Vom s√§belrasselnden Wachtmeister zum B√ľrgerpolizist – die Polizeidirektion G√∂ttingen hat am Montag im Kunstkreis Hameln die Wanderausstellung “Freunde, Helfer, Stra√üenk√§mpfer – Die Polizei in der Weimarer Republik” des Polizeimuseums Niedersachsen er√∂ffnet.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Nieders√§chsischen Innenministers, Boris Pistorius, und befasst sich mit der Geschichte der Polizei zwischen den beiden Weltkriegen. Sie wird erg√§nzt durch lokale Beitr√§ge des Vereins f√ľr regionale Kultur- und Zeitgeschichte Hameln. Die Ausstellung ist bis zum 4. Oktober 2020 zu sehen, der Eintritt ist frei.

Der Titel der Ausstellung fasst das Bild der Polizei in den Jahren 1918 bis 1933 treffend zusammen: In den 1920er Jahren sollte die Polizei nicht mehr milit√§risch sein, sondern eine zivile Beh√∂rde werden. Die Ordnungsh√ľter sollten nicht mehr des Kaisers Macht wahren und durchsetzen, sondern f√ľr den Schutz der B√ľrgerinnen und B√ľrger sorgen und das Bild vom Freund und Helfer verk√∂rpern. Die Polizei wurde demokratisch und entsprach damit dem Zeitgeist der damaligen Jahre. Die instabilen Verh√§ltnisse und blutigen Auseinandersetzungen zwischen politischen Gegnern zerrieben jedoch die noch junge Demokratie und schlie√ülich auch die Polizei, die von den Nationalsozialisten am Ende f√ľr ihre Gr√§ueltaten instrumentalisiert wurde.

Die Ausstellung wurde vom Polizeimuseum Niedersachsen konzipiert. Sie legt den Schwerpunkt auf die Entwicklung der Polizei im Gebiet des heutigen Niedersachsen und stellt diese den gro√üen politischen Ereignissen in den Jahren zwischen den Weltkriegen gegen√ľber. Der Hamelner Historiker Bernhard Gelderblom erg√§nzt die Schau mit einer lokalen Begleitausstellung unter dem Titel “Die Polizei Hameln in der Zeit der Weimarer Republik”. Zu sehen sind unter anderem ausgew√§hlte Exponate aus der Sammlung des Polizeimuseums Niedersachsen sowie Originale, die B√ľrgerinnen und B√ľrger aus dem Weserbergland zur Verf√ľgung gestellt haben.

In seinem Gru√üwort ging Polizeipr√§sident Uwe L√ľhrig auf den Wandel ein, den die Polizei in der Weimarer Republik vollzogen hat und spannte den Bogen in die heutige Zeit. Er betonte: “Wir tun auch heute noch viel, um die B√ľrgerpolizei zu sein, die die Gr√ľnder der ersten Demokratie in Deutschland im Sinn hatten. Dieser Anspruch hat bis heute nichts an Bedeutung verloren und ist nach wie vor Ma√üstab f√ľr unser Handeln.

Uwe L√ľhrig, Pr√§sident der Polizeidirektion G√∂ttingen, er√∂ffnete die Ausstellung vor dem Kunstkreis in Hameln. Foto: PR

Der Kurator der Ausstellung, Dr. Dirk Götting, sprach in seiner Eröffnungsrede mit Blick auf das Ende der Weimarer Republik von einem Stresstest der ersten Demokratie, den diese leider nicht bestanden hätte.

Bernhard Gelderblom ging in seinem Fachbeitrag zur lokalen Ausstellung speziell auf die Entwicklung der Polizei in Hameln ein: “Sp√§testens in den letzten Jahren der Republik, als sich die b√ľrgerliche Mehrheit der Stadtbev√∂lkerung Hamelns von der Demokratie abgewandt und der NSDAP in die Arme geworfen hatte, versagte auch die st√§dtische Polizei als H√ľterin der Verfassung.”

Das Programm f√ľr kommende Woche
Nachdem in dieser Woche bereits zwei Demokratieschutzgespr√§che mit S√∂nke Ko√ü (Schulleiter AEG) und Gabriele L√∂sekrug-M√∂ller (ehemalige Staatssekret√§rin im Bundesarbeitsministerium) in den R√§umlichkeiten des Kunstkreises gef√ľhrt wurden, wird die Reihe der Sonderveranstaltungen in der n√§chsten Woche fortgesetzt:

– Montag, 14.09.2020, 18.00-19.30 Uhr, Ausstellungsf√ľhrung “Polizei in der Weimarer Republik”
– Dienstag, 15.09.2020, 19.00-21.00 Uhr, Vortrag Bernhard Gelderblom “Die Hamelner Polizei in der Zeit der Weimarer Republik”
– Mittwoch, 16.09.2020, 17.00-18.30 Uhr, Dialogpartner: Sylvia B√ľthe (Kirchenkreisjugend-wartin Evangelische Jugend Hameln-Pyrmont)
– Donnerstag, 17.09.2020, 18.00-19.30 Uhr, Ausstellungsf√ľhrung “Polizei im Weserbergland” mit Bernhard Gelderblom

Ab dem 14. September werden die ersten Schulklassen die Ausstellung besuchen.

Die Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden lädt herzlich zur Teilnahme ein.

Die Polizei lädt in den Kunstkreis Hameln ein.
Foto: PR

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Die Ausstellung kann zu den regul√§ren √Ėffnungszeiten des Kunstkreises Hameln besichtigt werden: Dienstag, Mittwoch, Freitag und Samstag von 10 bis 13 Uhr, Donnerstag von 16 bis 19 Uhr sowie Sonntag von 11 bis 14 Uhr. Termine f√ľr Sonderf√ľhrungen k√∂nnen unter Telefon 05151/933259 vereinbart werden.