarem Datenmaterial wird dann bedarfsorientiert festzulegen sein, wie die Sozialarbeit in Hameln, die u. a. schon viele Jahre von Achim Degen, ebenfalls von der Suchberatung „Drobs“, ausgeĂŒbt wird, aufgestellt werden sollte.

Ziel ist es, das SicherheitsgefĂŒhl zu erhöhen
Die Sicherheitslage positiv zu verĂ€ndern, ist nach Auffassung von Landrat Dirk Adomat und OberbĂŒrgermeister Claudio Griese ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag, „dem wir uns gemeinsam mit der Polizei stellen wollen.“ FĂŒr eine solche Aufgabe ist ein Schulterschluss von Landkreis, Stadt und Polizei erforderlich.

Seit 1. November 2020 verstĂ€rkt die Stadt Hameln bereits mit der Einrichtung eines stĂ€dtischen Ordnungsdienstes ihre PrĂ€senz in der Innenstadt mit insgesamt zwei neuen Mitarbeitern.  Ziel ist es, das SicherheitsgefĂŒhl zu erhöhen – im Bereich des City-Busbahnhofs, aber auch in der gesamten Innenstadt, im Bahnhofsbereich und an der Weserpromenade.

Ebenfalls im Kontext „City-Busbahnhof“ ist der Vorstoß der Stadt Hameln zu sehen, fĂŒr die StadtbĂŒcherei in der PfortmĂŒhle einen Sicherheitsdienst zu beauftragen. Die unmittelbare Lage am City-Busbahnhof hatte dazu gefĂŒhrt, dass Personen die BĂŒcherei aufsuchen, die kein Interesse an einer Ausleihe von Medien haben, sondern die BĂŒcherei als Aufenthaltsort nutzten und zudem als „konfliktbereit“ auffielen. 

Senior SchlÀger Haus bietet Beratungsstelle an
Im gesamten Bereich der Stadt Hameln wird aufsuchende Sozialarbeit bereits seit Jahren durch die Mitarbeiter des Senior SchlĂ€ger Hauses durchgefĂŒhrt. Zielgruppe sind VolljĂ€hrige, die zu den Personen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten gehören und aufgrund ihrer LebensumstĂ€nde von sozialer Isolation betroffen sind. Ziel der Sozialarbeit ist es, diese Personengruppe in das vorhandene Hilfesystem des Senior SchlĂ€ger Hauses zu fĂŒhren, das einen Tagestreff und eine Beratungsstelle anbietet.

Es handelt sich hierbei um eine freiwillige Aufgabe, die von dem TrĂ€gerverein Senior SchlĂ€ger Haus e.V., der Stiftung Wohnungshilfe der Stadt Hameln und dem Landkreis Hameln-Pyrmont gemeinschaftlich finanziert wird. Aufgesucht werden von den Sozialarbeitern nicht nur der Busbahnhof, sondern auch andere Stellen im Hamelner Stadtgebiet, wo sich dieser Personenkreis bekanntermaßen trifft. Hier handelt es sich oftmals um Menschen, die sich fĂŒr einen anderen Lebensstil entschieden haben, was grundsĂ€tzlich in einer freien Gesellschaft zu akzeptieren ist. Dennoch gilt es, diesen Personen Perspektiven fĂŒr ein anderes Leben zu eröffnen und hierbei Hilfen anzubieten.

Das Projekt JUGEND STÄRKEN
An junge Menschen richtet sich der Landkreis Hameln-Pyrmont bereits seit Jahren mit dem Projekt JUGEND STÄRKEN im Quartier. Dieses Projekt lĂ€uft bereits in der 2. Förderperiode mit insgesamt 6 Mitarbeitenden.  Momentan beteiligen sich ĂŒber 130 junge Menschen, die vorwiegend aus Osteuropa stammen, an diesem Projekt. Die Streetworker dieses Projekts sind mit aufsuchender Jugendsozialarbeit auch in den kreisangehörigen Gemeinden   unterwegs und konnten auf diesem Weg neue Teilnehmer fĂŒr das Projekt gewinnen.