Seit zehn Jahren fĂŒhrt der verfĂŒhrte VerfĂŒhrer nun schon interessierte BĂŒrger und Touristengruppen durch die Hamelner Altstadt.

Der Sage nach tauchte im Jahre 1284 ein Fremder in Hameln auf, der die Stadt bis heute in der ganzen Welt berĂŒhmt gemacht hat. Der RattenfĂ€nger befreite Hameln mit der unheimlichen Kraft seiner Musik von der Rattenplage. Als er dafĂŒr nicht den versprochenen Lohn erhielt, lockte er schließlich alle Kinder auf Nimmerwiedersehen aus der Stadt. Die uralte Sage macht Hameln damit einzigartig auf der Deutschen MĂ€rchenstraße, denn diese Geschichte ist kein nettes, buntes MĂ€rchen, sondern eine dĂŒstere ErzĂ€hlung um LĂŒgen, Rache und VerfĂŒhrung ohne Happy End. „Der verfĂŒhrte VerfĂŒhrer“, oder auch „Dunkle RattenfĂ€nger“ transportiert seit zehn Jahren diese Seite der Geschichte als szenische StadtfĂŒhrung.

Das „Ein-Mann-TheaterstĂŒck“ wurde zum 725-jĂ€hrigen JubilĂ€um im Jahr 2009 unter dem Leitmotiv: Geheimnis, Magie und VerfĂŒhrung, konzipiert. Die Hameln Marketing und Tourismus GmbH (HMT) beauftragte damals die Agentur „boy“ aus Kiel, die dazu insgesamt eine innovative Kampagne inklusive einer mystischen Webseite, die Hameln einmal von einer ganz anderen Seite zeigen sollte, entwickeln sollte. Ein neues Logo wurde auf den Weg gebracht und alte und neue Formate dem Leitgedanken zugefĂŒhrt.

Den Kampagnen-Startschuss gab das Stadtmarketing 2009 am ersten MĂ€rzwochenende mit der JubilĂ€umsveranstaltung „Mystica Hamelon“, bei der vor allem die UrauffĂŒhrung der mystischen FĂŒhrung „Der verfĂŒhrte VerfĂŒhrer“ und die neuen RattenfĂ€nger-KostĂŒme fĂŒr Furore sorgten.

Die KostĂŒme entstanden zuvor in einer Projektarbeit mit der Hochschule Hannover (HsH) Fachbereich Design. Eine Jury wĂ€hlte aus 14 außergewöhnlichen EntwĂŒrfen der HsH -Studierenden die zwei besten KostĂŒme aus. Anna-Elise Ritter und Maria Woick waren die siegreichen KostĂŒmdesignerinnen. Die Studierenden mussten sich mit der Dramaturgin des StĂŒcks, Johanna Kunze, abstimmen, um den neuen KostĂŒmen das entsprechende mystische Flair zu geben, was das Konzept verlangte. Außerdem sollte die RattenfĂ€nger-Kleidung nicht nur gut aussehen, sondern gleichzeitig funktional sein, da die StadtfĂŒhrer bei Wind und Wetter unterwegs sind. Professorin Maren Christensen betreute damals das Projekt.

Brian Boyer_Bogomir Wigbert_©HamelnMarketing
Darsteller Brian Boyer ist als dĂŒsterer Pfeifer unterwegs. Foto: HamelnMarketing

Neben Johanna Kunze arbeiteten damals Claus Lindner und Brian Boyer an der Umsetzung der szenischen FĂŒhrung, die die Altstadt als Kulisse nutzt. Beide Darsteller sind heute noch im Einsatz. Sie prĂ€sentieren die auf historische Vorlagen basierende KleinstĂŒcke in verwinkelten Gassen, die Teils amĂŒsieren, hintergrundtief zum Nachdenken einladen und schließlich in einen geheimnisvollen Schlussakt enden.

„Der Reiz des RattenfĂ€ngers liegt in seinem ungelösten Geheimnis, in seinem dunklen Flair, in dem mysteriösen Ausgang. Diesen Charakteristiken tragen wir damit Rechnung“, sagt Harald Wanger, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Hameln Marketing und Tourismus GmbH. „Nicht nur viele GĂ€ste nutzten das JubilĂ€umsjahr zum Hameln-Besuch. Die Draufsicht auf die RattenfĂ€ngersage hat sich seither verĂ€ndert – raus aus der EindimensionalitĂ€t eines ausschließlich netten, bunten Flötenspielers hin zu der Mystik und Magie einer Sage, die weltweit Menschen bewegt – und nicht zuletzt aufgrund all dieser Erfahrungen auch 2014 auf der nationalen Liste des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO landete“, schildert Hamelns Tourismuschef.

Die FĂŒhrung: Der verfĂŒhrte VerfĂŒhrer

Wer ist dieser lichtscheue Geselle, der plötzlich neben Ihnen steht, und was fĂŒr ein dĂŒsteres Geheimnis verbirgt er? Ist er wirklich der „echte“ RattenfĂ€nger
oder nur ein ganz normaler VerrĂŒckter? In jedem Fall nimmt er Interessierte mit auf eine StadtfĂŒhrung der besonderen Art. An magischen Orten und PlĂ€tzen in der Innenstadt verrĂ€t er den Teilnehmern Neues und weniger Bekanntes ĂŒber RattenfĂ€ngersage. Wie sah Hameln, ein kleines StĂ€dtchen im dunklen Mittelalter, damals wirklich aus? Warum verließen im Jahr 1284 die 130 „Kinder“ die Stadt?

In einem etwas 75-minĂŒtigen Stadtspaziergang durch die Altstadt erfahren die Teilnehmenden in sechs verschiedenen Episoden seine Version der Geschichte(n) – mal ernsthaft, mal augenzwinkernd, mal unheimlich.

GruppenfĂŒhrungen sind mit bis zu 20 Personen möglich. Von Mai bis Oktober gibt es zudem an jedem ersten Samstag im Monat öffentliche FĂŒhrungen. Weitere Informationen gibt es unter www.hameln.de. Auskunft gibt auch das Infocenter Hameln unter der Telefonnummer 05151 9578-23. DarĂŒber können außerdem FĂŒhrungen gebucht werden.

(red)