Verkehrschaos vermeiden – Polizei besucht Grundschulen und ermahnt Eltern

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Polizei_Kontrolle an Schule
Die Polizei kontrolliert in der Königstraße. Foto: Brümmer

Es ist Freitagmorgen, 7.30 Uhr: Noch ist es in der Hamelner Königstraße ruhig. Lediglich vereinzelte Schüler schlurfen mit ihrem Ranzen zur Wilhelm-Raabe-Schule. Die Polizei ist mit fünf Leuten vor Ort, positioniert sich auf dem Bürgersteig vor der Schule und an einer Kreuzung weiter im hinteren Teil der Straße. Es ist wie das Warten vor dem Sturm. Um 7.45 Uhr nimmt der Verkehr zu. Schüler laufen unkontrolliert über die Straße, werden von ihren Eltern, die im Halteverbot stehen, rausgeschmissen oder gar bis in die Klasse gebracht. Die Autos stehen bis hinter die Kurve und die sowieso schon recht enge Straße wird von Minute zu Minute unübersichtlicher und voller. „Der Verkehr ist heute noch ruhig, weil wir ja hier in Uniform stehen“, erklärt Andreas Appel, Polizeioberkommisar der Hamelner Inspektion.

Verkehrschaos gefährdet Kinder

Er betreut die Schule bereits länger und kennt die Problematik. „Die Lage ist auch nicht einfach, weil direkt gegenüber auch ein Kindergarten ist und die Straße einfach recht schmal ist“, beschreibt er die Gegebenheiten. Auch an anderen Schulen in Hameln sieht es nicht besser aus. Vor der Basbergschule herrscht trotz Einbahnstraße ein wahres Verkehrschaos. Die Situation vor beiden Schulen kennt eine Mutter und Anwohnerin, die wir am Tag der Kontrolle treffen. „Meine Tochter fährt mit dem Bus zur Niels-Stensen Grundschule. Die Bushaltestelle ist gleich vorne an der Straße und ein Elternteil begleitet die Kinder im Bus“, erzählt sie. Ihr jüngeres Kind bringt sie täglich zu Fuß in den Kindergarten an der Königstraße. Dies sei laut der Polizei ein vorbildliches Verhalten.

Lieber in Ruhe zu Fuß

Auch die Verkehrswacht und der ADAC sprechen sich für einen ruhigen Schulweg zu Fuß aus. Die Eltern sollten mit den Kindern den Weg zur Schule planen und üben. Das ist besonders wichtig, da Kinder ein kleineres Blickfeld sowie eine längere Reaktionszeit haben und insgesamt unbekümmerter sind. Eine weitere Hilfestellung sind die „gelben Füße“, die von der Polizei zu Beginn jeden Schuljahres gesprüht werden. Zudem besuchen die Polizisten auf Einladung der Schulen entsprechende Elternabende und geben auch den Eltern Tipps, wie ihr Kind am sichersten zur Schule gelangt.

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Auch das Fahren mit dem Bus oder dem Rad sollte geübt sein. Ist dies alles nicht möglich, sollten sich die Eltern zumindest in Fahrgemeinschaften organisieren und auf die Sicherheit der Kinder achten. Polizeioberkommissar Andreas Appel achtet bei solchen Kontrollen vermehrt darauf, dass die Kinder auf der Rückbank sitzen, angeschnallt sind und ein Kindersitz verwendet wird. Doch auch dies ist an der Königstraße nicht immer der Fall. „Wir hatten gerade eine Mutter, die ihr Kind ohne entsprechenden Sitz zur Schule gebracht hat“, berichtet er. Der Kindersitz befand sich zudem noch im Kofferraum. Der Bußgeldkatalog sieht dafür Strafen von 30 bis 70 Euro vor.

Gefahr wird nicht erkannt

Die meisten Eltern würden gar nicht realisieren, dass sie die Schulkinder gefährden oder ihnen ein schlechtes Vorbild sind. Daher begrüßt Schulleiterin Britta Bödecker die Aktion der Polizei. „Ich finde es ganz toll, dass die Polizei hier Präsenz zeigt. Sonst ist die Lage durchaus schlimmer, doch zum Glück ist noch nie etwas passiert“, sagt die Schulleiterin. Zur Debatte steht sogar, dass die Straße vor der Schule und dem Kindergarten für den Verkehr gesperrt werden könnte, doch dies sei noch in Planung.

Sollte sich die Lage weiter verschlimmern, könnten Bannmeilen helfen. Dieses System wird bereits in anderen Städten verwendet, um ein Verkehrschaos vor den Schulen zu verhindern. In Hannover ist vor einigen Schulen das Ein- und Aussteigen in den Stoßzeiten nur noch einige hundert Meter von dem Eingang entfernt erlaubt. Auch an der Grundschule Tündern hat die Polizei in Zusammenarbeit mit der Stadt Schilder für Eltern angebracht, um die Situation vor der Schule zu entspannen. Ob das System funktioniert wird sich jedoch erst in den nächsten Monaten entscheiden.

(lbr)