Dicke Wolken ziehen am 17. September ĂŒber dem BHW-GebĂ€ude in Hameln auf und dennoch haben sich vor dem Personaleingang zahlreiche Menschen versammelt. Sie tragen Warnwesten und haben Trillerpfeifen, Anstecker und Banner dabei – hier wird gestreikt.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hatte zum Warnstreik aufgerufen, nachdem die Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bank am 9. September als gescheitert erklĂ€rt worden waren. In einer Pressemitteilung der Gewerkschaft heißt es, dass von den Arbeitgebern der DB Privat- und Firmenkundenbank AG in der dritten Verhandlungsrunde ein „inakzeptables Angebot“ vorgelegt worden sei. Danach sollen die GehĂ€lter der BeschĂ€ftigten ab 1. April 2020 um 1,7 Prozent erhöht werden, ab 1. Juli 2021 um 1,0 Prozent und ab 1. Februar 2022 um weitere 1,0 Prozent. Bei neun Nullmonaten wĂŒrde dieses Angebot ĂŒber eine Laufzeit von 36 Monaten eine durchschnittliche jĂ€hrliche Erhöhung der GehĂ€lter um lediglich 1 Prozent bedeuten.

„Das ist kein Angebot, ĂŒber das wir ernsthaft reden können. Die BeschĂ€ftigten, die unter schwierigen Bedingungen gute ErtrĂ€ge fĂŒr das Unternehmen erwirtschaftet haben, fĂŒhlen sich provoziert“, betonte ver.di-VerhandlungsfĂŒhrer Jan Duscheck in der Mitteilung. „Das ist Hohn“, machte auch Betriebsratsvorsitzender Timo Heider bei der Streikkundgabe in der RattenfĂ€ngerstadt deutlich.

Verhandelt wird nach Angaben von ver.di fĂŒr rund 12.000 BeschĂ€ftigte bei Teilen der DB Privat- und Firmenkundenbank AG, Postbank Filialvertrieb sowie der BHW-Kreditservice und weiterer Tochterunternehmen. Die Gewerkschaft fordert unter anderem die Erhöhung der GehĂ€lter um sieben Prozent, mindestens 200 Euro, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die BeschĂ€ftigten sollen dabei wĂ€hlen können, ob sie mehr Geld oder mehr Freizeit erhalten möchten. Des Weiteren fordert ver.di eine Erhöhung der AusbildungsvergĂŒtung um 100 Euro. FĂŒr ver.di-Mitglieder werden außerdem sechs Gesundheits- und Entlastungstage gefordert.

Streik BHW_verdi 1Zur UnterstĂŒtzung der Streikenden in Hameln waren auch die Bundestagsabgeordneten Johannes Schraps (SPD) und Jutta Krellmann (Die Linke) anwesend. Sie halten es fĂŒr wichtig, sich auch als Politiker solidarisch fĂŒr den Arbeitnehmer zu zeigen. Krellmanns Ansicht nach ist die Forderung der Streikenden durchaus zeitgemĂ€ĂŸ. Schraps macht klar: „Zu einer Tarifpartnerschaft gehören auch faire Angebote.“

„Wir haben einen Plan und der Plan ist gut“, sagt Heider zum Abschluss der Kundgabe, doch bevor er die Streikenden in den „Feierabend“ entlĂ€sst, stellt er noch einmal die wichtige Frage: „Wo bleibt ihr morgen?“ „Zu Hause!“, hallt es aus der Menge, denn der Streik endet nicht mit dem heutigen Tag, sondern soll noch bis zum morgigen Mittwoch, 18. September, um 23.59 Uhr andauern.
(mik)