Corona sorgt fĂŒr Tourismus-Einbruch: Im ersten Halbjahr haben rund 68.200 GĂ€ste den Landkreis Hameln-Pyrmont besucht – das sind 54 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Die Zahl der Übernachtungen sank um 41 Prozent auf etwa 347.000. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-GaststĂ€tten mit. Die NGG beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Landesamtes. „Die Pandemie hat zu einer beispiellosen Krise im heimischen Gastgewerbe gefĂŒhrt. Erst mussten Hotels, Pensionen, Kneipen und Restaurants ĂŒber viele Wochen ganz schließen. Und nach dem Lockdown lĂ€uft der Betrieb unter Auflagen nur langsam wieder an“, sagt Lena Melcher, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der NGG-Region Hannover.

Unter der Situation litten aber nicht nur die Unternehmen. „Die Folgen sind auch fĂŒr die BeschĂ€ftigten dramatisch. Als Kurzarbeiter mussten sie deutliche Lohneinbußen in Kauf nehmen – in einer Branche, die ohnehin nur geringe Löhne zahlt“, betont Melcher. Nach dieser „Durststrecke“ blickten viele BeschĂ€ftigte nun mit Sorge auf die Herbst- und Wintersaison. Nach Angaben der Arbeitsagentur beschĂ€ftigt das Hotel- und GaststĂ€ttengewerbe im Landkreis Hameln-Pyrmont rund 2.800 Menschen.

Kurzarbeit verhindert Arbeitslosigkeit
Allerdings habe die Kurzarbeit bislang einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindern können. Dank staatlicher Hilfen sei eine Pleitewelle im Gastgewerbe ausgeblieben. „Die Gewerkschaften haben sich in Berlin seit Beginn der Pandemie fĂŒr das Kurzarbeitergeld starkgemacht und auch durchgesetzt, dass es bis Ende nĂ€chsten Jahres verlĂ€ngert wird. So kommen BeschĂ€ftigte und Betriebe besser durch diese schwere Zeit“, sagt Melcher. Entscheidend sei zudem, dass die Leistung nach sieben Monaten auf 80 Prozent des Nettoverdienstes (fĂŒr Eltern 87 Prozent) ansteige. „Am Ende steht fest: Jeder Kurzarbeiter ist ein möglicher Arbeitsloser weniger.“

Die Gewerkschaft NGG appelliert nun an die Unternehmen, die Kurzarbeit fĂŒr die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zu nutzen. „Wer wegen Corona nicht arbeiten kann, sollte die Möglichkeit einer beruflichen Weiterbildung bekommen. Das ist ein Beitrag gegen den FachkrĂ€ftemangel, der in Hotels und Restaurants unabhĂ€ngig von der Pandemie eklatant ist. Und BeschĂ€ftigte können einen Schritt auf der Karriereleiter machen – etwa von der KĂŒchenhilfe zur Köchin, von der Fachkraft im Gastgewerbe zum Restaurantfachmann oder Hotelfachmann“, unterstreicht Melcher. Zudem mĂŒssten BeschĂ€ftigte auch im Gastgewerbe fĂŒr die Digitalisierung fit gemacht werden. Hier berge die Krise eine große Chance.

Nach Angaben des MĂŒnchner Ifo-Instituts waren im August bundesweit 377.000 BeschĂ€ftigte des Hotel- und GaststĂ€ttengewerbes in Kurzarbeit – das ist gut jeder dritte Arbeitnehmer (34 Prozent). In der gesamten Wirtschaft lag der Anteil der Kurzarbeitenden zuletzt bei 14 Prozent. WĂ€hrend des Lockdowns zwischen Anfang MĂ€rz und Ende April wurde laut Arbeitsagentur fĂŒr neun von zehn sozialversicherungspflichtige BeschĂ€ftige im Gastgewerbe Kurzarbeit beantragt.